Landscape Architecture Construction International Conference erlebt Teilnehmeransturm

23.000 Fachleute besuchten Online-Konferenz zum digitalen Bauen

Im kommenden Jahr soll die erfolgreich verlaufene Online-Konferenz wieder physisch an der Tsinghua University Beijing stattfinden, deren Eingangspforte hier abgebildet ist. Foto: Yaoleilei, Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

Dass der Informationsbedarf der Baubranche trotz Corona unverändert hoch ist, belegt die eindrucksvolle Teilnehmerzahl von 23 000 an der Landscape Architecture Construction International Conference (LACIC), die von der Tsinghua University Beijing und der Ostschweizer Fachhochschule (OST) komplett online ausgerichtet wurde. Thema des virtuellen Events war die digitale Baustelle in all ihren Facetten.

BIM noch nicht flächendeckend verbreitet

Die Digitalisierung wird in der Landschaftsarchitektur unter anderem in Form von digitalen Zwillingen genutzt - exakten, virtuellen Nachbildungen von Bauprojekten. Der Vorteil dieses Building Information Modeling (BIM) ist, dass alle Bauparteien mit dem gleichen 3D-Modell arbeiten - unterschiedliche Versionen ausgedruckter Pläne und Medienbrüche gehören damit der Vergangenheit an.

"Die konsequente Anwendung des digitalen Zwillings ist in der Praxis noch nicht flächendeckend verbreitet. Beim Thema BIM wird viel über das Konstruieren und das Visualisieren des digitalen Modells gesprochen, aber es gibt in der Praxis noch Wissensbedarf, wie BIM direkt auf der Baustelle eingesetzt werden kann", erklärt Prof. Peter Petschek, Co-Chair und Referent an der LACIC sowie Studiengangleiter Landschaftsarchitektur an der OST. Am Beispiel eines Entwässerungsrinnensystems auf einer Platzfläche neben einem Gebäude würde konsequent digital bedeuten: Die exakte Positionierung der Rinnenelemente übernimmt eine Robotic Station, die mit Hilfe von BIM-Daten aus der Cloud direkt vor Ort auf der Baustelle per Laser markiert, wo welches Bauteil platziert werden muss.

Der Umgang mit der digitalen Baustelle gehört seit einigen Jahren zum festen Bestandteil der Ausbildung im Studiengang Landschaftsarchitektur an der OST. Foto: WrightStudio, Adobe Stock

Digitale Baustelle hat festen Platz im Lehrplan

Der Umgang mit der digitalen Baustelle gehört seit einigen Jahren zum festen Bestandteil der Ausbildung im Studiengang Landschaftsarchitektur an der OST. Über eine Campus-Kooperation mit der Leica Geosystems AG in Heerbrugg und der engen Zusammenarbeit mit dem education team von Autodesk AG können die Studenten der OST mit der neuesten Technologie und aktuellen Hard- und Softwarekomponenten sowie umfassenden Cloud-Lösungen arbeiten. "Wir bilden unsere Studierenden so weit aus, dass sie nach ihrem Bachelorstudium direkt produktiv mit diesen Technologien in der Praxis arbeiten können oder bei ihren Unternehmen das Know-how einbringen können, um den Schritt in die vollständig digitalisierte Bauplanung- und ausführung zu gehen", sagt Petschek. Er ist überzeugt, dass die Fähigkeit, digital zu arbeiten, für Gartenbau- und Landschaftsbauunternehmen künftig bei Auftragsvergaben matchentscheidend sein wird.

Dass das Thema BIM in der Landschaftsarchitektur nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit aktuell ist, wussten die beiden verantwortlichen Co-Chairs Peter Petschek (OST) und Yong Guo (Tsinghua University). Sie rechneten am Samstag und Sonntag insgesamt mit rund 1000 Teilnehmern. Schon bei Konferenzbeginn zeigte sich, dass das Interesse an der Online-Konferenz bedeutend höher war: Insgesamt nahmen mehr als 23 000 Personen online teil und verfolgten die Fachreferate an beiden Tagen. Dank der von der Tsinghua University in China, eine mit der ETH Zürich oder Harvard vergleichbare Eliteuniversität, bereitgestellten Konferenz-Infrastruktur, konnte der digitale Besucherandrang ohne technische Probleme bewältigt werden. Nächstes Jahr findet die Konferenz wieder physisch in Peking statt. Nach dem Online-Erfolg planen die beiden Co-Chairs jedoch, die Präsenzveranstaltung und die Online-Konferenz abwechselnd im Turnus zu veranstalten. hb/OST

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 02/2021 .

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