Worauf Landschaftsgärtner beim Verarbeiten von Fertigrasen achten sollten

Fakten zum Fertigrasen

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Fertiger Rollrasen für die Auslieferung: Ende Februar startet in vielen Regionen Deutschlands wieder die Fertigrasenernte. Foto: Martin Bocksch

Ist der Boden frostfrei und liegt der Rasen nicht mehr unter Schnee, beginnt die neue Fertigrasensaison. Fertigrasen ist ein lebendes Produkt. Seine Erzeugung, seine Ernte und seine Verarbeitung verlangen hohes technisches, biologisches, agronomisches und gärtnerisches Wissen. Neueste Forschungsarbeiten an verschiedenen deutschen Hochschulen haben das Wissen verbreitert und abgesichert.

Die neue Fertigrasensaison beginnt gerade. Und die Saison wird dauern - mindestens bis weit in den November hinein, wenn nicht gar bis Dezember. Die Fertigrasensaison ist ungleich länger als die Ansaatperiode und fast immer mit dem gleichen, schönen Ergebnis: einer dichten, gesunden und funktionstüchtigen Rasenfläche. Der Bedarf an Fertigrasen übersteigt in Deutschland die heimische Produktion noch immer deutlich, obwohl mittlerweile nach eigenen Schätzungen auf 3500 bis 4000 ha Fertigrasen erzeugt wird. Für ein schönes Ergebnis ist von der Produktion über die Ernte und den Transport bis zum Verlegen und der ersten Pflege viel Arbeit und Know-how nötig. Das meiste davon basiert auf Erfahrungen. Im Jahr 2016 haben sich jedoch drei Hochschulen wissenschaftlich mit der Verarbeitung und dem Anwachsverhalten von Fertigrasen beschäftigt. Zudem gibt es nun erstmalig ein Regelwerk, welches sich mit der Beschaffenheit von Fertigrasen bei der Anlieferung auseinandersetzt, die "Technische Lieferbedingungen Fertigrasen" (TL Fertigrasen) der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) in Bonn. Unter anderem sollen einige Ergebnisse und Fakten daraus vorgestellt werden.

Produktion und Ernte

Der Fertigrasenproduzent leistet einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg. Er hat das beste Saatgut und die für seinen Standort optimale Artenmischung ausgewählt und ausgesät und den jungen Fertigrasen anschließend mit großer Sorgfalt über zwölf bis 18 Monate gepflegt. Das heißt: mehrmals wöchentlich gemäht, optimal mit Nährstoffen versorgt und bei Bedarf - und zwar nur bei Bedarf - gewässert sowie manchen anderen Arbeitsgang durchgeführt.

Schonende Ernte am frühen Morgen bringt gute Soden mit vitalen Gräsern. Foto: Martin Bocksch

Die Rasenflächen haben noch die Feuchtigkeit der Nacht gespeichert und sind kühler. Die zusätzliche Wassergabe, beispielsweise am Vortag verabreicht, verstärkt diese Wirkung noch. Foto: Martin Bocksch

Eine schonende Ernte der besten Rasenflächen garantiert hochwertigen Rasen. Durch eine Spezialbehandlung vor der Ernte werden die Gräser stressresistenter und damit unter anderem besser transportfähig. Dazu gehört zum Beispiel eine Eisendüngung oder in Trockenphasen das Bewässern der Fläche im Vorfeld der Ernte. Auch achtet der Erzeuger auf die Tageszeit der Ernte: Am Morgen geschälte Rasenflächen haben noch die Feuchtigkeit der Nacht gespeichert und sind kühler. Die zusätzliche Wassergabe, beispielsweise am Vortag verabreicht, verstärkt diese Wirkung noch, denn es steht mehr Wasser in der Sode zur Verdunstung bereit und es dauert daher länger bis die Sode austrocknet, beziehungsweise sich erhitzt, denn der Effekt der Verdunstungskühlung kann länger andauern. Das trägt viel zum Erhalt der grünen Blattfarbe sowie der verbliebenen Wurzeln und damit der Vitalität der Gräser bei. Bei Versuchen an der Hochschule Osnabrück konnte mit einer Zusatzgabe von 3 l Wasser auf einen Quadratmeter Rollrasen die Haltbarkeit der Rasensoden im gerollten Zustand und bei einer Temperatur von kontinuierlich 20 °C auf bis zu vier Tage verlängert werden. Die nicht in dieser Weise behandelte Sode war bereits nach zwei Tagen sichtlich geschädigt, was die landläufige Erfahrung aller Praktiker bestätigt: Fertigrasen muss sofort nach Lieferung verarbeitet werden.

Das Wasser in der Sode hat jedoch noch einen anderen wichtigen Effekt - die Sode schrumpft weniger beim Transport und einer eventuellen kurzzeitigen Lagerung. Denn wenn der Boden austrocknet zieht sich das Bodengefüge zusammen. Bei einer knappen Flächenkalkulation und einer entsprechend großen Fläche können diese Schrumpfungsprozesse entscheidend und sehr ärgerlich sein.

Ein weiterer Punkt, der oft zu Diskussionen führt, ist die Schäldicke des Rasens - also wie viel Boden und Wurzelgeflecht vom Boden abgetrennt und aufgenommen wird. In der Regel sind das bei den meisten deutschen Erzeugern 1,0-1,5 cm. Dieses Maß ist ein Kompromiss aus einerseits möglichst vielen Wurzeln, damit die Sode zusammenhält und nicht reißt, und andererseits so wenig Gewicht wie möglich, denn diese Soden werden in der Regel als Quadratmeterrolle geerntet und von Hand an der Verlegestelle gehändelt, transportiert und verlegt.

Ein Sonderfall sind sogenannte Dicksoden, die mit einer Nenndicke von rund 3 cm geschält werden. Sie finden in erster Linie im Sportplatzbau Verwendung, wenn die Flächen sehr schnell wieder genutzt werden müssen. Diese Soden werden nicht als Quadratmeterrolle angeboten - sie wären vom Gewicht her nicht zu handhaben - sondern gleich in größeren Breiten und Längen geschält und maschinell verlegt. Das ermöglicht es, diese frisch verlegten Soden unter Umständen schon 24 Stunden nach der Verlegung von Fußballern bespielen zu lassen. Allein ihr Eigengewicht lässt die Soden fest liegen.

Für das Anwachsen der Fertigrasensoden ist eine dünnere Schälung jedoch positiver. Je dünner die Sode geschält wurde, desto weniger Wurzeln bringt die Pflanze mit und muss sie somit rasch erneuern. Unter einem Zentimeter Schäldicke reicht die Festigkeit des Wurzelgeflechts nicht aus: die Sode reißt. Hinzu kommt der sogenannte Blumentopfeffekt: Die Graswurzeln ziehen die gewohnte Umgebung vor. Reicht der Boden der Sode aus, um das Leben zu bestreiten, sieht die Pflanze wenig Veranlassung, in die Tiefe in neue, ungewohnte Böden zu wurzeln. Dann muss man ihr einen Grund dafür geben und deshalb werden wir über diesen Effekt an anderer Stelle nochmals berichten müssen.

Die neue TL-Fertigrasen schreibt keine Schäl- beziehungsweise Nenndicke vor. Sie bietet die vier Nenndicken 1,0 cm, 1,5 cm, 2,0 cm und die besagten 3,0 cm als Dicksode an. Der Erzeuger darf +/- 3 mm bei 1 und 1,5 cm beziehungsweise +/- 5 mm bei 2 und 3 cm Nenndicke davon abweichen. In der TL Fertigrasen wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Nenndicke inklusive einer vorhandenen Filzschicht zu messen ist. Die maximale Filzdicke sollte bestenfalls 0,5 cm nicht überschreiten, kann jedoch nach TL Fertigrasen bis zu 1,0 cm betragen.

Einem raschen und sicheren Anwachsen des neuen Rasens steht somit nicht mehr viel - jedoch Entscheidendes - entgegen.

Ein lebendiges Erzeugnis

Bis hierhin hatte der Produzent noch Einfluss auf seinen Rasen. Von jetzt an hängt es vom Spediteur und dem Geschick und Können des Gartenbaubetriebes und seiner Mitarbeiter, aber auch dem des Gartenbesitzers ab, ob es ein schöner, nutzbarer Rasen wird, an dem man sich lange erfreuen kann.

Just in time-Bestellung und Lieferung von Fertigrasen ist eine Selbstverständlichkeit für den Erzeuger wie den Garten-, Landschaftsbaubetrieb. Bei einem lebendigen Produkt, rwie es Fertigrasen ist, ist dies Voraussetzung für einen erfolgreichen Einbau und zufriedene Kunden. Genauso schnell muss er auch verarbeitet werden. Ansonsten stirbt er auf der Rolle ab. Eine kurze Zwischenlagerung, wenn es sich nicht vermeiden lässt, sollte nur im Schatten erfolgen. Zudem sind die Rollen bei Bedarf von außen anzufeuchten. Im Sommer sollte Fertigrasen maximal 24 Stunden nach dem Schälen verarbeitet werden.

Im kalten Spätherbst oder Frühjahr kann hier etwas großzügiger verfahren werden. So zeigten die in Osnabrück erarbeiteten Ergebnisse der Klimakammerversuche, dass bei einer kontinuierlich anliegenden Temperatur von 2 °C die Soden nach vier Tagen noch in gutem und auch nach fünf Tagen noch in mittelmäßigem Zustand waren. Schon bei einer Temperatur von 12 °C reduziert sich ein guter Zustand jedoch auf zwei Tage. Nach vier Tagen waren die Soden gar in einem schlechten Zustand. Und das hat natürlich keinen guten Einfluss auf die Wurzelbildung. Besonnung sollte vermieden werden.

Vorbereitung des Untergrunds ist die Basis für den Erfolg

Voraussetzung für langjährige Freude am Rasen ist die Vorbereitung des Untergrundes. Dieser muss fest sein. Ist er frisch bearbeitet und noch weich, setzt er sich spätestens, wenn nach dem Verlegen durchdringend bewässert wird. Ungleichmäßige Setzungen führen jedoch zu Unebenheiten, die das gesamte Rasenleben über bestehen bleiben.

Ein dichtes Wurzelgeflecht und die unterirdischen Ausläufer der Wiesenrispe halten den Fertigrasen zusammen. Foto: Martin Bocksch

Zur Verlegung der Soden muss der Untergrund feinkrümelig und fest sein. Foto: Martin Bocksch

Frisch verlegter Fertigrasen ist sofort feucht zu halten, damit sich die Soden nicht zusammenziehen. Danach muss er tiefgründig bewässert werden. Foto: Martin Bocksch

Je häufiger gemäht wird, desto dichter und schöner wird die Narbe. Foto: Martin Bocksch

In der Regel wird heute mit handgeführten Schälgeräten beziehungsweise großen Anbaugeräten die Altnarbe abgeschält. Es entsteht eine glatte, ebene, feste Fläche. Idealer Untergrund für den neuen Rasen, sofern die Bodenstruktur ausreichend wasser- und luftdurchlässig ist. In diesem Fall genügt es völlig, den alten Rasen zu entfernen, mögliche Unebenheiten auszugleichen und darauf den neuen Rasen zu verlegen. Doch auch dann sollte ein Stickstoffdünger ganz flach in die oberste Bodenschicht eingearbeitet oder notfalls auf die Oberfläche aufgebracht werden.

Anzusprechen ist an dieser Stelle das Thema Boden, einerseits der Boden an der Verlegestelle und andererseits der Boden, den die Sode vom Erzeuger mitbringt. Hier gilt nach wie vor - beide Bodenarten sollten nach Möglichkeit übereinstimmen, zumindest aber ähnlich sein. Zu große Unterschiede, insbesondere der Körnung der Böden, können zu massiven Anwachsproblemen führen. Das hat eine Abschlussarbeit an der Hochschule Geisenheim University (HGU) gerade wieder bestätigt und deshalb widmet sich diesem Faktor die TL-Fertigrasen ebenfalls sehr umfangreich. Bei den Versuchen der HGU hat man das Anwachsverhalten von auf Sand gezogenen Soden auf einem lehmigen und sandigen Boden beziehungsweise umgekehrt von auf Lehm gezogenen Soden auf lehmigem und sandigem Boden beobachtet. Das Ergebnis war eindeutig: Auf gleichen Bodenarten eine gute, befriedigende Durchwurzelung. Auf Sand gezogene Soden sind auf dem lehmigen Untergrund ebenfalls gut gewachsen und haben viele neue Wurzeln gebildet. Auf Lehm gezogene Soden haben auf einem sandigen Untergrund weniger Wurzeln aus der Sode heraus in den Boden getrieben. Auch in diesem Fall kann man daher durchaus vom schon angesprochenen Blumentopfeffekt sprechen. Abmildern oder gar gänzlich vermeiden lässt er sich jedoch durch die Gabe von Phosphor (P). Dieser Hauptnährstoff fördert bei Gräsern die Wurzelbildung. Auch das hat der Versuch eindrucksvoll gezeigt. Im Versuch wurden 7,5 g Rein-Phosphor pro Quadratmeter verabreicht. Unterstützt wird die Wirkung noch durch eine gleichzeitige moderate Stickstoffdüngung. Viele Fertigrasenerzeuger bieten daher ihren Kunden bereits einen sogenannten Starterdünger, der phosphorbetont ist, an. Die flache Einarbeitung eines solchen Düngers in den Boden vor der Verlegung des Fertigrasens beeinflusst die Wurzelbildung in jedem Fall positiv. Deutlich besser auch - wie Praxisversuche bei Fertigrasenerzeugern zeigten - als eine nachträgliche Verabreichung derselben Menge auf die verlegte Sode.

Verlegen ist kein Hexenwerk

Beim Verlegen ist darauf zu achten, dass zwischen den Bahnen keine Lücken bleiben oder entstehen können. Der Untergrund muss vollständig bedeckt sein, die einzelnen Bahnen sind daher ganz dicht an dicht zu verlegen. Dabei ist so vorzugehen, dass die Bahnen versetzt liegen, vergleichbar einem Mauerwerk. Ein Fertigrasen sollte auf einer Fläche immer in die gleiche Richtung verlegt werden. Wichtig ist es, den neuen Rasen anschließend fest an den Untergrund zu drücken, am besten mit einer Handwalze. Nur wenn die neue Sode guten Bodenkontakt hat, kann sie Wasser aus dem Untergrund aufnehmen und den Gräsern zuführen und somit sicher anwachsen. Bei fehlendem Bodenkontakt entsteht ein Kapillarbruch. Kapillar aufsteigendes Wasser erreicht die Sode und damit die Gräser nicht, die in der Folge vertrocknen.

Im Anschluss folgt die durchdringende Bewässerung der Fläche. Wasser ist nötig, da den Graspflanzen ein Teil ihrer Wurzeln fehlt und weil sich sonst die Sode zusammenzieht und schrumpft. In der Folge solcher irreversiblen Schrumpfungsprozesse entstehen an den Enden und den Verbindungsstellen zur nächsten Bahn Ritzen, die den Untergrund freigeben. Hier kommt es zu Verdunstung und einer Austrocknung von Untergrund und Rasen mit irreparablen Schäden. Der Fertigrasen wird an diesen Stellen nicht mehr anwurzeln. Bei großen zu verlegenden Flächen ist daher bereits nach dem Verlegen und Anwalzen einer Teilfläche leicht zu bewässern, um diese Schrumpfungsprozesse zu verhindern. Das gilt insbesondere bei Trockenheit und Hitze.

Mit einer Wassergabe ist es jedoch in der Regel nicht getan. Gerade im Frühjahr und Sommer benötigt der frische Fertigrasen bis zu drei Wochen tägliche Wassergaben. Danach kann die Bewässerung zurückgefahren werden. Dabei ist die Witterung selbstverständlich zu beachten.

Erstes Wachstum

Innerhalb dieser Zeit wird man - ausgelöst durch Nährstoffe, Wasser und Wärme - ein kräftiges Wachstum der Gräser beobachten. In der Folge muss der junge Rasen selbstverständlich gemäht werden. Dies sollte vorsichtig - die einzelnen Fertigrasenstücke sind nach wenigen Tagen noch nicht fest verwurzelt - und mit scharfen Messern erfolgen. Das Schnittgut ist nach Möglichkeit aufzufangen. Gemäht wird auf eine Schnitthöhe von mindestens 4 cm, besser 5 cm. So haben die Gräser mehr Photosynthesefläche und bilden schneller und zahlreicher neue Wurzeln.

Nach vier bis sechs Wochen ist der neue Rasen erneut zu düngen. Je nach Zeitpunkt der Verlegung müssen im Laufe des Jahres weitere Düngergaben erfolgen. Für eine gleichmäßige Nährstoffverteilung über das Jahr sind fünf Gaben von jeweils 5 g Rein-Stickstoff (N) anzustreben.

Störende Aspekte in einem homogenen Rasen

Wachsen mit den Gräsern vereinzelt oder auch mal mehr kleine Hutpilze im frischen Rasen auf, ist das kein Grund zur Sorge oder Reklamation. Pilzmycel, Samen und vieles mehr ist natürlicher Bestandteil von Fertigrasen. Wasser und Wärme lassen - wie im Herbst im Wald - das Pilzmycel im Boden stärker wachsen bis schließlich als sichtbare Zeichen die Fruchtkörper gebildet werden. Mit Einstellung der Anfangsberegnung ist das Phänomen bald vorbei. Kann jedoch in einem feuchtwarmen Sommer oder Herbst immer wieder auftreten. In aller Regel sind diese Pilze jedoch harmlos und ausschließlich für den einen oder anderen ein ästhetisches Problem.

Störend werden von manchen Kunden auch Fremdgräser in einer ansonsten gleichmäßigen Rasennarbe empfunden. Fremdgräser können durch Farbe, Wuchsform oder Wüchsigkeit abweichen und somit ins Auge fallen. Insbesondere die Jährige Rispe (Poa annua) ist aufgrund ihrer hellen Blattfarbe und der fast ganzjährigen Blütenbildung zu nennen. Poa annua ist ein nahezu weltweit verbreitetes Gras und auch in Deutschland überall zu finden. Auf vielen älteren Rasenflächen dürfte es gar bestandsbildend sein. Darum ist es aber auch auf jedem Feld zu finden. Sowohl auf den Feldern der Rasenschule, als auch schon beim Saatguterzeuger. Somit kann dieses Gras auf natürlichem Wege in die Narbe gelangen, wie auch mit dem Saatgut. Denn Poa annua-Samen sind von den Samen der Wiesenrispe (Poa pratensis), dem Hauptbestandsbildner jedes Fertigrasens, für Reinigungsgeräte technisch nicht unterscheidbar. Da man das Gras auch chemisch nicht aus einem Rasen- oder Grasbestand herausspritzen kann und darf, müssen wir alle mit diesem Gras leben. Dem tragen sowohl die TL-Fertigrasen als auch die Regel-Saatgut-Mischungen Rasen (RSM) Rechnung. Für Handelssaatgut gilt: "Bei einer Rispenart ein Anteil von drei Prozent des Gewichts an Körnern anderer Rispenarten nicht als Unreinheit." Je nach Kategorie lässt die TL Fertigrasen in Summe bis zu zehn Prozent an projektiver Bodendeckung durch Fremdgräser und -kräuter in einem Fertigrasen zu. Selbstverständlich kann eine Sode auch im Boden Samen solcher Ungräser oder Unkräuter enthalten. Es wird in der TL-Fertigrasen explizit darauf hingewiesen, dass diese in der Regel keine Beeinträchtigung darstellen. Bei geeigneten Bedingungen können sie aber zu einem späteren Zeitpunkt keimen und somit sichtbar werden.

Fertigrasen auf die alte Rasennarbe verlegen

Ist der Boden wie oben beschrieben eben und gut wasserdurchlässig und nur das Gras aufgrund von Trockenheit, langer Abdeckung oder Übernutzung geschädigt, und die Grasnarbe frei von Wurzelunkräutern oder ausläuferbildenden Unkräutern, bekommt man in der letzten Zeit häufig den Tipp, einen neuen Fertigrasen einfach auf die alte Rasennarbe zu verlegen. Und das ist, wenn die Voraussetzungen stimmen, tatsächlich möglich und eine durchaus interessante Variante der Rasenerneuerung.

Dazu ist die vorhandene Altnarbe möglichst tief abzumähen. Ein Vertikutiergang reduziert zusätzlich oberflächliche organische Substanz. Einzelne, starke wurzel- oder ausläuferbildende Unkräuter sind unbedingt zu entfernen, danach kann der Fertigrasen verlegt werden. In der Folge muss auch dieser neue Rasen intensiv bewässert werden.

Durch den Lichtabschluss wird das verbliebene Gras rasch gelb und stirbt ab. Blätter und Wurzeln werden von Mikroorganismen und Regenwürmern verarbeitet und die Nährstoffe aufgeschlossen. Auf eine Düngung bei der Verlegung kann daher verzichtet werden. Eine leichte Stickstoffdüngung unterstützt jedoch die Mikroorganismentätigkeit und damit den Abbau der organischen Substanz. Entscheidend ist, was von den alten Wurzeln bleibt. Da der Boden nicht bewegt wird, bleiben die Röhren, die sie im Boden gebildet haben, erhalten und werden nun erneut von den jungen Wurzeln des neuen Rasens genutzt. Sie wachsen darin rascher und problemloser in die Tiefe und können zudem die Nährstoffe ihrer abgestorbenen Vorgänger nutzen. Die alte Narbe wird somit zur Nährstoffquelle für den neuen Rasen.

Der perfekte Rasen. Foto: Martin Bocksch

Schutz vor Maulwürfen ist möglich

Die Verlegung eines neuen Fertigrasens bietet die einmalige Gelegenheit, in einem Privatgarten das Problem Maulwurf nachhaltig und umweltverträglich zu lösen. Es gibt stabile Kunststoffgeflechte, die unter den neuen Rasen verlegt werden können. Für die Wurzeln stellen diese Geflechte kein Hindernis dar, wohl aber für den Maulwurf. Er gelangt so nicht mehr an die Bodenoberfläche, um einen Haufen aufzustoßen. Er muss dafür ausweichen oder bleibt in tieferen Bodenschichten. Wichtig ist nur, den Fertigrasen möglichst direkt auf das Geflecht zu verlegen oder nur eine ganz dünne Schicht Oberboden aufzutragen. Bereits drei bis 4 cm Boden genügen einem Maulwurf, um einen Gang zu graben.

Fazit

Ende Februar startet in vielen Regionen Deutschlands wieder die Fertigrasenernte. Der Startschuss in eine lange Saison, die wahrscheinlich erst im November oder gar im Dezember endet. Den optimalen Zeitpunkt für die Verlegung eines neuen Fertigrasens gibt es schlussendlich nicht. Eine Verarbeitung bei größter Sommerhitze ohne sichere Wasserzufuhr bei Frost oder starker Nässe verbietet sich jedoch von selbst. Aber auch in diesem Jahr wird es wieder mehr als ausreichend Zeit für die Ernte und Verlegung unter besten Bedingungen geben. Werden die hier beschriebenen Punkte dabei und in der Folge beachtet, steht einem schönen, funktionstüchtigen Rasen nichts entgegen.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 02/2017 .

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