Ausgegraben

"Bäume zwingen Radfahrer zum Schlenker auf den Fußweg" ...

von

... , hieß es heute in meiner Tageszeitung, der "Berliner Morgenpost". Da wäre mir fast die Teetasse aus der Hand gefallen. Wie konnten sich die Bäume nur so frech benehmen? Bisher dachte ich, Linden, Platanen & Co. wären fest im Boden verwurzelt und könnten sich gar nicht bewegen. Einige Zeilen weiter lese ich, dass fünf Bäume mitten auf einem Radweg an der Residenzstraße in Berlin-Mitte stehen. „Der Radweg führt über die Baumscheiben, durch Sand und über Wurzeln“. Ein dazu abgedrucktes Foto zeigt, dass die Stadtverwaltung weiße Fahrstreifenbegrenzungen bis an die umpflasterten Baumscheiben gezogen, dann unterbrochen und hinter den Baumscheiben weitergeführt hat. Also zwangen nicht die Bäume Radfahrer zu Schlenkern, sondern die Behörden. Und weil das so ist, gehört es sich nicht, eine 14-jährige Radfahrerin namens Katja die Lage an der Berliner Residenzstraße so zusammenfassen zu lassen: „Grünflächen sind zwar auch wichtig, aber die Sicherheit geht vor.“ Das dreht den Zeitungsbericht endgültig von unsinnig zu übermäßig. Gäbe es so etwas wie einen Paragraphen gegen Baumhetze, dann würde ich die „Morgenpost“ jetzt gerne anzeigen – und die 14-jährige Katja gleich mit. So aber greife ich lieber zu einer zweiten Tasse Tee.

Christian Münter

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 06/2019 .

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