Aussteller investierten bis zu einer halben Million Euro

Tolle Gärten und viel Kitsch: Das war die Giardina 2017

Luxusgarten im Urban-Gardening-Style – ein Widerspruch? Nicht in der Schweiz. Hier ist es schick, alt aussehende Baustoffe zu verwenden. Vielleicht ist das auch ein Trend für Deutschland. Der Titel des Gartens ist "Stadtfrische – vom Hinterhof zum Hofgarten" von Winkler Richard Naturgärten. Foto: Giardina

Die 19. Ausgabe der Giardina, die nun immer in Zürich stattfindet, konnte als Hallenschau wieder mal tolle Gärten zeigen. Insgesamt 270 Aussteller waren auf der großen Verkaufsmesse für den anspruchsvollen Kunden mit Privatgarten dabei und lockten über 65 000 Gärten interessierte Verbraucher. Zum Vergleich: Auf der Fachmesse in Nürnberg waren es 64 000 Besucher.

Keine Kosten und Mühen gescheut für die fünftägige Messe: Der Titel des Gartens ist "Harmonie und Perfektion"r von Reinhold Borsch Koiteiche und Exklusive Gärten, Düsseldorf. Foto: Giardina

Gerne wird die Giardina mit der RHS Chelsea Flower Show in London verglichen und es ist nicht ganz so abwegig, denn die Gärten, welche die Landschaftsgärtner dort für nur fünf Tage auf eigene Kosten in die Halle gezaubert haben, sind wirklich beeindruckend. Auf den Ständen war die Rede von 200 000 bis 500 000 Euro für die großen Gärten. Beeindruckend waren die Gärten auch deshalb, weil sie alle auf Grundlage einer guten Gestaltung mit sehr hohem Anspruch an die Bauqualität hergestellt wurden. Und für all das bleibt den Firmen genau neun Tage Zeit, um diese Bausummen zu verbauen. Manche Unternehmen planen ein ganzes Jahr für die Giradina. In diesem Jahr waren es 22 Schaugärten in allen Größen und Formen. Das Trendthema der Veranstalter, hieß "Neue Natürlichkeit".

Jeder Gärtner eine Marke

So hat auf der Giardina bald jeder Gärtner sein eignes individuelles Image aufgebaut. Bekanntester Name ist in Zürich immer noch Enzo Enea, der diesmal nicht ausgestellt hat. Vielleicht weil er mit Büros in Zürich, Miami und New York nicht mehr nur den Schweizer Kunden im Blick hat. So bauen sich aber auch andere Betriebe einen Ruf auf. Der Naturgarten kommt von Winkler und Richard, der Natursteinliebhaber geht zu Egli und so weiter. Scheinbar ist das in einem kleinen Land wie der Schweiz möglich. Vielleicht ist das aber auch die Zukunft, dass sich die Kunden die Landschaftsgärtner gezielt nach Image und Schwerpunkt aussuchen. Für die Verbraucher-Messe ist es natürlich die Attraktion schlechthin, wenn den Gartenfreunden Jahr für Jahr so tolle Mustergärten gezeigt werden.

Tropengarten in den Schweizer Bergen, Cocooning nature von Berger Gartenbau, Livingdreams. Einmal etwas anderes. Foto: Martin Thieme-Hack

Ganz im Trend von Urban Gardening werden die Garten zunehmend naturnäher gestaltet, oder so zumindest so gestaltet, dass sie aussehen als seien sie natürlich. Aber das scheint der Trend der Zeit zu sein. Natürlich anmutende Gärten sind ja auch auf Chelsea im Trend. Und nehmen in Deutschland ebenfalls zu.

Exklusives für den anspruchsvollen Kunden

Ein anderer Trend ist das Exklusive, wie beispielsweise der sehr aufwändig gestaltete japanische Garten von Reinhold Borsch. Hier wurde ein über 400 m² großer Japangarten, mit einer über 100-jährigen Kiefer, einem traditionell gefertigten Teehaus aus Lärchenholz und Bambus, zehn hochsensiblen und wertvollen Koi-Fischen, 7 m langen Formgehölze und 3000 niederwüchsigen Kiefern aufgebaut. Dazu wurden 15 Sattelzüge aus dem Rheinland nach Zürich transportiert und allesamt verzollt.

Um einen tonnenschweren Grillfelsen aus massivem Calanca-Gneiss direkt aus den Bündner Bergen hat die Firma Egli Grün (Sirnach) ihren Garten gebaut. Ein echtes Unikat bei dem die Steinmetze speziell für die Giardina eine funktionsfähige Kochstelle mit Feuermulde, Wasserbecken und Arbeitsfläche in den monolithischen Stein gearbeitet haben. Um den tonnenschweren Steinbrocken transportierbar zu machen, musste er maximal ausgehöhlt werden.

Tonnenschwerer Gartentisch, zwischen Eisenholzbäumen. Titel des Gartens "Wo sonst, wenn nicht hier" von Egli Gruen, Sirnach. Foto: Giardina

Das Traditionsunternehmen Spross feiert sein 125-jähriges Jubiläum mit einem Multimediaspektakel mit Nebel, viel Glitzer, transparenten Stoffbahnen, Wasserbecken, riesigen Seilschaukeln und einer multimedialen Licht- und Klangkulisse mit viel Freiraum, fast schon ein Kunstwerk.

Was der Messe aber nicht zuträglich ist, auch wenn es wahrscheinlich nicht ohne geht, sind Hallen, die wie Gartencenter daherkommen und nichts als Sonnenschirme, Gartenmöbel und viel Garten-Kitsch an die Frau und den Mann bringen wollen. Eigentlich müssten die Landschaftsgärtner Geld für ihre Gärten bekommen, denn Sie sind der Magnet, der die Kunden zur Messe bringt. Insgesamt waren aber alle Gärten die gezeigt wurden sehenswert. Eingebunden in einen Wochenendurlaub in der Schweiz ist die Veranstaltung auch 2018 wieder eine Reise wert. Die 20. Giardina wird vom 14. bis 18. März 2018 in der Messe Zürich stattfinden.

Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 04/2017 .

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