Region Südlicher Oberrhein lud zur Pflanzen-Rallye

Azubis entdeckten Pflanzen auf der LaGa in Neuenburg am Rhein

Alle Azubi-Teams waren mit Eifer dabei, 20 Pflanzen nach ihren botanischen Namen zu finden. Foto: Petra Reidel

Im September besuchten knapp 30 Auszubildende und Ausbilder den Treffpunkt Grün auf der Landesgartenschau Neuenburg am Rhein. Der jährliche Azubi-Tag der im Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) Baden-Württemberg organisierten Ausbildungsbetriebe der Region Südlicher Oberrhein erfreute sich auch in diesem Jahr großer Beliebtheit. Experten halfen, das Pflanzenwissen der Auszubildenden zu erweitern. Auch zukunftsfähige trockenheitsresistente Pflanzungen standen auf der Agenda.

30 Auszubildende und Ausbilder mit dabei

In zwei Gruppen wurden die Nachwuchskräfte von Gärtnermeister Harald Schwanz (Kurparkgärtnerei, Badenweiler) und Ulrich Herzog (Fautz die Gärten, Bad Krozingen) führten Nachwuchskräfte in zwei Gruppen durch die Schaugärten der Landesgartenschau und gaben jede Menge Wissen und Erfahrung weiter. „Bei Hortensien ist vor allem die Temperatur und die Trockenheit ein Problem. Die Rispenhortensien (Hydrangea paniculata) vertragen mehr Sonne als die Bauernhortensien (Hydrangea macrophylla), die sich im Halbschatten wohler fühlen“, erläuterte Herzog, als er an einer besonders üppigen Rispenhortensie vorbeikam.

Im Garten der Bädergemeinschaft gibt es eine Kakteensammlung mit fossilen Stücken aus der Pflanzenwelt zu bewundern. Dort findet man auch unterschiedliche Ginkgo-Arten, die sich vor allem in der Blattgröße unterscheiden. „Ginkgo biloba ist ein geologischer Durchläufer, circa 65 Millionen Jahre alt und erst nach 25 Jahren fruchtbar. Wenn eine männlich und eine weibliche Pflanze nebeneinanderstehen, entstehen Früchte, die durch ihre enthaltene Buttersäure im reifen Zustand äußerst unangenehm riechen. Die Samen allerdings schmecken fast wie Pistazien beschrieb Herzog. Drei Wollemia nobilis im Topf weckten die Aufmerksamkeit der Azubis.

Auch darüber wussten Schwanz und Herzog jede Menge zu erzählen: „Diese Araucariaceae wurde 1994 in einem kleinen Seitental in Australien entdeckt. Alle Pflanzen sind genetisch identisch. Durch vegetative Vermehrung kamen die ersten Exemplare in den Handel und fanden reißenden Absatz zu hohen Preisen. Inzwischen gibt es an den Pflanzen in Badenweiler männliche Blütenkätzchen, aber noch keine weiblichen Pflanzen, die für eine genetische Vielfalt sorgen könnten. Auch wenn es irgendwann Samen gibt, weiß noch niemand, wie man sie zum Keimen bringt. Experimente zur Winterhärte laufen, auf der Insel Mainau ist die Wollemia allerdings nach zwei Jahren ausgefallen“, berichtete Schwanz.

20 Pflanzen nach botanischen Namen gesucht

Auch die Trockenflora der Zukunft war ein Thema des Rundgangs und im Gartenteil von Bad Bellingen zu entdecken. Dort sprießen das Spanischen Gänseblümchen, Katzenpfötchen, Katzenminze, Prachtkerze, Blauraute, Thymian und Lein um die Wette. „Das Beet hat sich wirklich prachtvoll entwickelt in diesem trockenen Sommer“, sagte Herzog begeistert. „Acer palmatum, der Fächerahorn, ist hoch empfindlich auf Verticillium-Welke sowie Phytophtora-Arten (Wurzelfäule)“, erläuterte Schwanz an einem besonders beeindruckenden Exemplar. „Eine Pflanze mit Zukunft ist dagegen mit Sicherheit die Wintergrüne Ölweide (Eleagnus ebbingei), da sie trockene Hitze sehr gut verträgt. Zudem liefern ihre kleinen Blüten im Spätherbst, also von Oktober bis November, reichlich Nektar für Insekten. Über die Haare an den Blättern ist es der Pflanze sogar möglich Wasser aufzunehmen. Lediglich schwere Lehmböden mag die Ölweide nicht“, weiß Schwanz. Die Azubis waren sichtlich beeindruckt von der Wissensvielfalt.
Nach der Theorie folgte die Praxis: Die Azubis bekamen eine Liste mit 20 botanischen Pflanzennamen, die es auf dem Gelände zu entdecken galt.

Als Dokumentation war das richtige Foto auf dem Smartphone ausschlaggebend. Insgesamt hatten die Teams eineinhalb Stunden Zeit. Die Sieger benötigten lediglich 43 Minuten für 20 Richtige, obwohl die Pflanzenliste einige Herausforderungen enthielt. So war beispielsweise der Essigbaum (Rhus typhina) nur durch einen Blick in ein Nachbargrundstück zu fotografieren. „Ich bin begeistert, alle Teams waren wirklich flott dabei, sehr engagiert und weit unter dem Zeitlimit fertig“, freute sich Herzog. Zusammen mit Dominik Bartsch sowie Tobias Skörries von der Firma Böcherer, werteten sie die Teams aus. Den ersten drei Gewinnerteams winkten Buchpreise: Sieger waren Tim Brugger und Marius Mutter von der Firma Böcherer aus Freiamt.

Azubi-Tag schon seit 17 Jahren

Den Azubi-Tag der Region Südlicher Oberrhein gibt es bereits seit 17 Jahren. Er war dank Ulrich Herzog jedes Mal ein Highlight für die GaLaBau-Auszubildenden. Im nächsten Jahr übernimmt Dominik Bartsch von Pfefferer Baumkultur aus Müllheim die Leitung. Der Azubi-Tag ist zu einer Institution geworden. Er soll fortgeführt werden, da sind sich die Ausbildungsbetriebe in der Region einig.
Petra Reidel/cm

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 10/2022 .

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