Der Kommentar

3D-Industrie

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Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert." Dieses Zitat der ehemaligen Chefin von HP-Hewlett Packard treibt unsere Gesellschaft um. Die Bundesregierung hat Digitalisierung zur Chefsache erklärt und sogar eine "Digitale Agenda" formuliert, mit Digitaler Strategie 2015 und einem Weißbuch "Digitale Plattformen", welches eine digitale Ordnungspolitik für Wachstum, Innovation, Wettbewerb und Teilhabe beschreibt.

Der Begriff Digitalisierung beschäftigt inzwischen praktische jede Region und Branche in Deutschland. Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau hat eine AG "Digitalisierung" gegründet und arbeitet an einem Leitfaden zur Digitalisierung im Landschaftsbau.

Für die Kollegen aus den Planungsbüros ist BIM - Building Information Modeling - zu einem Zauberwort geworden, auch wenn noch nicht alle wissen, was das eigentlich ist oder werden könnte. Es spricht aber vieles dafür, dass die HP-Chefin Recht behält.

Stellt sich mir die Frage: Ist Deutschland überhaupt bereit für dieses Projekt? Digitalisierung braucht zunächst ein leistungsfähiges Netz. Da fangen die Probleme aber schon an. Wer schon einmal versucht hat, im Zug zu telefonieren, weiß was ich meine. Die "Neue Osnabrücker Zeitung" hat jetzt ein Ranking der europäischen Länder nach durchschnittlicher Downloadgeschwindigkeit veröffentlicht.

Deutschland ist auf Platz 32 von 36 Ländern. Immerhin noch besser als Georgien, Polen, Russland. Aber weit abgeschlagen hinter Ungarn, Serbien, Kroatien oder Norwegen, die trotz ihrer weitläufigen Länder Spitzenreiter sind.

Beim Thema BIM verhält es sich ähnlich. Vor allem in Großbritannien, Frankreich Niederlande werden größere Bauprojekte fast nur noch mit dieser Systematik in 3 D abgewickelt. Bei öffentlichen Bauprojekten ist es sogar vorgeschrieben.

In Deutschland sind nur ganz wenige Landschaftsarchitekten zu finden, die es sich zutrauen, in BIM mit Bauwerksdatenmodellierung zu arbeiten. Da finanzinvestorengetragene Auftraggeber diese Handhabung aber immer öfter als Voraussetzung formulieren, bleiben viele Büros von diesem Markt ausgeschlossen.

Ein Grund ist die deutsche Unternehmensstruktur die sehr stark von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt ist. Der durchschnittliche Landschaftsbaubetrieb hat nach der GBS-Statistik 2017 6,8 Mitarbeiter. Landschaftsarchitekten haben meist weniger als fünf Mitarbeiter, viele arbeiten sogar alleine. Dass sich in solchen Unternehmen keine umfangreichen IT-Strukturen aufbauen lassen, liegt auf der Hand.

Das kann aber dazu führen, dass diese Unternehmen von der Digitalisierung abgehängt werden. Zumindest aber wird ein großer Teil der Wertschöpfung an großen IT-getragenen Betrieben hängen bleiben und die kleinen werden nur die schmutzige Arbeit erledigen dürfen. Dann hat die 3D-Industrie wieder eine ganz andere Bedeutung: dirty, difficult und dangerous.

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 10/2018 .

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