Bilanz der diesjährigen Landesgartenschauen

Bad Iburg jubelt, der Rest tadelt den Hitzesommer

Nach Würzburg kamen anstatt der 950 000 prognostizierten Gäste nur 700 000. Laut den Verantwortlichen hatten auch falsche Erwartungshaltungen der Besucher damit zu tun. Foto: Milena Schlosser, LGS Würzburg 2018

Die diesjährigen Landesgartenschauen (LGS) in Bad Schwalbach, Bad Iburg, Burg, Lahr und Würzburg haben ihre Pforten geschlossen - und trotz eines Bilderbuch-Sommers mehrheitlich schwache Besucherzahlen eingefahren. Lediglich in Niedersachsen haben die Veranstalter allen Grund, ausgelassen zu feiern: Bad Iburg hatte bereits zur Halbzeit einen hohen Andrang vermelden können, und hat die starken Zahlen nun souverän über die Ziellinie gebracht. 580 000 Besuche standen am Ende zu Buche, womit das erwartete Besucheraufkommen von einer halben Million übertroffen wurde. Ein finanzielles Minus bleibt Bad Iburg somit erspart.

Bad Iburg lockte auch Besucher aus NRW

Dass der Erfolg von Bad Iburg auch nach der Halbzeit nicht gefährdet war, lässt sich unter anderem daran ablesen, dass der September als besucherstärkster Monat in dem Kneipp-Kurort herausragt. Zudem war es gelungen, zahllose Reisegruppen aus dem benachbarten Nordrhein-Westfalen für Wochenendbesuche zu mobilisieren. Den 64 Prozent Gruppenreisenden aus dem heimischen Niedersachsen stehen zum Schluss immerhin 36 Prozent aus NRW gegenüber. Insgesamt beläuft sich die Anzahl der Besucher, die als Teil einer Reisegruppe kamen, auf rund 36 000.

Seinen Standortvorteil, die idyllische Lage am Rande des Teutoburger Waldes, spielte Bad Iburg clever aus, etwa indem es beispielsweise zum "Waldbaden" einlud. Diesen Trend aus Japan, der auf stilles Verweilen und sinnliches Erleben des Waldes abzielt, verankerten die Macher erfolgreich im Gartenschau-Konzept: Liegen und (nicht gefüllte) Badewannen wurden von den Besuchern dankbar fürs "Waldbaden" genutzt. Einziger Wermutstropfen: Zum Abschluss der Veranstaltung lag noch kein Nachnutzungskonzept vor.

In Lahr lag man voll im Soll: Die anvisierten 800000 Besucher haben die LGS in dem Schwarzwaldstädtchen auch tatsächlich besucht. Foto: LGS Lahr 2018

Der Wettergott als Sündenbock

Auch im Schwarzwaldstädtchen Lahr hat man eigentlich keinen Grund, Trübsal zu blasen: Die anvisierte 800000-Besuchermarke wurde erreicht. Anders als in Bad Iburg ging der baden-württembergischen Gartenschau zum Ende hin aber die Luft aus. Bereits zur Halbzeit waren 550000 Besucher gekommen; hätte man dieses Niveau gehalten, wären rund eine Million Gäste drin gewesen. Als Sündenbock musste mal wieder der Wettergott herhalten; zumindest im Fazit von Lahrs Oberbürgermeister Wolfgang Müller. Er sagte nach Torschluss, dass es an über 30 der 186 Gartenschautage wärmer als 30 Grad gewesen sei, was viele Menschen von einem Besuch abgehalten habe.

Ähnlich argumentierte Erhard Skupch, Geschäftsführer der LGS Burg. Das Sachsen-Anhaltinische Event war mit einer Besucherbilanz von 300 000 zu Ende gegangen und somit 200 000 unter den Erwartungen geblieben. Für Skupch lag es an dem extremen Sommer, der rund 100 Tage Hitze und Trockenheit gebracht habe. Ins gleiche Horn stießen die Verantwortlichen auch im hessischen Bad Schwalbach. Der dortige LGS-Geschäftsführer Michael Falk sagte angesichts der schwachen Besucherausbeute von 300 000 (erwartet worden waren 500 000): "Temperaturen über 30 Grad sind wie Regenwetter." Zudem habe man mit einem Standortnachteil zu kämpfen gehabt, da die 11 000-Einwohnerstadt 20 Jahre nach dem Ende des Kurbetriebs "etwas aus dem Fokus geraten" sei und viele "gar nicht genau wüssten, wo die Stadt liege".

Feierstimmung herrschte nach Torschluss bei den Verantwortlichen der LGS Bad Iburg: Foto: Imma Schmidt, LaGa Bad Iburg 2018

"Gärtnerisch ungünstiges Gelände" in Würzburg

In Würzburg, wo statt der anvisierten 950 000 nur 700 000 zahlende Gäste zu Buche stehen, sehen die Veranstalter die Hitze ebenfalls als Hauptgrund für die Besucherflaute an. Erschwerend sei in der fränkischen Großstadt hinzugekommen, dass dort bis in den April hinein Schnee gelegen habe. Eine weitere Herausforderung habe darin bestanden, dass bayerische Landesgartenschauen immer den Auftrag hätten, ein neues Gelände zu erschließen. Würzburg habe das insofern zu spüren bekommen, als es eine Grünanlage aus einem gärtnerisch ungünstigen Gelände schaffen musste. Da kein Baum auf dem Areal älter als ein Jahr sei, konnte da "kein Schatten gezaubert werden". Geschäftsführerin Claudia Knoll ergänzte, dass man sich sehr große Mühe mit dem Konzept gegeben habe - Stichwort "Tiny Houses" - und die Kritik der Besucher daher besonders schmerzlich sei. In Demut versank Knoll deshalb allerdings nicht. Im Gegenteil, neben dem Wetter schrieb sie auch falschen Erwartungen in der Bevölkerung eine Teilschuld am mäßigen Abschneiden ihrer Gartenschau zu: "Der Besucher muss lernen, dass die Landesgartenschauen keine Blümchenschauen mehr sind."

Hendrik Behnisch

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 11/2018 .

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