Lohnfortzahlung im Krankheitsfall kostet Milliarden

Die Ausgaben für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall sind in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen. Grafik: © 2017, IW Medien • iwd 4

Im Jahr 2015 haben die Arbeitgeber schätzungsweise 45 Mrd. Euro allein für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall aufgewendet - das sind jene Leistungen, die erkrankte Arbeitnehmer während der ersten sechs Wochen ihrer Krankheit erhalten, nämlich das volle Bruttogehalt. Doch das ist nicht alles: Zusammen mit den 8,9 Mrd. Euro an Beiträgen zur Sozialversicherung mussten die deutschen Unternehmen im Jahr 2015 insgesamt 53,9 Mrd. Euro für ihre erkrankten Mitarbeiter aufwenden.

Richtig einordnen kann man diese Summe erst, wenn man sie mit den Ausgaben des Jahres 2006 vergleicht. Denn damals hatte Deutschland mit durchschnittlich 12,9 ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeitstagen je Pflichtmitglied der Betriebskrankenkassen einen historisch niedrigen Krankenstand - entsprechend niedrig war auch der Posten Entgeltfortzahlung.

Seitdem ist dieser Kostenblock jedoch kontinuierlich größer geworden - binnen eines Jahrzehnts um 114 Prozent. Diese Entwicklung wird häufig dem gestiegenen Krankenstand zugeschrieben. Tatsächlich aber gibt es noch andere Faktoren: Steigende Entgelte der Mitarbeiter führen - unter sonst gleichen Bedingungen - ebenfalls zu höheren Lohnfortzahlungen. Die wachsende Beschäftigung erhöht die Ausfalltage durch Krankheit, und zwar auch dann, wenn das durchschnittliche Erkrankungsrisiko gleich bleibt.

Bleibt die Frage, wie viel man durch medizinische Prävention einsparen könnte. Würde die Zahl der ärztlich attestierten, durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeitstage unter den aktuellen Beschäftigungs- und Entgeltverhältnissen von derzeit 17,3 wieder auf das Rekordtief von 12,9 gesenkt, dann läge das maximale Einsparpotenzial bei knapp 14 Mrd. Euro. Das klingt nach einer erklecklichen Summe.

Allerdings fehlt noch die Gegenrechnung, also der Umfang und der Aufwand, mit dem dieses Einsparpotenzial realisiert werden kann. Außerdem: Ein Erreichen des relativ geringen Erkrankungsrisikos aus dem Jahr 2006 erscheint ambitioniert angesichts des überproportional starken Beschäftigungsaufbaus in höheren Altersgruppen mit entsprechend größeren Gesundheitsrisiken. iwd

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 03/2017 .

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