Ausgegraben
Hautkrankheiten, Lärmschwerhörigkeit, Insektenbisse ...
von: Patricia HempelDie Liste der Berufskrankheiten und potenziellen Quellen für Wege- und Arbeitsunfälle ist so lang, dass sie mit etwas Fantasie noch länger als dieser Absatz ausfallen könnte. Zum Glück ist die Krankenstatistik rückläufig, weil inzwischen präventiver gehandelt wird.
Dafür rückt eine ganz andere „Berufskrankheit“ in den Vordergrund: die Déformation professionelle. Sie hat weniger mit dem Leid der Berufsunfähigkeit zu tun, als mit der zwanghaften Leidenschaft für den eigenen Beruf. Zum Beispiel ein Zahnarzt, der auch außerhalb der Sprechzeiten nicht am Zahnstein seiner Mitmenschen vorbeisehen kann.
Für einen Landschaftsgärtner würde die Déformation professionelle bedeuten, dass ihm in seiner Freizeit ein ständiger Landschaftspflegebedarf ins Auge springt. Er könnte an verhunzten, vom Grünflächenamt vernachlässigten Bäumen nicht tatenlos vorbeigehen.
Einem leichtbekleideten (vermutlich bierseeligen) Landschaftsgärtner war der Ast eines Baums im Meininger Stadtpark ein Dorn im Auge und sägte ihn zum Wohl des Landschaftsbildes eigenmächtig ab. Die hinzugerufenen Einsatzkräfte von Polizei und Ordnungsamt bremsten den Aktionismus des 37-Jährigen mit einer Anzeige wegen Sachbeschädigung aus.
Berufskrankheiten können teuer werden, wenn man sie nicht im Griff hat. Besonders dann, wenn der eigene Perfektionismus zum Berufsrisiko wird, und einen die berufliche Sozialisation zum Klischee seines Berufstandes werden lässt.
Patricia Hempel
NL-Stellenmarkt










