Der Kommentar

768 Seiten

von

Der Schrader ist das Lehrbuch für den Ausbildungsberuf Gärtner/in der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau und führt, so steht es auf dem Deckel, die Auszubildenden kompetenzorientiert durch die Ausbildung. Dieses wirklich gelungene Buch bildet die Lehrinhalte der Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtner ab. 768 Seiten braucht es, die Ausbildungsinhalte darzustellen. Wer das schwergewichtige Buch vor sich liegen hat, erkennt: Das ist ganz schön viel Stoff. Der Ausbildungsberuf Maurer kommt mit 292 Seiten daher, die beiden Ausbildungsberufe Maurer und der Beton-und Stahlbetonbauer brauchen zusammen nur 392 Seiten.

Der Umfang dieses Buches macht ein altes Problem des Berufsbilds des Landschaftsgärtners sehr deutlich. Der Generalunternehmer für Freianlagen macht alles, kann alles. Dagegen werden im Bauhauptgewerbe die Berufsbilder immer spezialisierter. Eigenständige Ausbildungsberufe aus Hoch- und Tiefbau, wie Maurer, Beton- und Stahlbetonbauer, Straßenbauer, Asphaltbauer, Kanalbauer, Rohleitungsbauer und Brunnenbauer vereint der Landschaftsgärtner zumindest in Teilen in seinem Berufsbild. Ergänzt um die eigentlichen Kernthemen der gärtnerischen Ausbildung, der Gehölz- und Vegetationskunde in Verbindung mit der Vegetationstechnik, samt Pflanzenschutz, Pflanzenernährung, der Bodenkunde und nicht zuletzt der Pflege und Instandhaltung von Grünflächen kommen doch schon sehr leicht 768 Seiten zusammen. Vor dem Hintergrund, dass die Anforderungen aus der Gesetzgebung, der Normung, den Anforderungen an Klima- und Umweltschutz, sowie der Taxonomie und Nachhaltigkeit immer komplexer werden: Viel zu viel für ein Berufsbild.

Beim großen Bruder Schlüsselfertigbau, dem Generalunternehmer für Gebäude, kommt niemand auf die Idee, einen Schlüsselfertigbauer als Ausbildungsberuf auszurufen. Im Gegenteil besteht dort der Trend zu mehr Spezialisierung.

Dabei ist Berufsausbildung auch immer Berufspolitik, wie sich bei den keramischen Belägen gezeigt hat. Das Verlegen von keramischen Belägen, die auch als Fliesen bezeichnet werden können, gehört eigentlich in das Handwerk des Fliesen-, Platte und Mosaiklegers. Da Landschaftsgärtner diesen Markt in den Gärten aber sehr gut erschlossen haben, gehört es jetzt auch in das Berufsbild und damit auch in die Ausbildung. Gleiches gilt für die Holzbearbeitung, die eigentlich von Zimmerleuten und Tischlern durchgeführt wird.

Der Landschaftsgärtner sollte sich eher auf die Kernkompetenz der gärtnerischen Anlage, mit Pflanz- und Rasenflächen und die in den Garten gehörenden Wege und Mauern zurückbesinnen. Das bedeutet: Es braucht in Freianlagen viele Gewerke, nicht nur Landschaftsgärtner. Der Landschaftsbaubetrieb muss es dann nur zusammenbringen. Im Hoch-, Tief- und Ingenieurbau ist es nicht anders. Besser wäre es, wenn das Lehrbuch für den Landschaftsbau wieder nur noch 300 Seiten hat und die dann aber sitzen.

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 11/2022 .

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