Ausgegraben
Schöner Wohnen ...
Haben Sie den Absprung geschafft, führt die letzte Reise aus dem Krematorium entweder nach Tschechien, in die Niederlande oder die Schweiz. Dort wird Ihre Asche ganz legal mit Muttererde vermengt, die einem Baum ihrer Wahl als Nährboden dient. Neun Monate später sind Ihre Überreste vollständig absorbiert. Sie sind als Baum wiedergeboren, rücktransportfähig und in Ihrem Garten einpflanzbar. Haben sich die Hinterbliebenen längst an Ihr Ableben gewöhnt, können Sie sich als drei Meter hohes Trauerdenkmal triumphal ins Gedächtnis rufen. Friedhofspflicht, ade!
Die Baumauswahl ist so vielfältig, wie Sie zu Lebzeiten gewesen sind. Lag ein Autounfall vor? Dann passt die Blutbuche! Gab es ein Demenzthema? Wählen Sie mit Augenzwinkern den Gingko! Sollten Sie es nie nach Asien geschafft haben, können Sie die Lücke mit einer japanischen Kirsche füllen, oder wenn Sie sich für schwarze Johannisbeere entscheiden, schaffen Sie es eingekocht jeden Frühsommer in den Vorratsschrank Ihrer Lieben.
Wer will schon seine Asche narzisstisch ins Weltall schießen lassen oder posthum als Diamant am gierigen Ringfinger des Haupterben lungern? Mit einem alles überschattenden Totenbaum geraten Sie niemals in Vergessenheit und Ihre Eitelkeit verliert sich im sanften Blätterrauschen.
Patricia Hempel
NL-Stellenmarkt



