Ausgegraben
Die Zwillingstürme
von: Patricia HempelKlingt fast zu schön, um wahr zu sein – und ist es auch! Denn in Frage steht der tatsächliche ökologische Nutzen. Die jährliche Kohlenstoffbindung des Bosco Verticale entspricht in etwa den Emissionen eines Durchschnittshaushalts, einschließlich indirekter Emissionen.
Im Klartext: Die Ökobilanz der begrünten Türme ist so schlecht, dass lediglich der CO2-Ausstoß eines einzigen Haushalts kompensiert werden kann. Bezogen auf die 300 Wohnungen des Gebäudes würde man also 300 Bosco Verticale-Äquivalente benötigen, um den Verbrauch seiner Bewohner auszugleichen, ganz zu schweigen vom Verbrauch der für den Bau benötigten Energie und Ressourcen.
Grüne Architektur ist zwar in und verhilft Städten zu Hinguckern und Touristenmagneten, doch wirklich nachhaltige Grünprojekte stechen weniger ins Auge. So gut gemeint das Bosco-Verticale-Projekt auch war – mit Blick auf die unbefriedigende Ökobilanz entspricht es einer Marktlogik, mit der sich nur große Unternehmen im Namen der Verbesserung unserer Standards aus der Umweltverschmutzung und Rohstoffgewinnung freikaufen können.
Die Logik, mit der McDonald’s sein Logo grün einfärbt, um dem Klimatrend gerecht zu werden, ohne ihn erfüllen zu müssen. Handelt es sich im Fall des Bosco Verticale zwar um Greenwashing der unbeabsichtigten Art, bleibt er leider nur ein „Edelforst für Besserverdiener“.
Patricia Hempel










