Anpassung von Parkanlagen - Erarbeitung einer Konzeption für das zukünftige Parkmanagement

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Abb. 1: Schadsituation mit abgestorbenen und umgestürzten Bäumen im Stadtpark Meißen. Foto: Andreas Roloff

Viele deutsche Parkanlagen befinden sich derzeit in einem sehr kritischen Zustand durch ein massives Absterben zahlreicher älterer Bäume infolge der Trockenstress-Sommer 2018 bis 2020 (Abb. 1). Damit können sie etliche ihrer wichtigsten Funktionen - Klimawirkung für die zugehörigen Kommunen, Erholung und Gesundheitsvorsorge, Biodiversität und Denkmalschutz - nicht mehr in ausreichendem Maße erfüllen. Die privaten und kommunalen Parkeigentümer in Städten und Gemeinden sowie Management-Verantwortliche sind von dieser Situation zum Teil überfordert und erhoffen sich Unterstützung von Baumexperten, um die Parkanlagen klimaresilient anzupassen, damit diese möglichst zeitnah wieder vollumfänglich ihre vielfältigen Funktionen erfüllen können.

Ausgangssituation

Am Beispiel von drei Parkanlagen der Stadt Meißen und dreier weiterer sächsischer Parks soll durch vergleichende wissenschaftliche Forschung sowie innovative Konzepte des Managements und der Gehölzverjüngung die derzeitige Situation wissenschaftlich untersucht werden. Daraufhin soll eine Konzeption erarbeitet werden, wie der Baumbestand durch behutsamen Umbau und mit einigen neuen Baumarten unter Berücksichtigung von Naturschutz und Gartendenkmalpflege in seinem Anpassungspotenzial und damit die Parkanlagen in ihrer Funktionserfüllung optimiert werden können. Dafür zusammengefunden haben sich die Baumbiologie der TU Dresden (Prof. Dr. Andreas Roloff, www.tu-dresden.de/forstbotanik), die Stadt Meißen und die Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH, um diese Fragestellung in einem gemeinsamen Projekt ADAPark zu berarbeiten.

Abb. 2: Erlebnisareal im Schlosspark Siebeneichen mit Bachlauf, Wasserfall, Pavillon und optimierter Wegeführung. Foto: Andreas Roloff

Abb. 3: Alter Biotopbaum (Buche) im Bestand des Waldparks Siebeneichen. Foto: Andreas Roloff

Die Stadt Meißen eignet sich in besonderer Weise für diese Projektträgerschaft, da sich 15 Parkanlagen in ihrem Eigentum befinden, wovon mit dem Schlosspark Siebeneichen und dem Stadtpark zwei der größten Waldparks sind, also Parkanlagen mit waldartigem Charakter. Wenn urbane oder stadtnahe Parkanlagen mit Wald verbunden oder aus diesem entstanden sind, waldähnliche Strukturen aufweisen mit größeren Verjüngungsarealen und Bestandscharakter, werden sie seit Beginn des 20. Jahrhunderts oft als Waldpark oder Stadtwald bezeichnet und in manchen Bundesländern sogar als solche gewidmet. In Sachsen gibt es die Widmung als Park zwar nicht, der Schlosspark Siebeneichen wurde allerdings bereits 1937 zusammen mit dem Schloss und dem Försterhaus in die Liste der Kulturdenkmale des Freistaats Sachsen aufgenommen. Das Managment von Waldparks erfolgt vorwiegend nach ästhetischen und nicht nach holzwirtschaftlichen Gesichtspunkten. Es wird eine Erschließung durch viele Laufwege und einfache Möblierung (Bänke, Pavillons, Treffpunkte etc.) vorgenommen, gartenkünstlerische Aspekte und die Erholung der Stadtbewohner haben einen wichtigen Stellenwert (Abb. 2).

Unter den Waldparks gilt der Schlosspark Siebeneichen als einer der ältesten englischen Landschaftsparks Sachsens und Deutschlands. Er ist daher ein äußerst hochwertiges Kulturdenkmal mit großer gartenkünstlerischer Bedeutung und FFH-Gebiet mit besonderen Biotopstrukturen (Abb. 3), was zu seinem Natur- und Denkmalschutz-Status geführt hat. Wie auch die anderen Waldparks Meißens und viele weitere Parkanlagen Sachsens und Deutschlands befindet er sich derzeit in einer weit fortgeschrittenen Entwicklung des Baumbestandes zum Hallenwald (einschichtiger Altbaumbestand) mit den Nachteilen: Verschwinden von Baumarten, Ausdunkeln jüngerer Bereiche, eingeklemmten Kronen und den gravierenden Folgen: Wurzelunterversorgung, Reduktion der Stand- und Bruchsicherheit, Totastbildung, extreme Schädlingsdisposition und Schadsituation, woraus sich ein hohes Krisen-Risiko ergibt.

Dies hat mittlerweile in vielen Parkanlagen auch in anderen Regionen Deutschlands durch die Trockenhitze-Sommer 2018-2020 zu einer Schädlings- und Schadsituation ungeahnten Ausmaßes geführt, mit einem Absterben vieler hundert älterer Bäume in der jeweiligen Anlage. Dadurch sind inzwischen bereichsweise unterschiedlich große Bestandeslücken entstanden, die eine natürliche ideale Ausgangssituation für diese innovative Entwicklungskonzeption mit integrativen Pflege- und Behandlungsvarianten geschaffen haben (Abb. 4a-c). Damit soll in überschaubarer Zeit eine Anpassung der Parkanlagen an den Klimawandel erfolgen, die Erfolgsaussichten dafür sind sehr hoch.

Abb. 4a) Natürlich entstandenes Plenterpotenzial im bestehenden Bestand mit Nadelbäumen. Foto: Andreas Roloff

Abb. 4b) Natürlich entstandene Femellücke durch abgestorbene Altbaumgruppe. Foto: Andreas Roloff

Abb. 4c) Natürlich entstandene Mittelwaldsituation durch verbliebene großkronige "Überhälter". Foto: Andreas Roloff

Abb. 5: Denkmalpflege – Zugewachsene frühere Sichtachse zum Schloss ist wieder herzustellen. Foto: Andreas Roloff

Die für dieses Projekt vorgesehenen drei Waldparkanlagen in Meißen (Schlosspark Siebeneichen, Stadtpark und "Bürgerwald" Goldgrund) haben eine herausragende klimatische Funktion für die Stadt. Der Grund dafür ist, dass sie an Hängen direkt oberhalb der Stadt liegen und die in ihnen produzierte und gespeicherte Kalt-, Feucht- und Reinluft tagsüber und nachts in das Stadtzentrum fließt und maßgeblich zu dessen Kühlung und guter Luftqualität beiträgt (Integriertes Stadtentwicklungskonzept der Stadt Meißen INSEK, Fortschreibung 2020). Zudem ist der Wasserabfluss von diesen Steilhängen durch die Bestockung bei Starkregen erheblich verzögert. Bei dem derzeitigen Zustand der Parkanlagen ist diese Klimaschutzwirkung aber erheblich eingeschränkt und wäre ohne ein aktives Handlungskonzept für lange Zeit nicht mehr ausreichend funktionsfähig.

Durch die Beteiligung der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH (SBG gGmbH) wird die Bearbeitung ähnlicher Fragestellungen in weiteren sächsischen Parkanlagen und damit die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Parks in Deutschland möglich. Das Projekt erhält somit Vorbildfunktion für viele andere kommunale und private Parkeigentümer.

Mit einer wissenschaftlichen Begleitung des Projektes und maßgeblicher Beteiligung an der Konzeptions-Erarbeitung durch die Forstwissenschaften (Baumbiologie) der TU Dresden in Tharandt steht eine optimale Kombination von erfahrenen Partnern für dieses Projekt bereit. (Abb. 4a-c, 5)

Bestands-Strukturtypen und -Managementvariationen

Parkanlagen haben im Management den bedeutsamen Unterschied zur Forstwirtschaft, dass es (so auch hier in den Waldparks) nicht um eine Optimierung der Holznutzung geht, sondern um die optimale Funktionserfüllung für Biodiversität und Naturschutz, Gartendenkmalpflege/Sichtachsen (Abb. 5), Erholung und Besuchererlebnis, Verjüngungskriterien, Schadsituation/Verkehrssicherheit, Baumpflege, Nachhaltigkeit und Krisenfestigkeit. Die folgenden Strukturtypen und Managementvariationen Plenter-, Femel-, Mittel- und Niederwald sollen mit dieser veränderten Zielstellung nun als Handlungsorientierung in verschiedenen Arealen der Parkanlagen umgesetzt werden.

Plenterwald (Abb. 4a, 6a): Beim Plentern werden fortlaufend einzelne Altbäume entnommen, sodass jüngere Bäume Anschluss an das Kronendach erhalten. Da es sich nur um kleine Lücken handelt, müssen die beteiligten Baumarten einigermaßen schattentolerant sein. Durch den Halbschatten wird Trockenstress vermindert, da die Kronen der nachwachsenden Bäume nur wenig besonnt werden. Dieser Prozess wandert fortlaufend über den Bestand an verschiedenen Stellen, da immer wieder Einzelbäume entnommen werden oder absterben. Der Bestand wird dadurch auf der gesamten Fläche kleinsträumig ungleichaltrig, divers und strukturreich. Dies kann auch zum Femeln übergehen.

Abb. 6a: Plenterwald-Behandlung (Canton de Neuchâtel, Service des forêts (2021), im Park Siebeneichen auf Kleinflächen mit Tanne, Eibe, Winter-Linde, Berg-Ahorn, Buche (Douglasie, Hemlockstanne, Lebensbaum) machbar. Foto: Andreas Roloff

Abb. 6b: Femelwald-Behandlung (Screenshot aus Forestbook 2021), in Siebeneichen auf Teilflächen möglich zur Variation des Lichteinflusses. Foto: Andreas Roloff

Abb. 6c: Schema/Ablauf Mittelwaldbehandlung mit einzelnen Oberständern und „Hauschicht“ Abb. Roloff & Peik 1990

Abb. 6d: Teilfläche im Park Siebeneichen mit Niederwaldstruktur. Foto: Andreas Roloff

Abb. 7: Flächendeckende dichte Naturverjüngung im gesamten Waldpark (Stadtpark Meißen). Foto: Andreas Roloff

Femelwald (Abb. 4b, 6b): Beim Femelbetrieb wird zunächst im Kronendach eine größere Lücke mit unregelmäßiger und variabler Form angelegt (d. h. eine Baumgruppe entnommen) oder es werden wie hier im Projekt dafür vorhandene Absterbelücken genutzt, um Strahlung und Niederschlag auf den Boden gelangen zu lassen und die Verjüngung zu fördern. Diese erhält so sehr unterschiedliche Lichtverhältnisse, was die Baumartenvielfalt, Strukturdiversität und bestimmte Baumarten fördert. Durch den Halbschatten der verbliebenen Altbäume tritt weniger Trockenstress für die Jungbäume auf.

Mittelwald (Abb. 4c, 6c): Eine über die Fläche regelmäßig verteilte Zahl von Altbäumen wird als Oberständer mit größeren Abständen stehen gelassen und gefördert, indem sie von Konkurrenz befreit werden. Die nachwachsenden Jungbäume aus Naturverjüngung werden alle 15 bis 20 Jahre auf den Stock gesetzt (Unterholz, Hauschicht), einzelne Bäume können zur Überführung in Oberständer stehen gelassen werden. Durch den großflächigen Wechsel von Halbschatten und Sonne entsteht eine Vielzahl von Nischen und Lebensräumen, auch für Tiere. Die Biodiversität ist daher sehr hoch, wenn man den Prozess ständig am Laufen hält. Das gilt für die beiden vorherigen Bestandstypen ebenso.

Niederwald (Abb. 6d): Beim Niederwald erfolgt eine regelmäßige Verjüngung durch Auf-den-Stock-Setzen alle 15 bis 20 Jahre, sodass die Stammdimensionen immer relativ gering bleiben und stockausschlagfreudige Baumarten und solche mit Wurzelschösslingen immer häufiger auftreten (bspw. Hainbuche, Linde, Eiche, Eibe, Tanne), empfindliche Arten immer seltener vorkommen (bspw. Buche, Fichte, Kiefer). So wurde im Mittelalter auf den meisten Waldflächen Brennholz erzeugt.

Ziele, Zweck und Bestandteile des Projektes

Meißen ist als bestgeeignete projektverantwortliche Stadt von Seiten der Forstwissenschaften/TU Dresden, des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen sowie der SBG gGmbH ausgewählt worden, stellvertretend für viele andere Parkanlagen mit ähnlichen Problemen und Anforderungen in Sachsen und Deutschland. Parkanlagen sind bedeutsam als einer der wichtigsten Bestandteile einer klimagerechten Stadtentwicklung für Gesundheitsvorsorge, als Biotopverbund und als sozialer Begegnungsort. Dies gilt in besonderer Weise für die Stadt Meißen in Sachsen mit 15 Parkanlagen, von denen drei der größten in diesem Projekt Berücksichtigung finden.

Der Projektansatz verfolgt eine Synthese zur optimalen Erfüllung verschiedenster Funktionen von Parkanlagen. Auf die aktuelle problematische Bestandssituation soll durch Neueinführung und Anwendung der Plenter-/Femel-/Mittelwaldbehandlung aus dem naturnahem Waldbau reagiert werden (Definitionen zuvor und Abb. 4a-c, 6a-c): sie schafft Strukturen, die auch vom Naturschutz aufgrund der hohen Lebensraumqualität und Biodiversität eine Höchstbewertung erhalten. Die flächendeckend vorhandene natürliche Baumverjüngung soll unter Einbeziehung ergänzender Pflanzungen in den Gehölzbestand integriert werden, um die Standortpotenziale optimal zu nutzen und die Vitalität der Jungbäume zu verbessern. Die meisten Jungbäume der autochthonen standortangepassten Baum-Naturverjüngung (Abb. 7) haben die Extremsommer 2018-2020 überlebt und daher Erfahrung damit, sind demzufolge daran angepasst und sollen vermehrt gefördert und ausgenutzt werden. Vitale, gut wachsende Jungbäume haben das höchste CO2-Bindungsvermögen. Mit dem konzipierten Vorgehen des Parkmanagements wird das Anpassungspotenzial der Gehölze bestmöglich ausgenutzt. Es ist daher davon auszugehen, dass selbst sensible Baumarten durch Anpassung in der Jugend am Standort solche extremen Sommer wie 2018-2020 in Zukunft tolerieren werden, wenn sie aus Naturverjüngung entstanden sind - umfangreiche Trieblängen-Messungen an Jungbäumen legen dies nahe und sollen im Rahmen des Projekts zur Verifizierung fortgeführt werden.

Zudem wird als für die Gartendenkmalpflege bedeutsame Fragestellung bearbeitet, wie man im Park gekeimte und somit lokal adaptierte Jungbäume optimal anzieht, um sie nach einer Verpflanzung auch an anderen Stellen im Park zu nutzen und zu etablieren (Park-Baumschule, "Baum-Hochschule").

Mit der Beteiligung der Wissenschaft (TU Dresden, Lehrstuhl für Baumbiologie) wird das dort erarbeitete Wissen in die Praxis umgesetzt. Die Professur hat weithin bekannte und inzwischen praxisbewährte Konzepte für das Stadt- und Waldbaum-Management im Klimawandel entwickelt und umfangreiche Baumbewertungen erarbeitet (Datenbank www.citree.de mit 400 Arten und Sorten sowie KlimaArtenMatrix KLAM-Stadt und KLAM-Wald mit über 250 Baumarten, Roloff 2021).

In einem sogenannten "Klima-Baumhain" werden einige besonders aussichtsreiche neue Baumarten eingeführt und getestet: Je zwölf Bäume von zwölf Baumarten - in einem Pflanzdesign entsprechend Stundenkreis oder Monatsquadrat für ein attraktives Besucher-Erlebnis, angepasst an die lokale Situation der jeweiligen Parkanlage.

Das Projekt dient maßgeblich der Erhaltung und Verbesserung der Klimawirkung städtischer und stadtnaher Parkanlagen, unter Berücksichtigung von Natur- und Denkmalschutzkriterien. Die zu entwickelnde integrative Management-Konzeption mit hohen Erfolgsaussichten soll auch auf andere ebenfalls betroffene historische Parks privater, körperschaftlicher und staatlicher Eigentümer übertragbar sein, dort nutzbar gemacht werden und somit ein Wissenstransfer erfolgen.

Der Leitgedanke dabei ist, Waldpark- und Gartendenkmale als Kunstwerke zu bewahren und zu schützen, aus dem Bestand heraus behutsam weiterzuentwickeln und sie unter Berücksichtigung der Naturästhetik und im Hinblick auf eine umfassende Sinneswahrnehmung und Naturgenuss an aktuelle neue Anforderungen anzupassen.

Waldparks bieten die ideale Ausgangssituation für ein derartiges Vorhaben, weil hier waldähnliche Strukturen gewollt, vorhanden und typisch sind. Die genannten Strukturziele Femel-, Plenter-, Mittelwald sind im naturnahen Waldbau etabliert und nehmen mehr auf Einzelbäume Rücksicht als der jetzt in Siebeneichen und im Meißner Stadtpark entwickelte Hoch- und Hallenwald mit geschlossener Altbaumschicht und eingeklemmten Kronen - was zum Beispiel bei Eichen zum Absterben der Bäume führt (Abb. 8).

Abb. 8: Eingeklemmte Eichenkronen mit Absterbeerscheinungen infolge Beschattung (Stadtpark Meißen). Foto: Andreas Roloff

Abb. 9: Markanter großkroniger, alter Solitär (Blut-Buche). Foto: Andreas Roloff

Im Meißner Park Siebeneichen soll eine maßgebliche Orientierung an der vorhandenen denkmalpflegerischen Zielstellung und landschaftspflegerischen Konzeption von Hamm & Fanko (2016) erfolgen, die mit konkreten Maßnahmen zu aktualisieren und zu untersetzen ist. Zudem sind dort in den 1980er-Jahren Beleg- und Diplomarbeiten erarbeitet worden mit umfangreichen Inventarangaben des Baumbestandes zur damaligen Zeit (Otto 1982, 1984; Diersche 1986). Somit liegen ideale Voraussetzungen für die Berücksichtigung und Umsetzung der denkmalpflegerischen und Naturnähe-Belange vor.

Vergleichsuntersuchungen und Maßnahmen auch in anderen sächsischen Parkanlagen werden die Projektbedeutung überregional wirksam machen, wozu auch diese Publikation dient. In Zusammenarbeit mit dem Bereich Gärten der SBG gGmbH wurden bereits drei weitere mögliche sächsische Parkanlagen im ländlichen Raum für Untersuchungen und Maßnahmen vorausgewählt (Schlosspark Colditz, der Bereich des s. g. Jagdparks im Barockgarten Großsedlitz und der Burgberg Stolpen). Auch für diese Anlagen gilt es, mögliche Erhaltungsmaßnahmen im Spannungsfeld zwischen Denkmalpflege und Naturschutz zu entwickeln.

Managementziel soll die Entwicklung eines einzelbaumweise ungleichaltrigen und heterogenen Bestandes mit größeren Lücken im Kronendach sowie vielen verschiedenen gemischten Baumarten und Bäumen unterschiedlicher Größe und Alters sein. Dabei werden besonders wertvolle Einzelbäume (Altbäume und Baumensembles und solche, die es noch werden sollen) markiert und ihr Umfeld je nach Baumarten und Lückensituation zu Femel-, Plenter-, Mittelwaldstrukturen entwickelt.

Auf geeigneten Teilflächen soll eine Mittelwaldstruktur entwickelt und erhalten werden. Vor allem in großen Bereichen mit expansiver Ahornverjüngung, welche nur durch ständige Gegenmaßnahmen beherrschbar wird - derzeit ist dies ein großes Problem in den meisten Parkanlagen, das nur so zielgerichtet zu lösen ist. Auch hierzu soll daher eine spezielle Managementkonzeption entwickelt werden.

Auf kleinen Teilflächen mit Niederwaldstruktur soll auch dieser wichtigste Waldbehandlungstyp des Mittelalters erhalten ("Ausschlagwald", Abb. 6d) und präsentiert werden, mit der Konsequenz einer deutlich anderen Baumartenzusammensetzung als sonst im Park, da hierfür insbesondere die Stockausschlagfähigkeit und Wurzelschösslinge der Baumarten entscheidend sind.

Durch die vorgeschlagene Managementmethodik erfolgt eine optimale Berücksichtigung der kleinräumigen Variation (hinsichtlich Baumarten, Alter, Standort, Umfeld …) und die naturnahe Entwicklung stabiler Verhältnisse im Hinblick auf Trockenheit, Hitze, Sturm, Schädlinge und dergleichen.

Beschreibung der Maßnahmen

Zunächst sollen sofort notwendige und sinnvolle Pflege- und Sicherungsmaßnahmen unter Berücksichtigung der zu entwickelnden Konzeption durchgeführt werden. Der Istzustand wird erfasst (Baumarten, Altersklassen, Bestandesstruktur) und in einem Baumkataster und auf Karten dokumentiert, um daraus die lokalen Strukturtypen und Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen abzuleiten. Wertvolle Solitäre werden dabei markiert sowie weitere "Zukunftsbäume" festgelegt (Abb. 9).

Daraus ergibt sich die Zuordnung der Pflege- und Entwicklungsvarianten Plenter-, Femel-, Mittelwald zu den einzelnen Parkarealen. Die entwickelte Konzeption und die Durchführung von Eingriffen muss sich vorrangig an den Zielen der Denkmalpflege, des Naturschutzes und der Biodiversität orientieren.

Weiterhin wird ein Konzept für ein Besucher-Erlebnis und das Design der Klima-Baumhaine entwickelt. Dafür ist geeignetes Pflanzmaterial (Heister unterschiedlicher neu festgelegter Baumarten, Größe, Herkunft) zu beschaffen, dies auch in anderen Parkanlagen mit Modifikation für die dort gegebenen lokalen Besonderheiten von Standort, Klima, Denkmalpflege und Naturschutz.

Aufgrund seiner großen gesellschaftlichen Bedeutung und Tragweite soll das Projekt kontinuierlich durch Öffentlichkeitsarbeit und mit Maßnahmen der Wissenschaftskommunikation begleitet werden. Anlass, Zweck, Ziele und Ergebnisse des Projektes werden dafür zielgruppengerecht in die Öffentlichkeit hinein kommuniziert, um für die Akzeptanz ergriffener Maßnahmen zum Erhalt der gefährdeten Garten- und Parkanlagen zu werben und für die vielfältigen und teilweise massiven Auswirkungen des Klimawandels zu sensibilisieren. Vorgesehen sind verschiedene Kommunikationsformate, wobei starke Synergieeffekte zu den weiteren Vermittlungsaktivitäten der SBG gGmbH im Hinblick auf Projekte mit ähnlicher Thematik und der kulturellen Bildung allgemein zu erwarten sind.

Durch interaktive Infotafeln an strategischen Orten im Park sollen die Parkbesucher aktiv einbezogen werden (via Smartphone), um die neu entwickelte Konzeption vorzustellen, verständlich zu machen und zum Erleben beizutragen. Sogenannte Starke Orte im Park sollen mit Stelen markiert und dadurch für Besucher erlebbar gemacht werden.

Als weitere Zielgruppe werden andere kommunale und private Parkeigentümer angesehen, denen mittels eines Handlungsleitfadens die Projektergebnisse in einem praxistauglichen und anwenderfreundlichen Format zur Verfügung gestellt werden sollen. Die SBG gGmbH kann dabei unter anderem auf das weitverzweigte Netzwerk im "Schlösserland Sachsen" zurückgreifen. Für alle Vermittlungsaktivitäten ist auch die am Projekt beteiligte Deutsche Dendrologische Gesellschaft e. V. ein idealer Partner, da in ihr viele private Parkeigentümer Mitglied und auf eine solche professionelle Hilfestellung angewiesen sind.

Literatur

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe ProBaum 02/2021 .

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