Die Internationalen Gartenkabinette der IGA 2017

Back home - eine Reise durch neun Gärten aus fünf Kontinenten

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Modern interpretiert: Die goldene Jurte im chinesischen „Dule Yuan“. Foto: k1 Landschaftsarchitekten

Im April begegnen sich bei der Internationalen Gartenausstellung (IGA) in Berlin traditionelle und zeitgenössische Gartenkunst. Landschaftsarchitekten aus fünf Kontinenten zeigen ihr Können in Gartenkabinetten. Internationaler und vielfältiger können Gärten, die die Besucher der IGA und später der Gärten der Welt "bereisen", kaum sein.

Die Reise führt uns zunächst nach Chile, in einen verwunschenen Scheinbuchenwald, macht Station in der brasilianischen Moderne, lässt uns staunen über ein gestrandetes Schiff aus Südafrika, nimmt uns mit ins goldene Zeitalter der Song-Dynastie von der es direkt in ein endlos scheinendes Inselidyll zum (fast) Nachbarn Thailand geht. Dann verlassen wir Asien, meditieren mit Kois im Libanon und setzen über nach Australien, wo wir mitten im brennenden Busch landen. Nach kurzer Rückreise erholen wir uns im blühenden Britannien, um schließlich auf einem Parkplatz mit amerikanischen Straßenkreuzern in L.A. - oder doch Berlin-Marzahn - die Reise zu beenden.

Mit der Eröffnung der IGA Berlin 2017 erhalten die Gärten der Welt in Berlin Marzahn eine Parkanlage im Osten Berlins, die auch als Freilandmuseum für Gartenkunst gelesen werden kann. Durch die "Internationalen Gartenkabinette" werden sie um einen Beitrag zeitgenössischer, internationaler Gartenarchitektur bereichert. Hierfür wurden im Vorfeld der IGA in einem kuratierten Verfahren verschiedene international renommierte Landschaftsarchitekturbüros aus fünf Kontinenten gebeten, ihre Ideen zur Gestaltung eines Gartens einzureichen. Diese Gärten, zusammengefasst als "Internationale Gartenkabinette", sollten als ein zeitgemäßes Abbild der jeweils landestypischen Gartenkultur in Dialog treten mit den in den "Gärten der Welt" bereits bestehenden Anlagen, die mit ihrer tradierten Formensprache eher als traditionelle Archetypen verschiedener Gartenkunstepochen gelten.

Im Vogelflug über die Baustelle: Die Internationalen Gartenkabinette aus der Luft betrachtet. Foto: Lichtschwärmer

Lage der Gartenkabinette (v.l.n.r.): Grafik: k1 Landschaftsarchitekten

In mehreren Workshops und Treffen wurden die eingereichten Ideen diskutiert, modifiziert und überarbeitet. In kreativen Auseinandersetzungen erhielten sie so den letzten Feinschliff, bevor sich die konkreten Planungen zur Umsetzung anschlossen. In dieser Phase übernahm unser Büro. Von der Grün Berlin GmbH erhielten k1 Landschaftsarchitekten den Auftrag, die Realisierung der neun ausgesuchten Entwürfe internationaler Gartenarchitekten zu begleiten. Technisch gesehen bedeutete dies, die planerischen Aufgaben der Leistungsphasen 3-8 umzusetzen. Für uns stellte sich aber schnell heraus, dass dieser Auftrag ein besonderes Fingerspitzengefühl für den Entwurf erforderte. Es mussten Wege gefunden werden, die in Deutschland nicht ohne Weiteres realisierbaren Vorstellungen der internationalen Gartenarchitektinnen und -architekten auf die hiesigen Verhältnisse zu übertragen.

Bei dieser anspruchsvollen Aufgabe war es uns wichtig, so eng wie möglich an den ursprünglichen Ideen und Vorstellungen der Entwerfer zu bleiben. Es gab viel zu übersetzen - im wahrsten Sinne des Wortes. In Videokonferenzen, zahlreichen Telefonaten und im regen Mailaustausch suchten wir im konstruktiven Dialog mit den Entwurfsverfassern nach Lösungen, die ursprünglich einmal entworfenen Gartenbilder auch unter den hiesigen Klimabedingungen möglichst nahe am Original bleibend umzusetzen. Eine weitere Herausforderung bestand darin, mit den vorgeschlagenen Änderungen und notwendigen Anpassungen innerhalb des vorgegebenen finanziellen und zeitlichen Rahmens zu bleiben.

Mit sensiblem Gespür übersetzten unsere Mitarbeiter die Gartenbilder der internationalen Büros: Tropische und subtropische Gewächse wurden eingetauscht gegen phänomenologisch ähnliche Pflanzen aus den gemäßigten Zonen, aber auch ganze Landschaftsbilder ("Australisches Outback") wurden in Gartenbilder transponiert, die ihren Zauber auch ohne spezielle Schutzmaßnahmen in unseren Breiten entfalten können. Auch das nicht lebende Material galt es daraufhin zu prüfen, ob es im mitteleuropäischen Klima bestehen kann. So musste beispielsweise der für den chilenischen Garten ausgesuchte und eben daher stammende Travertin im Rahmen eines Prüfverfahrens durch den TÜV auf seine Frostbeständigkeit hin getestet werden.

Aufgrund des engen zeitlichen Rahmes zwischen Entwurfabschluss und gewünschter Fertigstellung mussten insgesamt zehn verschiedene Gewerke gebündelt und beauftragt werden. In der gesamten Planungs- und Bauphase legten wir allerhöchsten Wert auf eine qualitativ hochwertige Ausführung und mussten immer wieder komplizierte Details oder besondere Materialvorstellungen neu denken und korrigieren. Wo bekommt man in Deutschland verbrannte Baumstämme her, die einem verkohlten Eukalyptusbaum entsprechen? Wie konstruiere ich eine fünf Meter hohe Spiegelwand? Welche Spiegel funktionieren im Freiraum? Ab welcher Größe verzerrt ein Spiegel? Wie können goldene Einfassungen aussehen? Muss ich wirklich Blattgold verwenden? Für viele dieser Fragen konnten wir mit unterschiedlichsten Fachleuten praxisorientierte Lösungen erarbeiten, so dass alle gewünschten Entwurfsdetails fachgerecht umgesetzt werden konnten.

Die Gärten, jeweils in rechteckiger Form und 385 m² Fläche umfassend, sind durch einen zusammenhängenden Weg miteinander verbunden. Entsprechend der Vorgaben des Masterplanes für das Gelände sind sie von hohen Hainbuchenhecken umschlossen, so dass die Gestaltung der Gärten erst mit ihrem Betreten offenbart wird. Die entstandenen Kabinette bieten einen intimen Raum, in dem sich der Zauber eines jeden einzelnen Gartens überraschend und auf sehr charmante Weise zeigt.

Blick entlang der zentralen Wasserachse des thailändischen Gartenkabinetts. Foto: k1 Landschaftsarchitekten

Insellandschaft im Bau: Im "Garden of the Mind" sorgt das Zusammenspiel von Spiegelwand, Wasserspiegel und Goldmosaik für surreale Lichteffekte. Foto: k1 Landschaftsarchitekten

Winterliche Ruhe im britischen Gartenkabinett. Foto: k1 Landschaftsarchitekten

Der Libanongarten im Herbst 2016. Im Hintergrund das Australische Gartenkabinett und die Baustelle des IGA-Haupteingangs. Foto: Lichtschwärmer

Australien: Cultivated by Fire

Der Kontinent Australien ist in den Internationalen Gartenkabinetten mit dem Entwurf "Cultivated by Fire" des in Adelaide ansässigen Büros Taylor Cullity Lethlean (T.C.L.) vertreten. Die Entwerfer ließen sich von der schöpferischen Kraft des Feuers inspirieren, das seit Jahrtausenden von den Ureinwohnern des Kontinents zur Bodenkultivierung genutzt wird. Die hierfür eingesetzte Technik des "Fire Stick Farming", in deren Rahmen kontrolliert Land verbrannt und anschließend bebaut wird, ist im australischen Garten zur gestalterischen Leitidee erhoben und wird in abstrahierter Form umgesetzt: Die Idee zur Flächenaufteilung des Gartens erschließt sich aus dem mosaikhaften Landschaftsbild, das durch das Fire Stick Farming entsteht. Die verschiedenen Phasen des Feuerbrandes sind an den Elementen des Gartens ablesbar, etwa an den fünf Meter hohen verkohlten Stämmen als Zeugen des vorbeigezogenen Feuers, den mit Ethanol betriebenen Feuerstellen oder an den Eucalyptus-Sämlingen, die genau wie die Gräser und australischen Stauden, nach dem Brand aus der fruchtbaren Erde wachsen und zu üppigen Bäumen werden können beziehungsweise für abwechslungsreiche Pflanzenbilder und Blütenreichtum sorgen.

Libanon: Der versunkene Garten

Der in Beirut ansässige Landschaftsarchitekt Vladimir Djurovic bietet mit dem "Versunkenen Garten" eine in klarer Formensprache gestaltete Anlage mit einer intimen, fast schon meditativen Atmosphäre an. Das steingeprägte Gartenkabinett ist zur Verdeutlichung des in sich gekehrten Ortes gegenüber dem umliegenden Niveau um 75 cm abgesenkt. Ein Wasserbecken mit Fischen und Seerosen mit angelagerter Terrasse ist sein raumprägendes Element. Hier ist ein Ort für Ruhe und Besinnung entstanden. Als eines der wenigen Objekte im Garten markiert eine große Steinplatte den Eingangsbereich, zwei Birken, monolithische Travertinbänke und eine Pergola sind weitere Bestandteile der Gartenkomposition. Mit diesem Repertoire sind alle Gestaltungselemente eines traditionell libanesischen Gartens vertreten: Befestigte Flächen, Schatten spendende Pflanzen, Fische, Wasserklänge und betörende Düfte - die im Gartenkabinett von den Seerosen und Clematisblüten verströmt werden.

Großbritannien: The Order of the Human Things

Der für seine kreative Pflanzenverwendung bekannte englische Landschaftsarchitekt Tom Stuart-Smith stellt mit "The Order of the Human Things" ein Beispiel für zeitgenössische britische Gartenkunst vor. Der Garten erzählt die Geschichte von Sukzessionsprozessen, die, beginnend auf Brachland mit krautigen Pflanzen und Gehölzen, schließlich bei der Landvereinnahmung und Besiedlung durch den Menschen enden. Was sich hier wie eine Notiz aus einer eher wissenschaftlichen Betrachtungsweise anhört kann, ist in Tom Stuart-Smiths Garten prosaisch hinterlegt mit der mythologischen Gestalt des Vulcanus, dem römischen Gott des Feuers und der Schmiede: Um die Schmieden mit Brennmaterial zu versorgen, holzte Vulcanus mit seinen Gefährten den Wald ab. Damit war der Grundstein für eine Besiedlung durch den Menschen gelegt.

Entsprechend der Entwurfsidee ist auch die Realisierung des Gartens als prozesshaftes Werk mit dem Start auf einer Brache angelegt: Bereits in einer sehr frühen Phase der Baumaßnahmen reiste Tom Stuart-Smith aus England an und begann sein Werk mit einer flächendeckenden Staudenansaat. Im Jahr danach folgte der nächste Schritt: Es wurden die zukünftigen Wege freigelegt, eine Platzfläche aus polygonal verlegtem englischem Sandstein entstand. Als Gehölze sorgen Essigbäume für Raumbildung. Eine Betonwand symbolisiert die Behausung, eine Betonpritsche das Bett und eine Eisenschale das häusliche Feuer.

Thailand: "Garden of the Mind"

Der Kontinent Asien ist - neben dem chinesischen Beitrag - mit dem "Garden of the Mind" des thailändischen Landschaftsarchitekturbüros P Landscape (PLA) vertreten, das seinen Sitz in Bangkok hat. Der "Garden of the Mind" vereint Tradition mit zeitgenössischem thailändischen Lebensgefühl und lädt dazu ein, über sich selbst, die Zeit und die Schönheit der Natur zu reflektieren. Die Landschaftsarchitekten bieten einen Ort der Kontemplation an, der seine Formensprache direkt aus der einmalig schönen südthailändischen Insellandschaft bezieht. Durch die Gestaltung und die verwendeten Materialien gehorcht diese artifizielle Landschaft ihren ganz eigenen Regeln von Raum und Realität. Der Garten ist durch Hecken, Bäume, Wände und Wasserbecken virtuos gegliedert und zeigt je nach Position des Betrachters Ausschnitte eines Bildes, das sich als Gesamtheit erst beim Betreten des inneren Bereichs erschließt. Dadurch werden die Besucher in unterschiedliche Räume und Wahrnehmungsszenarien versetzt, die sich im Herzen des Gartens als schimmernde, durch eine riesige Spiegelwand endlos wirkende Miniaturinseln innerhalb einer ruhigen Wasserfläche zeigen. Die goldenen Mosaik- sowie Spiegel- und Wasserflächen in Kombination mit dunklen Granitplatten lassen ein faszinierendes Spiel mit Lichtreflexionen und Dimensionen entstehen, die die Betrachter in die neu entstandene, surreale Landschaft einbeziehen.

China "Dule Yuan"

Mit "Dule Yuan" (etwa: Garten des abgeschiedenen Vergnügens) des chinesischen Landschaftsarchitekten Zhu Yufan erhalten die Gärten der Welt einen weiteren Beitrag aus China (S. 33). Zhu Yufan ist Professor für Landschaftsarchitektur an der Tsinghua-Universität in Peking und Inhaber des Ateliers Y³C.

Der Garten "Dule Yuan" entstammt ursprünglich der Song-Dynastie und ist die Schöpfung des Historikers und Gelehrten Sima Guang, der im 11. Jahrhundert gelebt hat. Als Archetyp wird der "Dule Yuan" bis heute in der chinesischen Malerei und Kalligraphie thematisiert. Das Besondere an diesem Gartentyp ist, dass er mit seiner strengen Geometrie nicht unbedingt unserer Vorstellung chinesischer Gärten entspricht, die als "natürlich geformt" wahrgenommen werden und so auch im benachbarten "Chinesischen Garten" in den Gärten der Welt bestaunt werden können.

Zhu Yufan interpretiert den "Dule Yuan" für die Anlage in Berlin Marzahn neu. Seine Vorlage hierfür war ein Gemälde aus dem 16.Jahrhundert. Im Gartenkabinett wird die geometrische Achsenstruktur durch einen Wasserkanal gebildet, der von dichtem Bambus gesäumt ist. Der Kanal beginnt bei einer Jurte - eigentlich eine Bambushütte - die im Gartenkabinett modern interpretiert in golden beschichteter Stahlbauweise umgesetzt ist. Ihr Boden ist mit weißen Marmorplatten ausgelegt, die einem aufwendigen radialen Verlegemuster folgen. Am anderen Ende des Wasserkanals gegenüber der Jurte befindet sich eine Spiegelwand, auf deren Rückseite das Gemälde des "Dule Yuan" in Form eines Schaukastens integriert ist. Über die Spiegelwand will Zhu Yufan sicherstellen, dass Menschen und Jurte den im Gemäldevorbild vorgegebenen Abstand zu den natürlichen Elementen haben. Ganz im Sinne des archetypischen "Dule Yuan" fungiert die Spiegelfläche als Schnittpunkt zwischen Existierendem und Gedachtem. Zhu Yufan weckt damit die Neugier, den philosophischen Gehalt chinesischer Gärten zu ergründen. Er versucht mit seinem Gartenentwurf das - wie er sagt "fließende, reziproke und unendliche Raumbewusstsein" erfahrbar zu machen, was seiner Auffassung nach die spirituelle Essenz chinesischer Gärten ausmacht.

Südafrika: "African Bouquet"

Anton Comrie und Stuart Glen sind die Verfasser des südafrikanischen Beitrages "African Bouquet". Ihr Büro GREENinc hat seinen Sitz in Johannesburg. "African Bouquet" thematisiert den Begriff der Freiheit und die Möglichkeiten der Landschaft, Grenzen zu überwinden sowie "Geben" und "Teilen". GREENinc bringen mit ihrem Gartenkabinett einen üppigen Blumenstrauß nach Berlin - eben das "afrikanische Bouquet".

Muster mit magischer Anziehungskraft: Flechtkörbe aus Telefondraht für die Sommerblumen des südafrikanischen Gartenkabinetts. Foto: k1 Landschaftsarchitekten

Kunsthandwerk vor Ort: Von Frauen aus der KwaZulu-Natal Provinz werden die im Gartenkabinett verwendeten Pflanzkörbe geflochten ("Wireworks"). Foto: zenzulu

Vor dem Einzug der Sommerpflanzen: Winter im südafrikanischen Gartenkabinett. Foto: k1 Landschaftsarchitekten

Die Hecke, die als Grenze das Gartenkabinett umgibt, symbolisiert den Begriff "Freiheit" - was zunächst wie ein Paradoxon klingt. Anton Comrie und Stuart Glen argumentieren, dass Besitzergreifung Freiheit entstehen lasse - Besitz bedeutet, überleben zu können und glücklich und frei zu sein - diese Besitzergreifung aus der Sicht der nicht Besitzenden aber gleichzeitig ihr Gegenteil produziere: Unfreiheit, Kolonialismus, Apartheid und Sklaverei. Die Wirkung der Hecke beziehungsweise des Zaunes als sichtbares Zeichen der Grenzziehung (und Ausgrenzung) wird im Gartenkabinett durch eine überlegte Höhenabwicklung aufgehoben. Der Garten kann dadurch auch von außen wahrgenommen werden und macht möglicherweise neugierig auf die Erkundung seines Inneren. Hier stößt man auf ein gestrandetes Schiff, das die Gartenarchitekten als Symbol für den Transport von Waren und Gütern sehen. Sein rostiges Metallgestänge ragt, einem Skelett gleich, aus einer artifiziellen Strandlandschaft, die bewusst und als Bild für den kulturellen Austausch mit hiesigen Pflanzen gestaltet wird. Am Schiffsrumpf sind Metalltöpfe mit geflochtenen Körben (ein Mitbringsel aus Südafrika) aufgehängt, die einen weiteren Importartikel aus Südafrika tragen: Ein fulminantes Feuerwerk in Afrika beheimateter Pflanzen, die wir als "Beet- und Balkonpflanzen" aus Baumarkt oder Gartencenter kennen und mit denen wir alljährlich unsere Balkone und Terrassen ausstatten.

Brasilien: Die Schönheit der Naturelemente

Der brasilianische Garten thematisiert die Naturelemente Wasser, Luft und Erde. Nach der Auffassung des in São Paulo ansässigen Landschaftsarchitekten Alex Hanazaki wird diesen Elementen trotz ihrer Bedeutung für den Menschen oftmals zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ein szenisch angelegter und interaktiver Raum mit einer kraftvollen Linienführung soll im brasilianischen Gartenkabinett die Sinne stimulieren und die Schönheit der Naturelemente erfahrbar machen. Zur Raumgliederung des Gartens setzt Alex Hanazaki Abgrenzungen und Einfassungen aus Cortenstahl sowie skulpturale Steinwände ein. Ein Baumtor aus Zierkirschen lenkt die Besucher über eine Brücke zu den Orten im Garten, von denen aus sich besonders interessante Blickwinkel ergeben. Das mit Basalt verkleidete Wasserbecken ist als Wassertisch konzipiert und wird durch die mit brasilianischem Schiefer verkleideten Steinwände gefasst. Das Wasserbecken bildet das Herzstück des Gartens und wird durch geometrisch in der Höhe gestaffelte Rasenquadrate mit Einfassungen aus Cortenstahl ergänzt. Mauern und Wasserflächen sorgen für stimmungsvolle Lichteindrücke, Wasserspeier bereichern das Geschehen mit plätschernden Geräuschen und runden damit die Atmosphäre ab.

Noch im Bau: Das brasilianische Gartenkabinett des Landschaftsarchitekten Alex Hanazaki. Im Hintergrund: Der stilisierte Schiffsrumpf des südafrikanischen Gartens. Foto: Lichtschwärmer

"Beeing under the trees": Im lichten Scheinbuchenwald ist das von der chilenischen Landschaftsarchitektin Teresa Moller initiierte Spiel der Naturkräfte noch am Anfang. Foto: k1 Landschaftsarchitekten

Chile: Beeing under the trees

Die chilenische Landschaftsarchitektin Teresa Moller hat mit ihrem Beitrag "Beeing under the trees" einen Wald aus Scheinbuchen anpflanzen lassen und so ein Stück ihrer Heimat nach Berlin exportiert. Ihr Entwurf vereint Elemente der Natur- und der Kulturlandschaft Chiles zu einem poetischen Gartenbild. Wie in einem echten Wald gibt es bei Teresa Moller keine vorbestimmten Wege. Wer möchte, kann sich den Garten über die linear angeordneten Platten aus nordchilenischem Travertin erschließen oder auf den wie zufällig platzierten Natursteinblöcken verweilend die Atmosphäre des Gartens auf sich wirken lassen. Die Anordnung der Steinplatten gibt eine Ahnung darüber, wie die bäuerliche Landerschließung in Chile sich mittels ihrer linearen Strukturen in der Kulturlandschaft abzeichnet. Ganze Landschaftsbilder werden hier vom Zusammenspiel geometrischer Anlagen und natürlichen Bewegungen und Prozessen geprägt. Auch der chilenische Garten soll im Laufe der Zeit diesem dynamischen Spiel ausgesetzt bleiben. Zukünftig dürfen und sollen die Scheinbuchen und Bodendeckerpflanzen wachsen und wuchern, auch über Grenzen der Travertinplatten und der frei platzierten Steinblöcke hinweg.

Eine künstlerische Ergänzung aus Deutschland erfahren die Internationalen Gartenkabinette mit dem "Los Angeles Garden" von Martin Kaltwasser. Der Berliner Künstler versteht seinen Beitrag als Auseinandersetzung mit Stadtplanung, festgemacht an der ältesten Partnerstadt Berlins - der Stadt Los Angeles. Ergänzt um eigene biografische Momente präsentiert sich sein Kunstwerk als kritischer Beitrag zum Thema Naturverdrängung durch die Automobil-Kultur.

Insgesamt zeigen die Internationalen Gartenkabinette sehr anschaulich, dass Gartenkunst durchaus einen Beitrag zum kulturellen Austausch liefern kann. So ist in jedem Garten deutlich die Handschrift der Verfasser erkennbar, die mit den landschaftlichen und kulturellen Idealen ihrer Herkunftsländer verwurzelt sind. Jeder Garten spiegelt die individuelle Eigenart eines Landes wider, die aber auch immer den Aspekt einer globalen Horizonterweiterung mit sich trägt. Jeder Garten erzählt seine eigene, typische Geschichte, bildet dabei aber gleichzeitig Internationalität ab, die unwiderruflich als neues Momentum in die Gartenkunst eingezogen ist. Dies wird nicht zuletzt in den Biographien der Landschaftsarchitektinnen und -architekten deutlich, die in den seltensten Fällen in direkter Linie aus den Ländern stammen, für die sie einen Beitrag zu den Internationalen Gartenkabinetten erarbeitet haben.

Auch für unser Büro war die Aufgabe wie eine Reise durch die (Garten-) Welten, die mit der Fertigstellung der Gartenkabinette noch nicht zu Ende ist. Über den Bearbeitungszeitraum hinaus haben sich Freundschaften und gemeinsame Interessen mit den unterschiedlichen Autoren ergeben, so dass wir auch in Zukunft mit unserem Know-how die "deutsche Ingenieursbaukunst" im Bereich der Landschaftsarchitektur in die Welt tragen dürfen.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 04/2017 .

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