9. FLL-Forschungsforum Landschaft

Auf der Suche nach Partnerschaften für das Grün der Zukunft

Quo Vadis, fragt sich so manch einer dieser Tage – auch die grüne Branche, deren Akteure sich Mitte März im Deutschen Gartenbaumuseum auf dem Erfurter egapark-Gelände, dem "Garten Thüringens" zusammenfanden. Rund 130 Vertreter aus Wissenschaft, Verbänden und der Praxis nahmen am 9. Forschungsforum der Forschungsgesellschaft Landschaftsgestaltung Landschaftsbau (FLL) teil und hörten knapp 20 Vorträge, die aus ganz unterschiedlichen Perspektiven, Allianzen, Netzwerke und Kooperationen ausleuchteten, beschrieben oder analysierten.
Grüne Infrastruktur Forschung und Bildung
Thomas Maier (r.) von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg erhält von Thomas Leopoldseder, Juror und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des FLL, die Siegerurkunde für sein Wettbewerbsposter. Foto: FFL

Emotionale und andere Partnerschaften

Partnerschaften – dieser Begriff zog sich wie ein roter Faden durch alle Referate der interdisziplinären Veranstaltung – angefangen mit der Beschreibung, wie in Wien ein Forschungsprojekt zu "urbanen Miniwäldern" in der Praxis umgesetzt wurde, über die Darstellung von Radmobilitätskonzepten als Schnittstelle zwischen Landschaftsarchitektur, Verkehrs- und Stadtplanung bis zur Präsentation eines interdisziplinären Planungs- und Kommunikationstools des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

Matthias Kalla referierte über die "emotionale Partnerschaft zwischen Reisenden und Landschaftsbau". Es ging um die Begrünung von Bahnsteigen – einem Ort also, den so gut wie jeder kennt, den die meisten mit dem Begriff "Warten" verknüpfen und der zumeist negativ besetzt ist. Eine Begrünung könnte, so Kalla, "als Stresssenker an einem der stressigsten Orte" wirken. Ein Thema mit großem Potenzial, jeder kennt Bahnhöfe, die wenigsten sind begrünt – und Fotobeispiele aus dem Ausland sowie im Kontext eines digitalen Projektes entstandene zeigen, wie schnell eine Fassadenbegrünung das Gesicht eines Ortes ändern kann. Gleichwohl hängt die Realisierung allein vom Interesse der Deutschen Bahn AG ab und inwieweit diese das Projekt umsetzen möchte, vermochte auch Kalla nicht zu sagen, der das Thema im Rahmen seiner Arbeit für die DB InfraGO AG bearbeitet.

Informatiker Thomas Maier von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg berichtete von einem Projekt zu einer optimierten, KI-gesteuerten Stadtbaumbewässerung mittels einer ausgeklügelten Sensorik. In seinem Vortrag lotete er aus, inwieweit Grünflächenämter, Forschungseinrichtungen und andere Akteure im Rahmen dieses Vorhabens besser zusammenarbeiten können. Maier überzeugte indes nicht nur mit seinem fachlichen Vortrag, er gewann mit seiner grafischen Präsentation des Themas auch die Posterschau der Veranstaltung. Der 1. Preis war mit 500 Euro dotiert.

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NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger referierte zum Thema "Städte gut entwickeln – so grün wie möglich, so dicht wie nötig". Foto: FFL

Win-win-Situationen

Im Idealfall schaffen Allianzen Win-win-Situationen. Von einer solchen berichtete Landschaftsarchitektin Ingrid Theurich in ihrem Referat über "blühende und lebendige Betriebsgelände", kurz: BULB. Theurich gab Einblicke in ein gelungenes Projekt zwischen dem Landesverband Gartenbau Thüringen und ansässigen Wirtschaftsunternehmen, unter anderem Siemens Energy Erfurt, das die Umgestaltung solcher Flächen in einen Lebensraum für Insekten zum Ziel hat.

Kern des Projektes ist die Beratung der Firmen und die Planung von geeigneten Maßnahmen. Diese Leistungen werden mit Mitteln eines EU-Fonds (ELER-Programm) gefördert. Für die Umsetzung, die durch die Unternehmen selbst finanziert wird, werden Thüringer Gartenbau- und Garten- und Landschaftsbaubetriebe empfohlen. Also: ein Win für die beauftragten GaLaBau-Betriebe und ein Win für die Unternehmen, die mit der Begrünung ihr Image aufpolieren, etwas für die Klimawende beisteuern und obendrein die Nerven ihrer Mitarbeitenden beruhigen.

Auf Betriebsgeländebegrünungen ging auch NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger in seinem Vortrag ein und verwies in diesem Kontext auf die Bedeutung von Kooperationen mit Unternehmen. Was die vielen Projekte betrifft, die unsere Städte grüner machen können, brachte er den berühmten Elefanten im Raum ins Spiel: die Finanzierung. "Alle finden uns toll, aber wenn es konkret wird, fehlt oftmals das Geld." Seiner Meinung nach fehlen "Mover und Shaker", Menschen, die bewegen, aufrütteln, die Dinge, Prozesse, Projekte, Ideen voranbringen.

Matthias Hansel, Vizepräsident des BGL, betont indes, dass die Lücke zwischen Praxis und Theorie geschlossen werden muss, zwischen GaLaBau und Forschung, und spricht sich für Runde Tische mit allen Akteuren der grün-blauen Branche aus. Hier gibt es Synergiepotenzial. Ein Anfang war mit der Forschungstagung der FLL, die viele angrenzende Bereiche miteinander verknüpfte, allemal gemacht. ae

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