Studierendenbefragung mit über 12 000 Teilnehmern

30 Prozent der Studienzweifler halten Berufsausbildung für attraktiv

Fast 30 Prozent der Studienzweifler können sich eine Ausbildung im dualen System vorstellen. Nahezu jeder dritte Studierende hält ein duales Studium für interessant. Foto: Sebastian Bernhard/pixelio.de

Rund ein Drittel der Studierenden zweifelt daran, dass sie ihr derzeitiges Studium erfolgreich abschließen werden. Für fast 30 Prozent von ihnen ist eine Ausbildung im dualen System eine attraktive Alternative. Dies sind die Ergebnisse einer Studierendenbefragung der Universität Maastricht in Kooperation mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zur Attraktivität der beruflichen Bildung.

Auch duales Studium interessant

Die Befragung wurde im September 2015 online mit über 12 000 Studierenden an deutschen Hochschulen durchgeführt. Dass sich, so ein weiteres Ergebnis der Studie, nahezu jeder dritte Studierende bei einer Neuorientierung ein duales Studium vorstellen könnte, zeigt, dass es insgesamt ein großes Interesse der Studierenden an einem Bildungsweg mit betrieblichen Anteilen und konkreten beruflichen Perspektiven gibt.

Insgesamt findet die duale Berufsbildung bei den Studierenden positive Anerkennung: Auf einer Skala von 1 (gering) bis 5 (hoch) bewerten die Studierenden sie mit einem Wert von 3,72 als überdurchschnittlich gut. Gefragt nach ihrer Einschätzung zu spezifischen Berufen zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede: Das beste Image genießen unter den Befragten Berufe wie "Fachinformatiker/-in", "Medizinische/-r Fachangestellte/-r" und "Forstwirt/-in", vergleichsweise schlecht stellt es sich bei Berufen wie "Gebäudereiniger/-in", "Friseur/-in" und "Kaufmann/-frau im Einzelhandel" dar.

Studium auf Ausbildung anrechnen

Die Befragungsergebnisse zeigen auch, dass es weitere Türöffner für ein größeres Interesse an betrieblicher Bildung gibt: Rund 80 Prozent der Studienzweifler, die in einer dualen Berufsausbildung bisher keine Option sehen, geben an, dass ihnen die Entscheidung für eine Ausbildung leichter fallen würde, wenn sie den Betrieb beziehungsweise das Unternehmen bereits im Vorfeld innerhalb eines bezahlten Praktikums kennenlernen könnten. Wird ein solches Praktikum ohne Vergütung in Aussicht gestellt, treffen immer noch 69 Prozent diese Aussage. Wichtig ist dieser Gruppe von Studienzweiflern, dass im Falle eines Wechsels in die duale Berufsausbildung entweder die bisher im Studium erbrachten Lernleistungen auf die Abschlussprüfung angerechnet werden (81 %) oder durch eine Anrechnung der hochschulischen Lernleistungen die Ausbildungsdauer verkürzt wird (ebenfalls 81 %).

Die rund 12 000 Studierenden wurden auch nach ihren Erwartungen an einen Ausbildungsabschluss im Vergleich zu einem Hochschulabschluss befragt. Hinsichtlich der Arbeitsplatzsicherheit sieht der Großteil der Befragten (41 %) gleiche Chancen auf einen sicheren Arbeitsplatz bei Ausbildungs- und Hochschulabschluss. 38 Prozent der Studierenden sehen hier sogar eher einen Vorteil in der Ausbildung, nur 21 Prozent sehen ihn bei einem Studium.

Image des Studiums trotzdem hoch

Hinsichtlich des gesellschaftlichen Ansehens und der Bezahlung schneidet die duale Berufsausbildung allerdings schlechter ab als das Studium: 56 Prozent der Studierenden schätzen das gesellschaftliche Ansehen und 51 Prozent die Bezahlung mit einem Hochschulabschluss gegenüber einem Ausbildungsabschluss als besser ein.

Hintergrund der Befragung ist die anhaltende Diskussion um Möglichkeiten der Integration von Studienaussteigenden in die berufliche Bildung. Eine beständig hohe Studienabbruchquote in Bachelorstudiengängen von derzeit 28 Prozent auf der einen sowie die steigende Anzahl unbesetzter Ausbildungsstellen im dualen System auf der anderen Seite führte in den letzten Jahren verstärkt zu Programmen mit dem Ziel, Studienaussteigende für die berufliche Bildung zu gewinnen. Dieser Ansatz, der vor allem durch die Kammern sowie das vom Bundesbildungsministerium geförderte Programm "Jobstarter plus" verfolgt wird, soll einen Beitrag dazu leisten, den prognostizierten Fachkräfteengpässen, insbesondere im mittleren Qualifikationsbereich, entgegenzuwirken. BIBB

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 03/2016 .

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