Der Kommentar

Auf in die Goldenen Zwanziger

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Zum Jahreswechsel haben viele Medien einen Rückblick in die "Goldenen Zwanziger Jahre" des vergangenen Jahrhunderts gegeben und einen Ausblick in das nächste Jahrzehnt gewagt. Der Blick zurück zeigt, wie gut es uns heute geht.

Das angeblich goldene Jahrzehnt begann in bitterster Armut, schlechtester Gesundheitsversorgung, mit politischen Attentaten und einer Hyperinflation mit einer monatlichen Rate von bis zu 29 525 Prozent im Oktober 1923 und endete mit dem Schwarzen Donnerstag an der Wall Street 1929. Dazwischen gab es in der Tat einen wirtschaftlichen Aufschwung auf einem nach heutigem Maßstab sehr niedrigen Niveau. Vor allem betraf dies nur eine kleine Elite, insbesondere in Berlin, das damals die drittgrößte Stadt in Europa war. Parallelen zu 2020 zu finden fällt sehr schwer.

Einen gewagt klingenden Ausblick hat die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung für 2030 entwickelt, in dem es keine Smartphones mehr geben wird, weil Chips unter der Haut Gedanken durch Telepathie gleich umsetzen und das rein elektrische Flugtaxi bestellen. Im Klimaschutz hat China gemeinsam mit Europa eine Vorreiterrolle eingenommen. So erfolgt die Produktion von Fleisch durch synthetische Herstellung vollkommen klimaneutral. Ein Problem ist, dass die Biobauern jetzt den Mist für die Düngung der Ackerfrüchte ersetzen müssen.

Unvorstellbar? Ich glaube nicht, denn die Entwicklungen in allen Bereichen werden immer schneller. Schon heute haben PKW der Oberklasse Assistenzsysteme, die dem autonomen Fahren sehr nahe kommen. In Kalifornien fahren schon Googles Waymo-Autos wie selbstverständlich durch die Straßen. Selbst in Osnabrück gibt es schon einen ersten Testversuch. Die Firma Boston Dynamics baut menschenähnliche autonom agierende Roboter, die in der Lage sind, ein Haus zu bauen. Die Firma Fastbrick Robotics liefert bereits einen autonomen Roboter zum Errichten von Mauerwerk. Die Kooperation mit Caterpillar zeigt, dass die Technik marktreif ist. Check 24 bietet nicht nur Vergleiche von Reisen, Versicherungen oder Stromanbietern, sondern auch von Handwerkerleistungen an. Ab 2020 wird Check 24 mit der hauseigenen Bank C24 gleich die Finanzierung übernehmen, auch für den neuen Hausgarten.

Damit diese Techniken und Vermarktungsinstrumente wirtschaftlich einsetzbar sind, werden Unternehmen auch im Landschaftsbau immer größer werden. Während Ende der 1990er Jahre die Betriebe eher kleiner wurden, ist jetzt feststellbar, dass Betriebe wieder größer werden - zum Teil sehr viel größer. Auf den Osnabrücker Baubetriebstagen im Februar wird ein Vertreter eines regionalen Landschaftsgärtners aus Kalifornien mit 1 700 Mitarbeitern sprechen, der sehr stolz darauf ist, dass er noch nicht von einem der großen Finanzinvestoren übernommen wurde. Auch in Deutschland sind wieder Verwalter großer Vermögen auf der Suche nach attraktiven Anlagen und glauben, diese auch im Landschaftsbau zu finden. So könnte es 2030 auch eine GaLaBau AG geben, die über eine Mrd. Umsatz nachweisen kann und in der Lage ist, die modernsten Techniken sehr wirtschaftlich zu etablieren und ganz neue Vertriebswege zu nutzen. Wenn uns wirklich ein goldenes Jahrzehnt bevorsteht, klappt das bestimmt.

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 01/2020 .

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