Akkus aufladen während der Teepause in Oxford
Neues Akkusystem soll die Verfügbarkeit von Profi-Geräten erhöhen

Dabei spielt moderne Technik inzwischen eine zentrale Rolle. Bereits 2019 begann das College seine Geräteflotte von Benzin- auf Akkutechnik umzustellen. Ausschlaggebend waren vor allem Lärm- und Emissionsschutz im laufenden Universitätsbetrieb. Heute arbeiten die Gärtner nahezu ausschließlich mit Akku-Geräten. Im Frühjahr dieses Jahres hatten sie die Gelegenheit, das neue ALLPRO-Akkusystem von Stihl bereits vor dessen offizieller Markteinführung im Arbeitsalltag zu testen.
Wenn Ladezeiten über Produktivität entscheiden
Während bei privaten Anwendern meist die Laufzeit eines Akkus im Vordergrund steht, zählen im professionellen Einsatz andere Kriterien: Für GaLaBau-Betriebe, Kommunen oder Hausmeisterdienste sind Verfügbarkeit und Ladegeschwindigkeit oft entscheidender. „Wer den ganzen Tag draußen arbeitet, braucht volle Leistung – und das bei jedem Wetter“, sagt Simon Bagnall, Leiter der Garten- und Grundstückspflege am Worcester College.
Gerade auf weitläufigen Anlagen bedeuten lange Ladezeiten Stillstand. Bislang wurden Akkus häufig über Nacht geladen und tagsüber durch mehrere Ersatzakkus ergänzt. Das neue ALLPRO-System verfolgt einen anderen Ansatz: Akkus sollen so schnell geladen werden können, dass selbst kurze Arbeitspausen dafür ausreichen. Mit dem neuen Schnellladegerät AL 1802 MO erreichen die Akkus der Performance-Serie bereits nach neun Minuten wieder 80 Prozent ihrer Kapazität. Nach weniger als 20 Minuten sind sie vollständig geladen. Für die Gärtner in Oxford bedeutet das konkret: Während einer kurzen Teepause lassen sich die Akkus so weit nachladen, dass anschließend ohne längere Unterbrechung weitergearbeitet werden kann.

Tabless-Technologie als technischer Kern
Die kurzen Ladezeiten beruhen auf einer neuen Zellarchitektur. Die Akkus der ALLPRO-Performance-Serie nutzen sogenannte Tabless-Zellen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Zellen erfolgt die Kontaktierung der Elektroden nicht punktuell, sondern über deren gesamte Länge. Dadurch sinkt der elektrische Widerstand innerhalb der Zelle deutlich. Gleichzeitig können höhere Ströme sowohl beim Entladen als auch beim Laden übertragen werden. Für den Anwender ergeben sich daraus neben den kürzeren Ladezeiten mehrere Vorteile: Die Spitzen- und Dauerleistung fallen insgesamt höher aus, die Energienutzung fällt effizienter aus und die Wärmeentwicklung ist geringer. Insbesondere bei leistungsintensiven Geräten wie Motorsägen oder Blasgeräten soll sich dieser technische Fortschritt bemerkbar machen.
Nach Angaben von Stihl bietet das Spitzenmodell AP 300.0 P gegenüber dem bisherigen AP 300 S rund 40 Prozent mehr Dauerleistung, 60 Prozent mehr Spitzenleistung und 20 Prozent mehr Energieinhalt. Gleichzeitig verkürzt sich die Ladezeit um etwa 40 Prozent.

Vom Heckenschnitt bis zur Baumpflege
Im Praxistest kamen die neuen Akkus in unterschiedlichen Anwendungen zum Einsatz. Gärtner Mike Skelton arbeitete mit der Akku-Motorsäge MSA 260 C-O und einem AP 200.0 P. Besonders positiv fiel ihm das Verhältnis von Leistung und Gewicht auf. Trotz des dichten Holzes eines zu fällenden Stammes stand ausreichend Drehmoment zur Verfügung, während die Maschine beim Entasten angenehm leicht und wendig blieb.
Auf den artenreichen Blumenwiesen des College setzte Taissa Csaky den Freischneider FSA 200 R mit einem AP 300.0 P ein. Gerade bei großflächigen Pflegearbeiten sind lange Einsatzzeiten entscheidend. Mit mehreren Akkus und einer mobilen Lademöglichkeit konnte sie nach eigenen Angaben den gesamten Arbeitstag ohne Einschränkungen bewältigen. Auch beim rückentragbaren Blasgerät BRA 600 überzeugten die neuen Akkus. Gärtner Jacob Fielding-Bishop lobte insbesondere die konstante Leistungsabgabe beim Entfernen von nassem Laub und schweren Verschmutzungen. Auch hier standen die Akkus nach einer kurzen Ladepause bereits wieder zur Verfügung.


Robust für den Alltag im Freien
Neben Leistung und Ladegeschwindigkeit spielt im professionellen Einsatz die Robustheit eine entscheidende Rolle. Die ALLPRO-Akkus wurden deshalb speziell für anspruchsvolle Bedingungen entwickelt. Die Modelle der Performance-Serie erfüllen die Schutzklasse IPX5 und sind damit gegen Strahlwasser aus allen Richtungen geschützt. Auch typische Witterungsbedingungen im GaLaBau wie Starkregen oder Frost sollen ihnen nichts anhaben können. Der zulässige Einsatzbereich reicht von minus 20 bis plus 50 Grad Celsius.
Darüber hinaus sind die Akkus stoßfest konstruiert. Falltests aus 1,5 Metern Höhe auf Betonboden gehören ebenso zum Prüfprogramm wie umfangreiche Lade- und Entladezyklen. Stihl gibt für die Performance-Akkus eine Lebensdauer von bis zu 3.000 Ladezyklen an. Bei rund 200 Arbeitstagen pro Jahr entspricht dies einer theoretischen Nutzungsdauer von bis zu 15 Jahren.


Mobile Energieversorgung gewinnt an Bedeutung
Ein weiterer Baustein des Systems ist das mobile Laden. In Kombination mit der Power Station PS 2000 können Akkus direkt auf der Ladefläche eines Transporters oder im Einsatzgebiet geladen werden. Für das Team in Oxford ergibt sich daraus ein praktischer Vorteil: Statt zahlreiche geladene Ersatzakkus mitzuführen, können Akkus bedarfsgerecht nachgeladen werden. „Wir arbeiten dadurch flexibler und benötigen weniger Akkus“, berichtet Bagnall. „Unter dem Strich werden die Gesamtbetriebskosten günstiger.“
Gerade für Betriebe im Garten- und Landschaftsbau, deren Mitarbeitende täglich zwischen unterschiedlichen Baustellen wechseln, dürfte dieser Ansatz interessant sein. Mit dem ALLPRO-System verfolgt Stihl einen Ansatz, der über reine Laufzeitsteigerungen hinausgeht. Im Mittelpunkt stehen Verfügbarkeit, Ladegeschwindigkeit und Wirtschaftlichkeit. Die Erfahrungen am Worcester College zeigen, dass die Kombination aus neuer Tabless-Technologie, kurzen Ladezeiten und mobilen Ladelösungen tatsächlich geeignet ist, Arbeitsabläufe zu verändern. Weniger Stillstand, weniger Reserveakkus und mehr Flexibilität im Tagesgeschäft, worin für viele professionelle Anwender der eigentliche Fortschritt liegen dürfte.









