Landschaftsgärtner Cup Nordrhein-Westfalen 2017

"So ein bisschen wie bei einem sommerlichen Rock-Festival"

Gute Laune von Anfang an: Wie bei einem Open Air-Festival erhalten alle Teilnehmer am Eingang ein Armband. Foto: VGL Nordrhein-Westfalen

"Wir wären stärker am Glas, wenn wir nicht weitergekommen wären", sagt der bärtige GaLaBau-Azubi Dennis, ehe er an diesem milden Mai-Abend im Dortmunder Westfalenpark an seiner Zigarette zieht. Der Arnsberger sitzt mit seiner Clique angehender Landschaftsgärtner auf einer Biergarten-Terrasse und denkt schon an den zweiten Wettbewerbstag beim Landschaftsgärtner Cup NRW 2017. Zwar ist die Gruppe beim vierten Bier angelangt, doch über die Stränge schlagen, das spürt man ganz deutlich, will hier heute Nacht niemand. "Ich bin geistig schon auf meiner Baustelle morgen", pflichtet Julian seinem Partner bei. Das Duo aus dem Sauerland hat es unter die besten 20 Zweier-Teams des bundesweit größten GaLaBau-Nachwuchswettbewerbs geschafft - bei 114 Mannschaften insgesamt. Damit verwiesen sie 94 andere Teams auf die Plätze. Von feindseliger Konkurrenz findet sich nach einem harten Wettkampftag jedoch keine Spur. Alle feiern an diesem Abend gemeinsam im Restaurant "Durchblick", eine große Kameradschaft ist beim Buffet- und Biergenuss und beim geselligen Beisammensein spürbar.

114 Mannschaften sind gekommen

Man könnte annehmen, dass genau dieser Party-Faktor (einen DJ und Freibier gibt es obendrein) der Grund dafür ist, warum der Landschaftsgärtner-Cup den größten seiner Art in Deutschland darstellt.

Chillen am Flamingo-Teich: Trotz ihrer Anstrengungen auf der Wettbewerbs-Baustelle wollen die meisten im nächsten Jahr unbedingt wiederkommen. Foto: VGL Nordrhein-Westfalen

Die Organisatorin Jutta Linder-Roth sagt, dass es in NRW ""eine ganz besondere Fankultur mit Herzblut" gebe. Foto: VGL Nordrhein-Westfalen

Dieses Mal hatten sich 240 angehende Landschaftsgärtner angemeldet, von denen zwar einige kurzfristig verletzungsbedingt absagen mussten - dennoch ein absoluter Rekord. 144 Zimmer hatte der VGL Nordrhein-Westfalen in einem nahegelegenen Vier-Sterne-Hotel reserviert. Das klingt nach einem Angebot, das für junge Leute maßgeschneidert ist. Nach Anreizen, die womöglich die fachliche Komponente der Veranstaltung in den Schatten stellen. Doch weit gefehlt: Viele Teilnehmer, mit denen ich spreche, stufen die Party nur als angenehmen Bonus ein. Einigen sei zunächst gar nicht bewusst gewesen, dass man am Freitagabend einen draufmachen kann. Schnell stellt sich heraus: Die Popularität des Wettbewerbs speist sich im Wesentlichen aus seiner fachlichen Qualität und einer äußerst erfolgreichen Mund-zu-Mund-Propaganda.

"Ein tolles Paket für uns geschnürt"

Ein Schlagwort fällt auf der Abendveranstaltung stets aufs Neue: Die gute Prüfungsvorbereitung, die der NRW-Cup seinen Teilnehmern bietet. Tabea aus Niederkrüchten, ein Mädchen mit blonden Dreadlocks, sagt: "Ich habe immer wieder gehört, dass die Aufgaben hier schwieriger sind als in der Zwischenprüfung." Somit sei der Cup ein optimaler Testlauf für sie und ihre Fertigkeiten. Marvin, ein "Wiederholungstäter" beim NRW-Cup, der sich noch gern an die Party vom Vorjahr zurückerinnert, fügt hinzu, dass ihn zuallererst sein Ehrgeiz antreiben würde. Das Wachstum des Wettbewerbs live mitzuerleben, gefalle ihm, aber am wichtigsten sei es, sich mit Konkurrenten aus den Lehrgängen messen zu können. Ein großer Vorteil, so Marvin, sei es auch, beim Cup nicht nur Bau-Aufgaben bewältigen zu müssen, sondern beispielsweise auch Pflanzen- und Betriebswirtschaftskenntnisse zu testen. Tobias aus Geilenkirchen nippt genüsslich an seinem Bier, ehe er eine Lanze für die Organisatoren des NRW-Cups bricht: "Die haben ein tolles Paket für uns geschnürt, mit Hotel, Verpflegung und Party. Für 50 Euro ist das wirklich günstig."

Zentral gelegene NRW-Metropole

Tatsächlich, so Jutta Lindner-Roth, Referentin für Nachwuchswerbung beim VGL Nordrhein-Westfalen und Chef-Organisatorin des Wettbewerbs, sei es dem Verband wichtig gewesen, bestmögliche Rahmenbedingungen für die Teilnehmer zu schaffen. Das fängt bei dem Austragungsort an - Dortmund sei als relativ mittig gelegene NRW-Metropole ein geografisch guter Kompromiss - und endet bei einem klaren Bekenntnis zum Westfalenpark. Aus logistischen Gründen (vor allem der Größe des Cups), so Lindner-Roth, und weil das Gelände sich so gut bewährt habe, sei ein "Wanderzirkus" für die Veranstaltung nicht angedacht. Außerdem sei ihr von Anfang an klar gewesen, dass der Wettbewerbs-Ort mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen sein müsse. Das ist er in der Tat: Der U-Bahnhof "Westfalenpark" liegt nur zwei Gehminuten vom Haupteingang des Geländes entfernt.

Viele Azubis im ersten Ausbildungsjahr

Auffällig ist, dass eine große Anzahl von Lehrlingen im ersten Ausbildungsjahr dabei ist. Dass sie gegenüber den Azubis im zweiten oder gar dritten Jahr keine realistische Chance auf den Sieg haben, ist ihnen bewusst. Daran stört sich allerdings keiner von ihnen, im Gegenteil: Viele der Neulinge wollen im nächsten Jahr unbedingt wiederkommen. Arne aus Attendorn sagt zu mir: "Ich bin in einem Jahr auf jeden Fall wieder dabei. Nur so kann ich meine Entwicklung und meinen Fortschritt beurteilen." Den jungen Menschen die Gelegenheit zu geben, genau diese Selbstüberprüfung vorzunehmen, ist ein zentrales Anliegen von Jutta Lindner-Roth. "Oft haben die Azubis in ihren Betrieben keinen Wettbewerb und sie wissen nicht, wo sie hinsichtlich ihrer Fähigkeiten stehen. Deshalb soll der NRW-Cup auch als Motivationsschub für die Ausbildung der jungen Leute dienen."

Keine Vorauslese wie inanderen Ländern

Die Strategie des VGL NRW geht dabei soweit, dass er sich in seinen Gremien bewusst dagegen entschieden hat, eine gezielte Vorauslese - wie sie in Bayern und Baden-Württemberg gang und gäbe sei - zu betreiben. Den angehenden Landschaftsgärtnern ein Gemeinschafsgefühl und einen Stolz auf ihren Berufsstand zu vermitteln, sei dem Landesverband wichtiger als Siege in Serie beim bundesweiten Landschaftsgärtner-Cup. Der Offenheit des NRW-Cups sei lediglich durch die "World Skills" Grenzen gesetzt. Zu diesem globalen Berufswettbewerb dürfen die Sieger des bundesweiten Landschaftsgärtner-Cups alle zwei Jahre reisen, und dort gelten Zulassungsbeschränkungen bezüglich des Teilnehmer-Alters. Insofern richtet sich die Kritik einer Alterdiskriminierung, die Tobias mir gegenüber äußert ("Ich finde die Altersbeschränkung nicht gut. Azubis sind Azubis, egal wie alt sie sind."), nicht an Jutta Lindner-Roth, sondern an die Organisatoren der "World Skills".

Das Rock-Festival unter den Vorentscheiden

Der Ansatz des Landesverbands, an das Gemeinschafts- und Ehrgefühl der jungen Leute zu appellieren, trägt Früchte. In den Gesprächen mit den angehenden Landschaftsgärtnern wird immer wieder deutlich, dass sie stolz sind, dabei zu sein. Zum Einen, weil sie ihren Berufsstand repräsentieren und zum Anderen, weil im Westfalenpark Jahr für Jahr ein echtes Gemeinschaftsgefühl aufkommt. Das geht in einigen Fällen sogar so weit, dass ehemalige Cup-Gewinner jedes Mal nach Dortmund zurückkehren, um Jutta Lindner-Roth bei Organisation und Durchführung des Cups unter die Arme zu greifen.

Die Sieger des Landschaftsgärtner Cups NRW 20171. Platz: Thomas Draek (l.), (Ferdinand Peun, Geldern), Claas Becker (r.), (Kersten Gartenprojekte, Kranenburg).2. Platz: Dennis Kampmann (Michael Gerold GaLaBau, Kamen), Julian Klute (Klute GaLaBau, Sundern).3. Platz: Dominik Schnelle (Klute GaLaBau, Sundern), Marvin Jürgens (Klute GaLaBau, Sundern). Foto: VGL Nordrhein-Westfalen

So sind die ehemaligen NRW-Besten Simon und Daniel auch 2017 wieder als freiwillige Helfer mit dabei. Darauf angesprochen, warum er dem Nachwuchs-Cup auch als ausgelernter Landschaftsgärtner die Treue hält, antwortet Simon: "Wir wurden als Teilnehmer damals toll betreut. Mit meinem Engagement will ich den Organisatoren einfach etwas zurückgeben." Daniel ergänzt, dass der Wettbewerb ihnen die Chance biete, alte Kontakte wiederzusehen, die man sonst das ganze Jahr über nicht zu Gesicht bekäme: "So ein bisschen wie bei einem sommerlichen Rock-Festival." Abwegig ist der Vergleich nicht: Dort ist es üblich, am Einlass ein Teilnehmer-Bändchen zu erhalten und dieses auch nach Festival-Ende nicht abzulegen, sondern stolz mit in den Alltag zurückzunehmen.

Laut Jutta Lindner-Roth ist das bei den GaLaBau-Azubis nicht anders: Diejenigen, die im Vorjahr dabei waren, würde man dieses Mal an ihren Bändchen wiedererkennen. Die Identifikation mit ihrem Beruf, der Stolz darauf, ein Teil des bundesweit größten Nachwuchswettbewerbs im GaLaBau zu sein – das zeichne die jungen Leute hier aus. Doch nicht nur das. Es sei „eine ganz besondere Fankultur mit Herzblut“, die es im bevölkerungs-
reichsten deutschen Bundesland gebe, so Jutta Lindner-Roth. Das habe sich zum Beispiel darin geäußert, dass die NRW-Fans auf der GaLaBau in Nürnberg mit Abstand die lautesten gewesen seien. Ob sie beim diesjährigen Landschaftsgärtner-Cup auf der IGA Berlin 2017 ihren eigenen Lautstärkerekord brechen werden, hängt wohl nicht zuletzt davon ab, ob NRW seine große Sehnsucht nach dem gesamtdeutschen Sieg endlich stillen kann. Hendrik Behnisch

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 06/2017 .

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