Ausgegraben

Giersch bedeutet Untergang ...

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... jedenfalls, wenn er sich in gut durchdachten und gepflegten Staudenbeeten ausbreitet und spätestens im Frühsommer jeden Bodendecker vertrieben hat. Das wissen professionelle und Hobbygärtner gleichermaßen.

Der sich durch kleinste Wurzelfragmente verbreitende Giersch (Aegopodium podagraria) mit seinen endlosen Wurzeln ist ein Endboss, meist hilft nur der Spaten oder Nachsicht. Auch im eigenen Komposter sollte er besser nicht landen: Die Folge wäre eine Giersch-Invasion für Stauden, Paprika, Tomaten und Co. im folgenden Gartenjahr.

Auch Jakob Augstein erklärt in seiner Freitag-Kolumne “Koch oder Gärnter?” den Doldenblütler zum “bösen Feind”, den er nur in jahrelanger Handarbeit in den Griff bekommen habe. Der Lyriker Jan Wagner hat dem Giersch sogar ein Gedicht gewidmet. Dort kommt er zwar etwas besser weg, doch die „keuschen” weißen Blüten seien ein “Tyrannentraum”, der den Garten verschlingt und immer wieder auftaucht wie eine „alte Schuld”.

Der Giersch hat einen schlechten Ruf, dabei soll er angeblich sogar Gicht und Gelenkschmerzen heilen. Ich liebe es, seine Wurzeln mit dem Sauzahn freizulegen, um sie wie die Haarsträhnen eines mythologischen Wesens meditativ aus dem Boden zu ziehen, bis ich ein Rhizom zu greifen kriege.

Und wenn mich seine Anwesenheit zwischen Rhabarberblättern und Himbeerruten doch einmal ermüdet, pflücke ich die jungen Blätter und mache ein leckeres Pesto daraus. Dann drehe ich den Spieß einfach mal um und verschlinge den Giersch, so wie er meinen Garten seit Jahren.

Patricia Hempel

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 Patricia Hempel
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Autorin, Redaktion Neue Landschaft

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