3. Alleentagung Berlin & Brandenburg
Wertvolle Alleen brauchen besonderen Schutz im Klimawandel
Sie wurde organisiert vom Kompetenzzentrum Straßenbäume und Alleen (kostba) der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Arboristik Großbeeren/Müncheberg (lvga-bb).
Alleenkonzeption 2030 sichert Schutzstatus
Rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zur Tagung an der Berliner Hochschule für Technik (BHT) bezeugten das große Interesse an den Themen der Vorträge. Die Grußworte sprach der Infrastrukturminister des Landes Brandenburg Detlef Tabbert. Er verwies auf den hohen Stellenwert, den die Landesregierung den Alleen beimisst. Brandenburg ist das alleenreichste Bundesland. 40 Prozent der Bundes- und Landstraßen werden von insgesamt 420.000 Straßenbäumen gesäumt. Dennoch seien viele Alleebäume bedroht, unter anderem durch die Verkehrssicherheitserfordernisse bei gleichzeitig zunehmenden Wetterextremen und Überalterung vieler Alleen, so Tabbert. Auch die brandenburgische Landwirtschaftsmininsterin Hanka Mittelstädt thematisierte in ihrem Grußwort die Gefährdungen von Alleen. Sie betonte ihren hohen ökologischen Wert und die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure. Zudem hob sie die Alleenkonzeption 2030 als klare Strategie zum Alleenschutz hervor.
Prof. Stefanie Grade, Prof. Dr. Ines Maria Rohlfing und Prof. Thorsten Rocksch stellten die Ausbildungen im Bereich Gartenbau an der BHT Berlin vor. Die Vorläufereinrichtungen der BHT reichen zurück bis zur Gründung der Königlichen Gärtnerlehranstalt in Berlin-Schöneberg im Jahr 1823. Gehölzwissen wird in den Bachelorstudiengängen "Gartenbauliche Phytotechnologie" und "Landschaftsbau und Grünflächenmanagement" sowie im Masterstudiengang "Urbanes Pflanzen- und Freiraummanagement" vermittelt. Der Fokus der Forschungsarbeiten liegt in der Bearbeitung von Fragen zu Gehölzen im urbanen Umfeld.
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Anpassungsbedarf bei Pflege- und Kontrollmaßnahmen
Prof. Hartmut Balder wies in seinem Vortrag "Sturmschäden an Alleebäumen und die Folgen" auf diese zunehmende Gefahr hin, begünstigt durch das Alter der Bäume, aber auch die Zunahme von Wetterextremen. Baumpflege- und -kontrollmaßnahmen müssen darauf abgestimmt werden. Bei Neupflanzungen sei dieser Aspekt verstärkt zu berücksichtigen.
Dr. Ditmar Hunger vom Alleenforum Sachsen berichtete in seinem Vortrag "Allee- und Denkmalschutz versus Klimaanpassung?" über die Gesamterneuerung der Alleen in der Gartenstadt Marga in Senftenberg. Er kritisierte die Erneuerung der meist noch gesunden, denkmalgeschützten Alleen, da Bildschutz über Substanzschutz gestellt wurde. Der Aspekt des Klimaschutzes, den die alten Bäume leisteten, wurde dabei völlig ausgeblendet.
Dieter Hütte und Christoph Rullmann von der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Alleenstraße berichteten über die Gründung und Bedeutung der Deutschen Alleenstraße. Die Eröffnung fand am 3. Mai 1993 auf der Insel Rügen statt und ihre Idee hat inzwischen zahlreiche Unterstützer gefunden. Es ist ein grünes Band, das über 2.900 Kilometer von der Insel Rügen bis zum Bodensee reicht und landschaftliche Schönheit, kulturelle Identität und ökologisches Bewusstsein miteinander verbindet. Sie zählt zu den TOP 5 der deutschen Ferienstraßen. Der Schwerpunkt der Arbeitsgemeinschaft liegt derzeit in der Entwicklung von Konzepten zur Sicherung und zukünftige Entwicklung und Sicherung der Alleenstraße.
Forschung muss ausgebaut werden
Der mit Spannung erwartete Vortrag von Daniel Kaiser (kostba) bildete den Abschluss der Tagung. Er stellte die ersten Ergebnisse aus dem Alleebaumversuch vor. Auf dem Versuchsfeld in Müncheberg wurden im Jahr 2023 auf einem Hektar 204 Bäume aus 34 Arten und Sorten gepflanzt. Die Ergebnisse der ersten zwei Standjahre zeigten bereits interessante und deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Arten in Bezug auf Zuwachs und Spätfrostempfindlichkeit. Belastbare Ergebnisse sind naturgemäß erst nach mehreren Jahren zu erwarten. Da auf dem Versuchsfeld die typischen Belastungen am Straßenrand nicht gegeben sind ist eine Vergleichspflanzung an Straßenstandorten in Brandenburg geplant.
Die Tagung zeigte eindrucksvoll, dass das Brandenburger Alleenkonzept 2030 eine vielversprechende Zukunft für die Alleen eröffnet.
Philipp Schönfeld













