Klartext

Bäume und Qualitätskontrolle

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Zu den "Top 10 Skills", also zu den wichtigsten Fähigkeiten, die in unserer Arbeitswelt als vierte industrielle Revolution in der Zukunft zählen, gehört nicht mehr die Qualitätskontrolle, war vom Weltwirtschaftsgipfel aus Davos zu hören. Ist diese Einstellung auch für die Anlage und Unterhaltung von Stadtgrün vertretbar, also weiterhin die Potenziale zum Wohle eines vitalen Baumwachstums im urbanen Grün nicht auszuschöpfen? Fordert nicht gerade das Weißbuch "Stadtgrün" explizit von allen Akteuren in Verantwortung für Umwelt und Ökonomie eben genau dieses aktuell ein? Ist nicht eine Optimierung in der Pflanzenverwendung unter urbanen Einflüssen nur dann zu erzielen, wenn die fachliche Qualität von Grünkonzepten, Gehölzanzucht, Lieferprozessen, Vegetationstechnik und Pflege bestens aufeinander abgestimmt sind und als Wertschöpfungskette gedacht werden? Es spricht doch vieles dafür, dass die konsequente Qualitätskontrolle aller Prozesselemente endlich für funktionale Baumpflanzungen ohne unkalkulierte Folgekosten marktfähig gemacht werden muss. Bisherige Bemühungen wie das CMA-Gütesiegel bei Bäumen, der FLL-Gehölzabnahmeberater oder die ISO-Zertifizierungen im GaLaBau wurden vom Markt nicht akzeptiert, was die Fachwelt bedauert.

Doch was passiert jetzt? Die Resonanz auf die Steigerung der Städtebauförderung unterstellt, dass zwar eine verbesserte Auftragslage erwartet wird, aber nur wenig in der qualitativen Umsetzung der Vorhaben investiert werden muss. Allein das Gutachterwesen profitiert hiervon! Da wird die Politik animiert, einen Entschädigungsfonds beim Verschleppen und Auftreten aggressiver Quarantäneschaderreger mit möglichst viel Geld zu füllen, anstatt die Ursachen anzugehen. Die grünen Verbandspartnerschaften werden werbewirksam neu ausgerichtet, die scheinbar allein der Lobbyarbeit dienen sollen. Es liest sich zwar gut, wenn kämpferisch die Umsetzung des Weißbuches "Stadtgrün" vorangetrieben wird, ähnlicher Ehrgeiz wäre aber mit Außenwirkung in der internen Auseinandersetzung der Prozesse wünschenswert. Wo bleibt das nach außen vermittelbare zeitgemäße Qualitätsziel 4.0?

Dabei gibt es in Europa gute Ansätze: Baumschulbetriebe in Italien sichern mit QS-Systemen vor Pflanzenauslieferung die Baumgesundheit ab, Landschaftsarchitekten in Frankreich begleiten langjährig Neuanlagen in der Etablierungsphase, um Fehlentwicklungen der Grünkonzepte rechtzeitig zu beheben, und in den Niederlanden dienen Output-orientierte Bildkataloge dem Erreichen hochwertiger Pflegeziele. Diese Ansätze sollen helfen, von Beginn an in der funktionalen Pflanzenverwendung die Messlatte hochzulegen, wohlwissend, dass es "Feuerwehrmethoden" zur Korrektur von Fehlentwicklungen immer weniger geben wird. Dann besteht doch zunehmend die Gefahr, dass in der Stadtplanung auf Bäume verzichtet wird, da zu schlecht im Wuchsergebnis und zu teuer in der Unterhaltung. Warum nicht endlich in der Stadtbegrünung Qualitätssicherungssysteme einführen, wie sie in der Land- und Forstwirtschaft längst praxisüblich sind? Sind das nicht die berechtigten Erwartungen im sogenannten Weißbuchprozess?

Ihr Prof. Dr. Hartmut Balder

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe ProBaum 01/2018 .

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