Abgeordnete von CDU/CSU, der Grünen sowie der Linken
Parlamentsgruppe setzt 5 Millionen Euro Alleenschutzmittel durch
von: Dr. Philipp Schönfeld
Veranstalter waren die fraktionsübergreifende Parlamentsgruppe "Kulturgut Alleen" und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), Veranstaltungsort war das Haus der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin. Der Abend sollte eine Standortbestimmung zum Alleenerhalt in Deutschland vornehmen.
Prof. Dr. Jürgen Peters hielt einen Kurzvortrag zum Thema "Alleen in Deutschland". Er hatte 2019 bis 2022 eine Erfassung aller Alleen und Baumreihen in Deutschland durchgeführt. Peters stellte die Verteilung der 19.864 km Alleen nach Bundesländern kurz dar. Bei den Baumarten dominieren derzeit Ahorn- und Lindenarten mit 52 Prozent den Bestand.
Aktuelle Problempunkte sind die ESAB/RSP-Richtlinien zum Baumabstand vom Fahrbahnrand und der in den Bundesländern unterschiedlich geregelte Schutzstatus von Alleen. Neue Impulse geben das Nature Restoration Law der Europäischen Union sowie ein Alleenbericht in jeder Legislaturperiode des Bundestags analog zum Waldschadensbericht.
Appell, Fördermittel dieses Jahr auch abzurufen
Hermann Färber präsentierte die Parlamentsgruppe "Kulturgut Alleen", deren stellvertretender Vorsitzender er ist. Der Parlamentsgruppe sei es wieder gelungen, im Haushalt des Bundesverkehrsministeriums für Verkehr einen Titel in Höhe von 5 Millionen Euro für die Förderung der Alleen zu verankern: 521-21 "Maßnahmen zum Alleenschutz und Entwicklung sowie Pflege und Unterhaltung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen an Bundesstraßen".
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Die Haushaltsmittel in der vorangegangenen Legislaturperiode sind allerdings nur zum Teil abgerufen worden. Die Parlamentsgruppe würde sich wünschen, dass in dieser Legislaturperiode die Haushaltsmittel vollständig verbraucht werden.
Die Baumartenauswahl an den Alleen wird vielfältiger werden und folgt damit der Entwicklung bei den Stadt- und Straßenbäumen. Angesichts der langen Kulturzeiten stellt das die Baumschulen in Bezug auf die Anbauplanung vor erhebliche Schwierigkeiten, wie Bernhard von Ehren, BdB-Präsidiumsmitglied, erläuterte.
"Deutsche Alleenstraße" ist touristische Erfolgsstory
Das Projekt "Deutsche Alleenstraße" hat sich zu einer touristischen Erfolgsstory entwickelt. Dieter Hütte von der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Alleenstraße, ADAC Berlin-Brandenburg möchte deshalb die Alleenstraße durch Nebenrouten erweitern. Schließlich sind es die Landschaftsgärtner, die die Alleebäume pflanzen. Für die Branche stellt sich hier das Problem des Fachkräftemangels wie Oliver Hoch, der FGL-Hauptgeschäftsführer in Berlin und Brandenburg, betonte.
Nach den Statements entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Dabei wurde deutlich, dass die ESAB/RSP-Richtlinien zum Baumabstand eine der Hauptschwierigkeiten bei der Planung und Anlage von Alleen sind. Der notwendige Flächenerwerb ist organisatorisch als auch finanziell eine große Hürde. Einfacher ist es im nachgeordneten Netz an Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen.
Zunehmend rücken auch Radwege in den Fokus für die Anlage von Alleen. Neue Chancen zur Alleenpflanzung könnten sich aus dem Nature Restoration Law der EU ergeben, sofern Alleepflanzungen als Wiederherstellungsmaßnahme zur Verbesserung des ökologischen Zustands von Lebensräumen oder zu dem Ziel der Pflanzung von 3 Milliarden Bäumen in der EU bis zum Jahr 2030 anerkannt werden.
Entwicklung eines bundesweiten Alleenkatasters
Eine bundeseinheitliche Definition von Alleen (Mindestlänge 50 oder 100 m?) und ihre Festsetzung als "Geschützte Landschaftsbestandteile" nach §29 BNatSchG würde den Schutz bestehender als auch neu angelegter Alleen deutlich verbessern. Notwendig sind aber auch die Schulung von Baumpflegern, die Verbesserung von Monitoring und Berichtswesen, die Entwicklung eines bundesweiten Alleenkatasters sowie die Identifikation geeigneter Pflanzstandorte.
Demnächst wird das Kompetenzzentrum Straßenbäume und Alleen (kostba) eine "Empfehlungsliste zur Auswahl klimaangepasster und naturverträglicher Gehölze als Straßenbegleitgrün in Brandenburg" veröffentlichen. Diese Liste, die mit Planern, Behörden und Verbänden abgestimmt wurde, enthält Empfehlungen zur Baumartenwahl für Alleen. Sie umfasst sowohl heimische als auch fremde, aber nicht invasive Baumarten, mit Informationen zu Eigenschaften, Standortansprüchen und zur weiteren Verwendung.
SDW plant Eckpunktepapier zum Alleenschutz
Unter der Federführung von Jasmin Personn und Katharina Dujesiefken, beide Mitglieder im BUND , soll in einer SDW-Arbeitsgruppe ein Eckpunktepapier zum Alleenschutz und -erhaltung erarbeitet werden. Im vergangenen Jahr fand eine "Nationale Alleentagung" in Berlin statt. Sie stand unter Schirmherrschaft der Parlamentsgruppe "Kulturgut Alleen". In den Jahren 2027 oder 2028 soll eine Folgeveranstaltung durchgeführt werden.
Philipp Schönfeld/Christoph Rullmann
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