SOKO Pflanzbeet:

Bakterien, Viren und andere Verbrecher (Teil1)

von

Grafiken: Uwe Bienert

92. Folge - Unsere Serie für den Nachwuchs erläutert das wichtigste GaLaBau-Grundlagenwissen vom Abstecken bis zum Zaunbau: Diesmal geht es um das Thema Pflanzenschutz.

Jeder hat in seinem Berufsleben als Gärtner schon einmal eine solche Situation erlebt: Geburtstag, man kommt ins Gespräch, erzählt was man beruflich macht und schon kommt sie, die Standard-anmache: "Sie sind Gärtner, das ist ja prima, da hab ich mal 'ne Frage: Mein Apfelbaum der lässt die Blätter hängen und hat so rote Pickel am Ast. Was kann ich denn da machen?" Oh ja, ich liebe es.

Das ganze Thema "Pflanzenschutz, Pflanzenkrankheiten, Pflanzenschutzmittel" ist nicht mal eben so in zwei Sätzen abgehandelt und sicher auch nicht mit einer Ferndiagnose abgetan. Hinzu kommt noch, dass wir es in unserem Bereich, dem GaLaBau, unter Umständen viel schwerer haben, uns dem Pflanzenschutz zu widmen als unsere Kollegen die Gemüse- und Zierpflanzengärtner, da wir unsere Arbeit im öffentlichen und privaten Bereich meist im Freiland unter unterschiedlichen Bedingungen verrichten müssen und dort recht schwer zu kalkulierende Bedingungen herrschen können.

Im Nachfolgenden soll allgemein auf die Schadursachen und im Speziellen auf für den GaLaBau relevante Schaderreger eingegangen werden. Pflanzen sind Lebewesen in einem komplexen ökologischem System und sie haben einen entscheidenden Nachteil gegenüber vielen anderen Lebewesen: Sie können sich nicht fort bewegen.

Durch diesen kleinen, aber entscheidenden, "Planungsengpass" der Natur sind sie in vieler Hinsicht ihrer Umwelt ausgeliefert. Die Anforderungen an den Gärtner (hier besonders an den GaLaBauer) in Hinsicht auf den Pflanzenschutz sind ziemlich hoch und in ihrer Ausführung nicht immer einfach. Für den GaLaBau muss gelten: Der beste Pflanzenschutz ist die gute Pflege (Schnitt, Pflanzung usw.), die Wahl eines optimalen Standortes und die richtige Wahl der Pflanze (möglichst im regionalen Zuchtbetrieb angezogen).

Die Wahl des richtigen Standortes

Für den GaLaBauer muss es klar sein: den Standort, seine klimatischen Verhältnisse, seine Lichtverhältnisse, die Windverhältnisse und die Temperaturen kann man nicht verändern. Deshalb ist es wichtig Pflanzen nach dem Standort auszuwählen. Dazu ist es unabdingbar diesen für die jeweilige Pflanze auch zu kennen. In der Ausbildung wird, nach meiner Meinung, sich in erster Linie auf die Pflanzenerkennung und das "Pauken" des botanischen Namens Wert konzentriert und die für die jeweilige Pflanze wichtigen Daten über Standortbedingungen (Licht, Boden, Wind, Herkunft) werden vernachlässigt. Aber gerade die sind wichtig. Natürlich ist es wichtig die Pflanze zu erkennen, sonst brauche ich über den Standort nicht nachzudenken - eine praxisnahe Verknüpfung aller Informationen wäre wichtig.

In der Praxis zeigt sich, dass viele auf den ersten Blick als Krankheitssymptome erkannte Indizien, eigentlich ihre Ursache in der falschen Standortwahl oder falscher Pflege haben. Unser Anliegen ist Pflanzenschutz nicht Schädlingsbekämpfung - das ist eine andere Berufsgruppe.

Die Palme am Polarkreis: "Na, das macht doch keiner", höre ich da. Wie oft sieht man in Gärten Araukarien (Araucaria araucana) stehen, die vor sich hin "mickern" und einen grauseligen Anblick bieten. Ja, in brandenburgischem Sand wächst das Ding halt nicht, weil es aus den Anden kommt und mit Sandboden nicht so viel anfangen kann - heißt ja nicht umsonst "Andentanne". Oder wie häufig wird der Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa) in Gärten gepflanzt ohne dabei auf die Klimaverhältnisse, besonders die Jahrestemperatur, zu achten. Immer wieder geht der junge Baum ein und immer wieder wird ein neuer Baum gepflanzt. Irgendwann wird es schon passen.

Eben nicht - also in Zukunft in Baumschul- und Pflanzenkatalogen nicht nur Bilder ansehen, sondern auf die Rubriken "Verbreitung, Standort, Boden und Eigenschaften" achten!

Immer schön das Grüne nach oben

Die zweite Richtung in der sich der GaLaBauer kontrollieren muss, um Pflanzenschäden zu vermeiden, ist der eigentliche Pflanzprozess. Oft werden Fehler bei der Pflanzung gemacht, die verhindern, dass die Pflanze optimal wachsen kann. Das fängt schon beim Transport von der Verkaufseinrichtung (und hier rede ich von Fachbetrieben, also Baumschulen, und nicht vom Baumarkt) an. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Pflanzen nicht austrocknen und die Zwischenlagerzeiten bis zur eigentlichen Pflanzung nicht zu lang sind. Wenn doch, sollte ein sachkundiger Einschlag erfolgen.

Weitere Angriffspunkte für Pflanzenschäden sind die unsachgemäße Behandlung beim Pflanzen (zum Beispiel das Kappen der überstehenden Wurzeln mit dem stumpfen Spaten), die falsche Pflanztiefe, die fehlende Wasser- und Nährstoffversorgung nach dem Pflanzen und solch laienhafte Fehler, wie das nicht gelöste Ballentuch.

Gute Pflege, Herr Nachbar

Und noch etwas: Viele Pflanzenschäden und -krankheiten wären bei richtiger Pflege zu vermeiden. Gerade im Bereich der Viruskrankheiten hat der Landschaftsgärtner die Möglichkeit durch eine durchdachte Pflege und den Einsatz geeigneter Werkzeuge Schäden zu vermeiden. Denken wir dabei nur mal an die Folgeschäden durch unsachgemäßen Pflanzenschnitt, ausgebrochene Äste, Pflegeschäden durch Freischneider und so weiter.

Übeltäter von Schadursachen

Neben dem Gärtner (kleiner Scherz) gibt es natürlich viele weitere Schadursachen. Einige davon sollen hier zusammengefasst genannt werden:

Ein Virus ist nie allein

Man kann sie mit bloßem Auge nicht sehen und braucht schon ein Elektronenmikroskop um sie betrachten zu können. Wir erkennen sie nur an ihrem Schadbild. Viren können sich nur in lebenden Zellen vermehren, und zwar ausschließlich! Sie besitzen keinen eigenen Stoffwechsel sondern nutzen die Syntheseleistung ihrer Wirtspflanzen aus. Sie sind nicht (!) in der Lage in eine unverletzte Pflanze selbst aktiv einzudringen und deshalb auf Verletzungen (Pflege- und Schnittverletzungen, Stiche durch Insekten, Kontakt der Pflanzen untereinander oder Ähnliches) angewiesen.

In der Natur gibt es viele Möglichkeiten Viren zu übertragen. Die im Gartenbau wohl wichtigsten Überträger sind, neben dem Gärtner, die Blattlaus, Schnecken, Milben und andere stechende und saugende Schädlinge.

Bakterien - Es gibt auch die Bösen

Bakterien sind in der Regel Einzeller, die organische Substanzen besiedeln. Die Anzahl pflanzenschädlicher Bakterien hält sich in Grenzen und ist, gemessen an den ihr gegenüber stehenden Pilzkrankheiten, sehr gering. Alle Bakterien durchleben zwei Entwicklungsabschnitte; einen parasitären Abschnitt, in dem sie ihre pflanzenschädlichen Aktivitäten entfalten, und einen saprophytischen Abschnitt, während dem sie sich nur von abgestorbener Substanz ernähren. Ihre Vermehrung erfolgt durch Zellteilung und sie sind in der Lage bei günstigen Umweltbedingungen ihre Population explosionsartig zu vermehren. Zu den für uns gefährlichsten Bakterienarten gehören: der Feuerbrand, der Bakterienbrand und der Wurzelkropf.

Pilze, ohne sie geht nichts, aber es gibt Ausnahmen!

Ohne Pilze geht in der Natur eigentlich nichts. Sie sind wichtig und in vielen Untersuchungen wurde erforscht, dass beispielsweise Gehölze, im Speziellen, Bäume ohne Pilze nicht überleben könnten, ja sie sogar über das Pilzsystem miteinander kommunizieren (!). Hier geht es aber nicht um die "Guten" sondern um die "Bösen". Pilze bilden mit Hilfe vieler Pilzfäden, den Hyphen, das Myzel. Sie sind in der Lage sich sowohl geschlechtlich als auch ungeschlechtlich über Sporen zu vermehren. Diese Sporen, als Träger des Erbmaterials, dienen zur Verbreitung und zur Überdauerung. Sie sind sehr langlebig. Sie werden durch Wasser, Wind und Lebewesen auf andre Wirtspflanzen übertragen. Die sind in der Lage selbst in die Oberflächen der Wirtspflanzen einzudringen nutzen aber lieber Schadstellen an der Pflanze. Bei Pilzen ist es wichtig den Erreger genau zu bestimmen da der Übergang von echten pflanzenschädigenden Parasiten und Pilzen, die abgestorbenes Gewebe besiedeln oft fließend sind. Bei Schäden durch Pilze ist oft eine Vorschädigung nachzuweisen. Wird diese beseitigt, ist der Sache in den meisten Fällen erledigt. Trotzdem werden auf dem Markt Fungizide angeboten, welche die Angelegenheit beschleunigen.

Zu den weitverbreitetsten Pilzkrankheiten gehören: der Mehltau, Rotpusteln, Phytophthora-Pilze, Rostpilze und holzzerstörende Pilze.

Grafiken: Uwe Bienert

Grafiken: Uwe Bienert

Vorsicht, keine Kuscheltiere

Nematoden oder Fadenwürmer sind als Teilnehmer im Abbauprozess organischer Substanzen im Boden ein wichtiger Bestandteil des Bodenlebens. Manche von ihnen werden sogar im Rahmen des biologischen Pflanzenschutzes zur Bekämpfung anderer Schädliche eingesetzt (zum Beispiel gegen Larven des Dickmaulrüsslers). Leider gibt es unter ihnen aber auch "schwarze Schafe", oder besser "schwarze Würmer". Diese legen ihre Eier in Kulturpflanzen (für unseren Arbeitsbereich sind das in der Regel Stauden, aber auch Bäume) ab und schädigen als Larven diese Pflanzen von innen heraus. Eine Schädigung durch Nematoden erkennt man zum Beispiel an Gewebewucherungen, Blattverfärbungen, Deformierungen und verminderter Wuchsfreudigkeit.

Schnecken, und hier besonders die Nacktschnecken, gefährden durch Fraßschäden krautige Pflanzungen. Sie sind bei feuchtem Wetter Tag und Nacht unterwegs. Milben sind Bestandteil eines gesunden Bodens und ernähren sich dort von abgestorbener organischer Substanz. Für die Schädigung an Pflanzen spielen sie eine untergeordnete Rolle. Neben Spinn- und Gallmilben schädigen vor allem Weichhautmilben die Pflanzen durch Triebstauchungen, Blattverkrümmungen und Korkflechten. Sie treten besonders bei hoher Luftfeuchte auf.

Insekten: Saugende und stechende Quälgeister

Die "Sauger"

Hauptfeind Nr.1 ist an dieser Stelle die Blattlaus. Sie schädigt neben ihren Verwandten Schild-, Woll- und Schmierlaus, am häufigsten die Pflanzen. Nicht nur, dass sie große Mengen von Pflanzensaft entziehen, sie verursachen offene Wunden und leisten damit einer Viruserkrankung und anderen Krankheitserregern Vorschub und sie verschmutzen durch ihre Ausscheidungen (Honigtau) die Pflanze. Verminderte Wuchsfreudigkeit, Blattkräuselungen und Gallen sind die Folge. Die auch zu den Läusen gehörende Weiße Fliege oder auch Mottenschildlaus ist überwiegend in Gewächshäusern und Wintergärten unterwegs. Zikaden kommen an vielen Laub- und Nadelbäumen als Schädling vor. Sie saugen an den Leitungsbahnen oder direkt an Blatt- und Nadelgewebe. Sie sind mit bloßem Auge zu erkennen (2 bis 4 mm) und sind in der Lage sich durch Springen selbständig und flink fortzubewegen. Der direkte Schaden ist so gering, das eigentlich die Bekämpfung nur in wertvollem Bestand (Rhododendron, Azaleen) lohnt. Unter den Wanzen gibt es einige Vertreter die dem guten Ruf der Familie, die sich als Jäger von Raupen, Thripsen und Blattläusen einen guten Namen gemacht hat, schaden. Dazu gehören die Weichwanzen, die die Blätter von Pflanzen durch Lochfraß schädigen können, und die Netzwanzen die durch ihr Saugen an Blättern Nekrosen hervorrufen und anderen Krankheitserregern Vorschub leisten.

Die "Beißer"

Die Blattwespen als Vollinsekt spielt als Pflanzenschädling keine Rolle, gefährlich ist ihre Larve, die sich durch Loch- und Fensterfraß in Blättern und Nadeln bemerkbar macht und damit die Pflanze nachhaltig schädigen kann.

Ähnlich verhält es sich bei Faltern und Schmetterlingen. Auch dort ist der Hauptfeind für die Pflanze die Raupe, die bei manchen Arten (zum Beispiel Eichenprozessionsspinner) ganze Bestände bedroht und vernichtet.

Die Käfer sind im Ganzen gefährlich. Sie fressen zum einen als Vollinsekt selbst an Blätter und Trieben herum oder lassen durch ihre Larven fressen. Zu den gefährlichste unter ihnen zählen ohne Zweifel der gefurchte Dickmaulrüssler, der Maikäfer, der Borkenkäfer und die Split- und Bockkäfer.

Wirbeltiere als Gartenschädlinge

In manchen Fällen ist es schwer an einen Pflanzenschädling zu glauben, denn wer will schon das süße Kaninchen verdächtigen ein kriminelles Element zu sein. Ist aber so diese Nager (Kaninchen, Wühlmaus und Co.) knabbern alles an und schädigen somit vor allem Obst- und Ziergehölze. Ihnen zu Leibe zu rücken wird schwierig und ist eigentlich nur mit Vertreibungsmitteln effektiv.

Auch unsere Vögel sind nicht ganz unschuldig. Viele sind keine Kostverächter was zartes Grün und Früchte und Knospen angeht. Vom Specht, als Türöffner für Viren, Bakterien und Pilze, will ich gar nicht reden. Zugegeben ist der Nutzen der Singvögel höher einzuschätzen als der von ihnen verursachte Schaden. Na, da wollen wir mal Gnade vor Recht ergehen lassen!

Quellen:

Pflanzenkrankheiten erkennen und behandeln, Jochen Veser, Ulmer Verlag;

Sachkundenachweis Pflanzenschutz - GaLaBau, Daniel Pascal Klaehre, Ulmer Verlag;

Schädlinge & Krankheiten, Pippa Greenwood & Andrew Halstead, Dorling Kindersley London

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 09/2015 .

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