Baumpflege & Pflanzenschutz
Weiße Stammanstriche – Erfahrungen aus der Forschung
von: Horst Stobbe, Niclas GeßnerSchutzmaßnahmen wie helle Anstriche oder schattierende Ummantelungen waren deshalb insbesondere im Obstbau und in anderen Gehölzkulturen lange gebräuchlich. Im Bereich der Straßenbäume geriet dieses Wissen jedoch zwischenzeitlich teilweise in den Hintergrund, obwohl die Schäden selbst nie verschwunden sind (Stobbe et al. 2008; Hackl und Jeschke 2019).
Spätestens seit den 1990er-Jahren wurden thermisch bedingte Stammschäden an jungen Straßen- und Alleebäumen wieder verstärkt wahrgenommen. Besonders an dünnrindigen Arten wie Ahorn, Linde und Rosskastanie traten vermehrt streifenförmige Nekrosen, aufplatzende Rinde und spätere Überwallungsstörungen auf (Schneidewind 2015). Eine bundesweite Erhebung an jungen Straßenbäumen macht deutlich, dass es sich nicht um Einzelfälle der Vergangenheit handelt, sondern um ein verbreitetes Schadgeschehen im Straßenbaumbestand, das bis heute beobachtet wird. Dabei konnte ermittelt werden, dass nur etwa 27 Prozent der erfassten Bäume überhaupt einen Stammschutz besaßen. Bei ungeschützten Bäumen traten Rindennekrosen und -risse deutlich häufiger auf als bei Bäumen mit Stammanstrich oder Schilfrohrmatte. Ein Stammanstrich verringerte die Häufigkeit von Schäden im Mittel um rund 79 Prozent, Schilfrohrmatten um etwa 64 Prozent. 91 Prozent der beobachteten Nekrosen waren nach Südwesten ausgerichtet, was den Zusammenhang mit direkter Sonneneinstrahlung deutlich unterstreicht (Rust et al. 2023).
Die Folgen solcher Schäden reichen weit über einen optischen Mangel hinaus. Was zunächst als lokale Rindennekrose oder oberflächlicher Stammriss erscheint, kann sich im weiteren Verlauf zu einer dauerhaften Schwachstelle im Stammaufbau entwickeln. Geschädigte Partien werden teilweise nur unvollständig überwallt, erneut thermisch belastet oder zusätzlich von Schaderregern besiedelt. Daraus können langfristig statisch relevante Defekte entstehen, die zum Ausbruch von Ästen, Kronenteilen oder im Extremfall ganzer Bäume führen (Lehmann und Stobbe 2015). Für Kommunen, Straßenbaulastträger und andere Eigentümer bedeutet das nicht nur ein erhöhtes Verkehrssicherungsrisiko, sondern auch erhebliche Folgekosten für Kontrollen, Sanierungen, Fällungen und Ersatzpflanzungen (Rust et al. 2023).
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Warum weißer Stammschutz wirkt
Vor diesem Hintergrund ist die Rückkehr zu einem konsequenten thermischen Stammschutz fachlich folgerichtig. In der Praxis haben sich dafür vor allem zwei Verfahren bewährt: locker eingebaute Schilfrohrmatten und weiße reflektierende Stammschutzanstriche (Stobbe et al. 2008; Schneidewind 2015). Unter den weißen Anstrichen hat sich Arbo-Flex in den vergangenen zwei Jahrzehnten in besonderem Maße etabliert. Die verfügbaren Untersuchungen aus Quedlinburg, Hamburg, Brandenburg und weiteren Praxisfeldern ergeben ein bemerkenswert einheitliches Bild: Der Anstrich schützt zuverlässig vor thermisch bedingten Rindenschäden, haftet über mehr als fünf Jahre am Stamm und verursacht bei fachgerechter Anwendung praktisch keine eigenen Schäden (Stobbe und Dujesiefken 2008; Lehmann und Stobbe 2015; Ganzert 2026).
Die Wirksamkeit von Arbo-Flex beruht auf einem klaren physikalischen Prinzip. Die helle, reflektierende Oberfläche reduziert die Aufheizung des Stammes und damit auch die thermische Belastung im Rinden- und Kambialbereich. Gerade an der Süd- und Südwestseite des Stammes werden so kritische Temperaturspitzen abgepuffert, die sonst im Sommer zu Kambiumnekrosen und im Winter beziehungsweise Spätwinter zu Spannungsrissen infolge von Auftau- und Gefrierwechseln führen können (Schneidewind 2015; Ganzert 2026). Temperaturmessungen im Rindengewebe zeigen, dass rein weiße Stammschutzanstriche die günstigsten Temperaturverläufe erzeugen und dunkleren oder abgetönten Varianten klar überlegen sind. Bereits leichte Farbabtönungen verschlechtern die temperaturmindernde Schutzwirkung gegenüber reinem Weiß. Deutlich dunklere Töne erhöhen die Gewebetemperaturen und damit auch das Risiko von Rindenschäden zum Teil erheblich (Schneidewind 2015).
Auch neuere Produktvergleiche bestätigen die besondere Eignung weißer Langzeit-Stammanstriche. An heißen Sommertagen lagen die Gewebetemperaturen unter Arbo-Flex 7 deutlich unter denen unbehandelter Bäume und auch leicht günstiger als bei anderen geprüften Anstrichen (Ganzert 2026). Weniger dauerhafte oder nicht rein weiße Alternativprodukte konnten diese Schutzwirkung nur eingeschränkt oder nur bei häufigem Nachstreichen erreichen (Ganzert 2026). Damit bestätigt sich, dass der Vorteil von Arbo-Flex nicht nur in der Farbe Weiß, sondern auch in der Kombination aus Reflexionsvermögen, Elastizität und Dauerhaftigkeit liegt.
Dauerhaftigkeit als Praxiskriterium
Gerade die Dauerhaftigkeit ist für den praktischen Erfolg entscheidend. Ein Stammschutz ist nur dann wirksam, wenn er nicht schon nach kurzer Zeit wieder an Funktion verliert. Untersuchungen zur Haftung weißer Stammanstriche haben gezeigt, dass Arbo-Flex bei fachgerechter Vorbehandlung über fünf Jahre und länger sicher auf der Rinde haftet und seine Schutzfunktion behält. Besonders wichtig sind dabei die Vorreinigung des Stammes und ein geeigneter Voranstrich. Wo diese Arbeitsschritte unterblieben oder unzureichend ausgeführt wurden, verschlechterte sich die Haftung deutlich, insbesondere an glattrindigen Bäumen wie jungen Linden (Stobbe und Dujesiefken 2008; Stobbe et al. 2008).
Diese Anforderungen entsprechen auch dem heutigen Regelwerk. Reflektierende Anstriche sollen mindestens fünf Jahre auf der Rinde haften, und die Rinde ist vor dem Auftrag zu reinigen, damit eine dauerhafte Bindung entstehen kann (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) 2015, 2017). Damit steht Arbo-Flex nicht nur im Einklang mit der Forschung, sondern auch mit dem Stand der Technik in Planung, Pflanzung und Pflege.
Entstehen durch Arbo-Flex Schäden?
Von zentraler Bedeutung für die Praxis ist die immer wieder gestellte Frage, ob durch die Anwendung von Arbo-Flex selbst Schäden entstehen können. Diese Fragestellung wurde in verschiedenen Untersuchungen betrachtet und kann eindeutig verneint werden. Selbst unter bewusst provozierten Fehlanwendungen konnten keine nachhaltigen Stammschäden durch den Anstrich selbst erzeugt werden. In Versuchsreihen mit starker Vorreinigung mittels Drahtbürste, wodurch die äußerer Rinde verletzt wurde, sowie bei mehrfach überhöhtem Farbauftrag wurden zwar Reaktionen der äußeren Rinde und verstärkte Korkbildung beobachtet, jedoch kein Absterben der Rinde, keine nachhaltige Schädigung des Kambiums und keine gravierende Vitalitätsminderung (Lehmann und Stobbe 2015). Daraus folgt:
Bei fachgerechter Anwendung entstehen durch Arbo-Flex keine Schäden.
Diese Ergebnisse entkräften zugleich zwei häufige Vorbehalte aus der Praxis. Weder konnte bestätigt werden, dass der Anstrich zu einem schädlichen „Sauerstoffabschluss“ des Stammes führt, noch ließ sich eine phytotoxische Wirkung nachweisen. Im Gegenteil, die Untersuchungen zeigen eine gute Baumverträglichkeit bei korrekter Ausführung und eine hohe Sicherheit im praktischen Einsatz (Lehmann und Stobbe 2015; Ganzert 2026). Das bedeutet allerdings nicht, dass die Ausführung nebensächlich wäre. Reinigung, Grundierung und deckender, gleichmäßiger Auftrag bleiben die Voraussetzung für eine optimale Schutzwirkung und eine lange Haftdauer (Stobbe und Dujesiefken 2008; Stobbe et al. 2008).


Schäden ja – aber nicht durch Arbo-Flex
Dass an gestrichenen Bäumen trotzdem Schäden beobachtet werden, ist unbestritten. Entscheidend ist jedoch die korrekte Ursachenzuordnung. Zahlreiche Praxisfälle zeigen, dass schwarze Flecken, Saftfluss, Rindennekrosen oder Kronenschäden an gestrichenen Bäumen nicht durch den Anstrich selbst verursacht werden, sondern auf andere Faktoren zurückgehen. Dazu zählen insbesondere Insektenbefall, bakterielle Erkrankungen, pilzliche oder pilzähnliche Erreger, mechanische Verletzungen sowie andere bereits vorhandene oder später entstandene abiotische Schäden (Lehmann und Stobbe 2015). Durch den weißen Anstrich können solche Schadbilder sogar deutlicher sichtbar gemacht werden, da Exsudate, Ausbohrlöcher oder dunkle Nekrosen auf dem hellen Untergrund stärker auffallen (Lehmann und Stobbe 2015). Dies ist jedoch kein Nachteil des Produktes, sondern eher ein diagnostischer Nebeneffekt.
Gerade an diesem Punkt zeigt sich, wie wichtig eine fachlich nüchterne Einordnung ist. Arbo-Flex ist kein Allheilmittel, sondern ein hochwirksames Instrument gegen thermische Rindenschäden. Bereits vorhandene Schäden können durch den Anstrich nicht rückgängig gemacht werden. Liegen vor dem Auftrag bereits Rindenverletzungen, Splintschäden, bakterielle oder pilzliche Infektionen oder Insektenbefall vor, so werden diese durch Arbo-Flex weder beseitigt noch neutralisiert (Lehmann und Stobbe 2015). Ebenso wenig verhindert der Anstrich biotische Schäden, die erst nach dem Auftrag auftreten. Nach dem Stand der vorliegenden Untersuchungen werden solche Schäden durch Arbo-Flex nicht bekämpft und ebenso wenig begünstigt (Stobbe et al. 2008; Lehmann und Stobbe 2015). Arbo-Flex ersetzt daher weder eine sorgfältige Baumkontrolle noch einen gegebenenfalls notwendigen Pflanzenschutz und ebenso wenig eine gute Pflanzqualität, fachgerechte Pflanzung, ausreichende Bewässerung und kontinuierliche Pflege.
Praktische Konsequenzen
Gerade deshalb ist die sorgfältige Vorprüfung der Bäume vor dem Anstrich sehr wichtig. Sichtbare Rindenschäden, Hinweise auf biotischen Befall oder mechanische Defekte müssen vor der Behandlung erkannt und dokumentiert werden. Auch die eingesetzten Werkzeuge zur Reinigung des Stammes sollten so verwendet werden, dass keine Verletzungen entstehen (Lehmann und Stobbe 2015).
Neben der eigentlichen Schutzfunktion bietet Arbo-Flex weitere praktische Vorteile. Im Vergleich zu Matten entfällt bei fachgerechter Ausführung die spätere Nachsorge. Es gibt kein Nachbinden, kein Nachstellen und kein späteres Entfernen des Materials (Stobbe et al. 2008). Hinzu kommt, dass sich der Stamm durch den aufreißenden, vergrauenden Belag im Laufe der Jahre langsam an die veränderten Licht- und Strahlungsverhältnisse anpassen kann. Damit wird kein abrupter Schutzverlust erzeugt, sondern ein allmählicher Übergang, der dem natürlichen Dickenwachstum und der zunehmenden Borkenbildung entgegenkommt (Stobbe und Dujesiefken 2008; Stobbe et al. 2008).
Auch auf bereits thermisch geschädigten Stämmen kann ein weißer Langzeit-Anstrich sinnvoll sein. Bei bestehenden Sonnennekrosen konnte eine beschleunigte Überwallung beobachtet werden, wenn geschädigte Stammabschnitte nachträglich mit einem geeigneten weißen Stammschutzanstrich behandelt wurden. Gerade empfindliches Überwallungsgewebe scheint unter dem reflektierenden Schutz besser vor erneuter Besonnung geschützt zu sein (Schneidewind 2015).


Fazit
Die heutige Bedeutung von Arbo-Flex ergibt sich aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Einer nachvollziehbaren Wirkungsweise, einer guten Baumverträglichkeit, einer langen Schutzdauer, einer regelwerkskonformen Anwendung und einer breiten experimentellen wie praktischen Absicherung. Die einschlägigen Regelwerke fordern inzwischen ausdrücklich, dass Schutzmaßnahmen gegen Hitzeschäden die direkte Sonneneinstrahlung auf die Rinde ganzjährig stark reduzieren und dass reflektierende Anstriche mindestens fünf Jahre auf der Rinde haften sollen (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) 2015, 2017). Genau diese Anforderungen werden durch ein fachgerecht eingesetztes Arbo-Flex-System erfüllt.
In der Gesamtschau ergibt sich damit ein klares Bild. Arbo-Flex ist ein wirksamer, fachlich gut abgesicherter Stammschutzanstrich zur Vermeidung thermischer Rindenschäden an Jungbäumen und in bestimmten Situationen auch an freigestellten älteren Bäumen (Stobbe, Dujesiefken 2008; Schneidewind 2015; Ganzert 2026; Pro Baum 2019). Werden die vorgesehenen Arbeitsschritte eingehalten, entstehen durch seine Anwendung keine Schäden (Lehmann und Stobbe 2015). Gleichzeitig müssen die Grenzen klar benannt werden. Arbo-Flex heilt keine bereits vorhandenen Schäden, verhindert keinen Befall durch Insekten oder Pilze und ersetzt weder gute Pflanzarbeit, Bewässerung noch fachgerechte Pflege (Lehmann und Stobbe 2015; Rust et al. 2023). Gerade, weil diese Grenzen klar formuliert werden können, fällt die fachliche Bewertung am Ende so eindeutig aus.
Arbo-Flex ist kein Allheilmittel, aber als Mittel gegen thermische Rindenschäden gehört es zu den überzeugendsten Werkzeugen, die der Praxis zur Verfügung stehen.
Literatur
Dujesiefken, Dirk; Stobbe, Horst (2002): Neuartige Stammschäden an Jungbäumen. In: Jahrbuch der Baumpflege, S. 72–80.
Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) (2015): Empfehlungen für Baumpflanzungen. Teil 1: Planung, Pflanzarbeiten, Pflege. 2. Ausgabe. Hg. v. Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL). Bonn.
Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) (2017): ZTV-Baumpflege. Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege. Hg. v. Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL). Bonn.
Ganzert, Diana (2026): Allee- und Straßenbaumversuche, neue Erkenntnisse zu Pflanzung, Bewässerung und Baumschutz. In: Jahrbuch der Baumpflege 30, S. 51–65.
Hackl, Sybille; Jeschke, Roland (2019): Sturmschäden an Altbäumen: Thermische Rindenschäden - ein unterschätztes Folgerisiko. In: Pro Baum (1), S. 16–23.
Lehmann, Manfred; Stobbe, Horst (2015): Anwendungsfehler beim weißen Stammanstrich und wie man sie verhindern kann. In: Jahrbuch der Baumpflege, S. 198–212.
Rust, Steffen; Schneider-Blank, Dana; Kehr, Rolf (2023): Stammschäden an jungen Straßenbäumen: Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung. In: Jahrbuch der Baumpflege, S. 269–280.
Schneidewind, Axel (2002): Stamm- und Rindenschutzmaterialien für Baumpflanzungen an der Straße und im Siedlungsraum. In: Jahrbuch der Baumpflege, S. 81–91.
Schneidewind, Axel (2015): Müssen Stammschutzanstriche von Jungbäumen unbedingt weiß sein? In: Jahrbuch der Baumpflege, S. 213–225.
Stobbe, Horst; Dujesiefken, Dirk (2008): Untersuchung zur Haftung weißer Stammanstriche. Ergebnisse nach fünf Jahren. In: Taspo Baumzeitung (2), S. 22–24.
Stobbe, Horst; Schneidewind, Axel; Dujesiefken, Dirk (2008): Stammschutz an Jungbäumen. Stand des Wissens. In: Pro Baum (3), S. 6–9.
IfB Institut für Baumpflege
Brookkehre 60
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