Migration stärkt deutsche Arbeitsmärkte

Ausländische Beschäftigte füllen demografische Lücken

Knapp ein Viertel der nahezu 35 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland geht in den nächsten zehn bis zwölf Jahren in Rente. Ausländische Arbeitskräfte spielen eine immer wichtigere Rolle bei der Abfederung des Arbeitskräftemangels: Ihre Anzahl ist seit 2015 über alle Anforderungsniveaus hinweg kräftig gestiegen. Vor allem bei den Helfer- und Fachkrafttätigkeiten füllen ausländische Beschäftigte die Lücken. Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.
Zuwanderung Fachkräftesicherung
Altersverteilung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (16-67 Jahre) nach Staatsangehörigkeit (Deutsche: einfarbig, Ausländer: schraffiert) und Kreistypen: West- (l.) und Ostdeutschland (r.), Juni 2024. Beschäftigte Personen in Tausend. Quelle: Bundesagentur für Arbeit. Grafik: IAB

Beschäftigungszahlen ohne ausländische Beschäftigte bereits rückläufig

Auf dem Fachkraftniveau sank die Zahl der deutschen Beschäftigten 2024 gegenüber 2015, sodass der Zuwachs von gut 600.000 Beschäftigten allein durch Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit erzielt wurde. "Auf Fachkraftniveau wären die Beschäftigungszahlen ohne die ausländischen Beschäftigten bereits rückläufig", sagt IAB-Forscherin Sarah Kuhn. Auch bei den Helfertätigkeiten ging das Plus von gut einer Million Arbeitskräften fast ausschließlich auf ausländische Beschäftigte zurück. In den Spezialisten- und Expertentätigkeiten gab es hingegen auch bei den deutschen Beschäftigten ein kräftiges Wachstum zwischen 2015 und 2024.

Altersbedingte Abgänge nicht vollständig durch Jüngere kompensierbar

2024 kamen in Westdeutschland auf 100 ältere Beschäftigte (58- bis 62-Jährige) 95 Jüngere (28- bis 32-Jährige), im Osten hingegen nur 68. "In Westdeutschland ist die Relation von jüngeren zu älteren Beschäftigten zwar günstiger, aber auch dort wird es nicht überall gelingen, die altersbedingten Abgänge vollständig durch Jüngere zu kompensieren", erklärt IAB-Forscher Holger Seibert.

Betrachtet man nur die deutschen Beschäftigten, stehen den Älteren am Arbeitsmarkt noch weniger Jüngere gegenüber: In den meisten ostdeutschen Kreisen kommen dann weniger als 40 Jüngere auf 100 Ältere, im Westen sind es in der Mehrheit der Kreise zwischen 60 und 79. Ohne ausländische Beschäftigte gibt es nur zwölf Städte, in denen 100 älteren Beschäftigten auch mindestens 100 jüngere gegenüberstehen. "

Die Zuwanderung zu Erwerbszwecken ist bisher zu gering, um die Personallücken langfristig schließen zu können", ordnet IAB-Forscherin Sarah Kuhn ein.

"Gerade in ostdeutschen Regionen außerhalb der Großstädte wäre aber die kompensatorische Kraft ausländischer Beschäftigter gefragt, um den zukünftigen Arbeitskräftemangel abzufedern." IAB

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