BDLA vergibt Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2015

"Kloster Lorsch" und "Park am Gleisdreieck" überzeugen Jury

Deutscher Landschaftsarchitekturpreis 2015: Erster Preis für Atelier Loidl mit dem Projekt „Park am Gleisdreieck“ Foto: Atelier Loidl

Mit dem Deutschen Landschaftsarchitekturpreis 2015 wurden das Büro Topotek1 Landschaftsarchitekten und das Atelier Loidl Landschaftsarchitekten geehrt. Zum zwölften Mal vergab der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA) den im Turnus von zwei Jahren ausgelobten Ehrenpreis für Landschaftsarchitektur. Insgesamt 127 Arbeiten wurden zum Wettbewerb zugelassen. Die achtköpfige Jury vergab zwei erste Preise und fünf Würdigungen in der Hauptkategorie sowie vier Sonderpreise. Den Vorsitz des Preisgerichts führte Prof. Ulrike Beuter, Planergruppe Oberhausen. Die Ehrung erfolgte im Rahmen einer großen Festveranstaltung in Berlin. Dort wurden die prämierten Arbeiten der Öffentlichkeit vorgestellt.

Beide erste Preise gehen an Berliner Planer

Das Büro Topotek1 Landschaftsarchitekten aus Berlin erhielt den ersten Preis für das Projekt "Unesco Weltkulturerbe Kloster Lorsch". Bauherren sind die Verwaltung Staatliche Schlösser und Gärten Hessen und die Stadt Lorsch. Das Preisgericht sieht in dem neuen Landschaftspark ein herausragendes Beispiel, wie historische Relikte und Spuren einerseits konservatorisch bewahrt und andererseits wieder stärker auf ihre landschaftlichen Beziehungen zurückgeführt werden können. Auf dem "Weg der Natur" und dem "Weg der Kultur" würden bauliche Dimensionen der früheren Klosteranlage nachvollziehbar, ebenso wie ihr Wachstum aus der Landschaft. Die Landschaftsarchitekten hätten die Volumina der verlorenen Gebäude mit scharf gezogenen Böschungslinien zu ablesbaren Abdrücken in der Landschaft verwandelt. Bauten, Topographie und Vegetation verbänden sich kreativ wie sensibel zu einem sehr vielgestaltigen "Ort des Wissens", der nun auch ganz unaufgeregt zu sehr sympathisch individuellen Entdeckungen der historisch wechselnden Grenzen von Natur und Kultur einlädt, so das begeisterte Urteil der Jury.

Für das Projekt "Park am Gleisdreieck" in Berlin bekam das Atelier Loidl Landschaftsarchitekten aus Berlin ebenfalls den ersten Preis. Bauherr ist dort das Land Berlin vertreten durch die Grün Berlin GmbH. Das 34 Hektar große Konversionsgebiet sei nach Ansicht der Preisrichter auf allen Maßstabsebenen, das heißt von der Stadt-/Landschaftsentwicklung über den Planungs- und Bauprozess bis zur Objekt- und Detailplanung, von herausragender Qualität. Planerteams und Bauherr hätten es verstanden, den vielfältigen Anforderungen von Anliegern, Betroffenen, Bürgerinitiativen und einzubindenden Institutionen gerecht zu werden. Durch das Wechselspiel zwischen landschaftsplanerischem Gesamtkonzept und objekthaften Teilbereichen sei eine neue Dimension von landschaftsarchitektonischen Antworten auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen entstanden, lobte das Preisgericht.

Auch in diesem Jahr vergab das Komitee einen Sonderpreis für die herausragende Gestaltung von Außenanlagen im engeren und weiteren Wohnumfeld. Das Projekt "Quartierssanierung Flensburg-Fuerlund-Wohnen für Generationen", geplant von Kessler.Krämer Landschaftsarchitekten aus Flensburg, kann sich über den "Sonderpreis Wohnumfeld 2015" und über die Ehrung der Jury freuen, ebenso die Auftraggeber IHR Sanierungsträger Flensburger Gesellschaft für Stadterneuerung und Selbsthilfe-Bauverein, Flensburg. "Das direkte Wohnumfeld ist so gestaltet und ausgestattet, dass private Terrassen, Gemeinschaftsflächen, Mülleinhausungen und Fahrradschuppen nutzerfreundlich angeordnet sind. Die kompakte, die Wohnruhe störende Anordnung von Stellplätzen zwischen einigen Wohnzeilen sollte bei zukünftigen Vorhaben überdacht werden", heißt es in der Bewertung des Preisgerichts. Es würdigte zudem das kooperative Zusammenwirken zwischen Stadt, Sanierungsträger und Genossenschaft im Rahmen einer komplexen Quartierserneuerung, bei der die Freiraumgestaltung eine herausragende Rolle für das Erscheinungsbild des Viertels und den sozialen Zusammenhalt in den Nachbarschaften spielt.

Zwei neue Sonderpreise vergeben

Einen neuen Sonderpreis widmete der BDLA nachhaltigen Außenanlagen, denn Nachhaltigkeit und gestalterische Qualität in Einklang zu bringen, ist eine zentrale Aufgabe zeitgenössischer Landschaftsarchitektur und ein guter Entwurf Voraussetzung für ein nachhaltiges Projekt. Der Sonderpreis "Nachhaltige Außenanlagen 2015" ging an das Projekt "Energieberg Georgswerder" in Hamburg des Berliner Büros Häfner/Jiménez. Bauherr ist die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Hamburg. "Bis Ende der 70er Jahre als riesiger Müllberg an einem der Eingänge der Hansestadt Hamburg entstanden, erlangte er traurige Berühmtheit als ein lebensbedrohlicher, Dioxin verseuchter Ort. Über die reine Sicherungsmaßnahme hinaus wagte man nun in Hamburg mit möglichst geringen invasiven Eingriffen die Rückgewinnung dieses von Menschen geschaffenen Bergs als Lebens- und Erfahrungsraum. Als ein Ort der Auseinandersetzung mit den Folgen unserer Abfallwirtschaft, aber auch unserer Möglichkeiten regenerativer Energiegewinnung erhielt der Berg eine neue Bedeutung", erläutete die Jury ihre Entscheidung.

Mit dem neu ins Leben gerufenen Sonderpreis "Licht im Freiraum 2015" ehrt der Auslober zum ersten Mal Freiraumplanungen, die mit akzentuiertem Licht beispielhafte Wege in der Außenbeleuchtung gehen. Das Projekt "Kemptener Tor" in Kaufbeuren, geplant von Ver.De Landschaftsarchitektur aus Freising konnte sich über diese Auszeichnung freuen. Bauherr bei dem Projekt ist die Stadt Kaufbeuren, Abteilung Tiefbau. "Ein kleiner, alltäglich anmutender Stadtplatz wird zu einer urbanen Perle. Dies gelingt den Verfassern durch ein überzeugendes räumliches Konzept, welches mit wenigen Mitteln spannungsvolle Strukturen erzeugt. Prägend sind drei grüne Bauminseln, die durch ein elegant geformtes Sitzelement gefasst sind. Die robuste Steinkante liegt auf einem Sockel, der vor allem durch die Lichtsetzung als sehr leicht erscheint. Mit sparsamen Mitteln werden hier die Beleuchtungselemente zur gestalterischen Unterstützung der skulpturalen Figur eingesetzt. Auch in der Platzfläche werden Lichtakzente zwar sparsam, aber mit hoher Präzision eingesetzt. So entsteht ein ästhetischer Gesamtraum, in welchem Entwurfskonzeption, bauliche Ausformung und nächtliche Inszenierung zu einer harmonischen Einheit verschmelzen", lautet das Urteil der Wertungsrichter.
IBa

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 10/2015 .

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