BäumePlus-Gesetz verabschiedet
Berlin pflanzt bis 2040 rund 560.000 neue Stadtbäume
Um dieses Ziel zu erreichen, müssen circa 560.000 neue Stadtbäume gepflanzt werden. Das Gesetz beinhaltet auch die Pflicht zu einer wirksamen Pflege und zum Schutz aller bestehenden Baumbestände. Die geschätzten Kosten für das Leuchtturmprojekt belaufen sich auf stolze 3,2 bis 4 Milliarden Euro.
Lebensqualität durch Entsiegelung und Begrünung
Das Gesetz basiert auf einem Entwurf der Bürgerinitiative BaumEntscheid Berlin, initiiert von den Umweltaktivisten Génica Schäfgen und Heinrich Strößenreuther. Bereits seit Monaten engagiert sich die Bürgerinitiative für ein Baumgesetz und brachte es bis auf die Agenda des Abgeordnetenhauses. Durch die Klimaanpassung soll Berlin reslilient gegenüber Hitze und Starkregen werden, um die Lebensqualität in der Großstadt zukünftig zu sichern. Auch wenn das Gesetz mit breiter Zustimmung aller Parteien, bis auf die AfD, durchgewunken wurde, gibt es auch kritische Stimmen hinsichtlich der Finanzierung und den gleichzeitig geplanten Kürzungen im Umweltetat. Zudem steht der Verwaltung eine Mammutaufgabe an Genehmigungsverfahren bevor.
Das BäumePlus-Gesetz legt neue, bindende Verpflichtungen fest. Bereits genehmigte Vorhaben bleiben davon allerdings unberührt und können nicht rückgängig gemacht werden. Ab Mai 2026 muss die Berliner Baumschutzverordnung angepasst werden, dann gilt die 1-zu-3-Regel: Für jeden gefällten Baum müssen drei neue gepflanzt werden. Gleichzeitig tritt ein Berücksichtigungsgebot in Kraft, das Bauprojekte auf ihre Verträglichkeit mit dem Klimaanpassungsziel prüft. Ab 2027 dürfen Bürgerinnen und Bürger Baumscheiben bepflanzen oder neue Bäume über Fachbetriebe anpflanzen lassen. Zudem sollen in stark versiegelten Stadtgebieten rund 170 "Hitzeviertel" ausgewiesen werden, in denen durch Entsiegelung und mehr Begrünung "Kühlinseln" entstehen. Größere Grünflächen müssen fußläufig erreichbar sein. Das über 15 Jahre angelegte Programm soll zum Teil aus dem Sondervermögen des Bundes finanziert werden.
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Pflanzung von Setzlingen und Wurzelsprossen
Um die Kosten zu reduzieren, setzt man unter anderem auf neue Pflanzmethoden. Statt ausgewachsener Bäume werden künftig Setzlinge und Wurzelsprossen verwendet, die durch standardisierte Pflegeverfahren binnen zehn Jahren dieselbe Wirkung erzielen sollen. Für die Jahre 2026 und 2027 sind im Landeshaushalt zunächst 14 und 40 Millionen Euro eingeplant. Die Initiative BaumEntscheid Berlin spricht von einem Gesetz mit "bundesweitem Vorbildcharakter". Während viele Städte über Klimaanpassung diskutierten, setze Berlin nun verbindliche Regeln mit klarer Finanzierung und wissenschaftlicher Begleitung. Ein Beirat, angesiedelt bei der Senatsverwaltung für Umwelt, soll die Umsetzung überwachen und regelmäßig Gutachten vorlegen.
"Die Entscheidung des Berliner Abgeordnetenhauses ist ein klares Bekenntnis zu mehr Grün in unseren Städten – und damit zu mehr Lebensqualität", sagte Markus Guhl, Hauptgeschäftsführer des Bund deutscher Baumschulen (BdB) nach der Gesetzesverabschiedung. Mit dem Gesetz werde deutlich, welche gesamtgesellschaftliche Bedeutung Bäume und Gehölze haben, wie hoch sie in der Bevölkerung angesehen sind und dass die grüne Branche ein unverzichtbarer Teil der biobasierten Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel ist. "Jetzt gilt es, die neuen gesetzlichen Möglichkeiten zu nutzen und bundesweit Vorbildcharakter zu entwickeln. Städte und Kommunen müssen endlich in die Lage versetzt werden, Stadtgrün nicht nur zu erhalten, sondern aktiv zu vermehren", so Guhl weiter. Der BdB ist Bündnispartner der Initiative BaumEntscheid.
Sollte die Hauptstadt es tatsächlich schaffen, dieses ambitionierte Vorha ben umzusetzen, wäre das ein Glücksfall. Denn die Einsicht, dass wir viel Grün in unseren Städten brauchen, ist überfällig und die Tragweite für Schaffung von Grüninseln an unzählige Hürden gekoppelt, von der stetig wachsenden Nutzungs- und Flächenkonkurrenz einmal ganz zu schweigen. Die Maßnahmen zur Pflege werden immens sein, für die neuen Jungbäume und natürlich auch für unsere Altbäume. Es braucht viele Hände, die mit anpacken, sei es in der Verwaltung, an den Hochschulen oder in den Fachbetrieben der grünen Branche. Doch die Verpflichtung der Stadt zu mehr Klimaschutz stimmt hoffnungsvoll und zeigt, dass das Bewusstsein für den unschätzbaren Wert von Bäumen wächst.
Ines Lauzat










