Auswirkungen der Corona-Pandemie

Baustoffmangel und Preiserhöhungen belasten die Baubranche

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Im Recyclingwerk Feess wird Humus durch Wiederaufbereitung gewonnen, zur leichteren Verarbeitung auch in fein und krümeliger Konsistenz. Foto: Feess

Seit Frühjahr 2021 leiden die Bau- und die Gartenbaubranche an Baustoffmangel. Pandemiebedingt sorgten vor allem Lieferengpässe für die unzureichende Versorgung der Bauunternehmen mit den benötigten Baumaterialien. Der Mangel an Materialien deutete sich bereits Ende 2020 an.

Wegen der Corona-Pandemie kam es im ersten Halbjahr 2020 zu einem Nachfrageeinbruch und seit Anfang 2021 hat sich die Lage deutlich verschärft. Erschwerend kommt hinzu, dass die Hälfte aller im Bau verwendeten Kunststoffe aus Produktionsstätten in Asien stammt. Diese wurden bis Herbst 2020 pandemiebedingt heruntergefahren. In den USA fielen große Industrieanlagen während des strengen Winters aus. Aber die Corona-Pandemie ist nicht alleinige Ursache für die Situation. Durch das Ansteigen der Nachfrage wurden die Baustoffe wiederum knapp, was die Preise in die Höhe getrieben hat. Hinzu kommt der aktuelle Bauboom in Deutschland, insbesondere im Wohnungsbau.

Die Folge ist, dass internationale Lieferketten nicht wie gewohnt funktionierten und die branchenübliche "Just-In-Time"-Beschaffung - also der termingenaue Einkauf - nicht mehr wie gewohnt möglich war. Der Baustoffmangel betrifft alle Gewerke: Den Elektrikern fehlen die Kabelummantelungen, den Malern die Farbe und den Zimmerleuten das Holz, lange Wartezeiten bestehen bei Dämmmaterialien und es mangelt an Plastikrohren für den Anschluss des Einfamilienhauses an die öffentliche Kanalisation. Auch mangelt es an Kies, Sand, Zement und Beton sowie Stahl. Zudem gibt es ungewöhnliche lange Lieferzeiten, Mitte April 2021 meldete der Dachdeckerverband zwei bis drei Monate. Selbst Holzpalletten für den Transport stehen mitunter nur zeitverzögert zur Verfügung. Da die Gewerke besonders beim Hausbau eng ineinandergreifen, kommt es zusätzlich zu Bauzeitverzögerungen, wenn ein Glied in der Kette aufgrund fehlender Baustoffe nicht wie geplant arbeiten kann. Im schlimmsten Fall kommt es zum völligen Erliegen der Baustellenarbeit. Auch aus den Ingenieurbüros mehren sich die Rückmeldungen, dass auf den Baustellen wegen Baustoffmangels nicht mehr so gearbeitet werden kann, wie es eigentlich sein sollte.

Wiederaufbereiteter Rindenmulch zum Aufbringen auf Gartenböden oder zum Abdecken von Pflanzflächen. Foto: Feess

Preise klettern in die Höhe

Der immense Mangel an Baumaterialien treibt in Deutschland die Preise in die Höhe und stellt Unternehmen und Bauherren vor große Probleme. So schoss der Holzpreis innerhalb eines Jahres um mehr als 400 Prozent in die Höhe. Betonstahl verteuerte sich im Vergleich zum Vorjahr um fast 30 Prozent. Die Preise für Dämmstoffe wie Styropor stiegen allein im April um rund 50 Prozent. Hinzu kommen die stark gestiegenen Preise für Roh- und Baustoffe. So lagen beispielsweise die Preise für Dachlatten, Bauholz oder Konstruktionsvollholz laut Statistischem Bundesamt im März 2021 um 20,6 Prozent höher als im Vorjahr. Die Preise bei Baustahl lagen im März 2021 um 18,5 Prozent und bei Bitumen um 20,6 Prozent über dem Niveau von Dezember 2020. Gegenüber September 2020 verzeichnet die Branche nach Angaben des Statistischen Bundesamts Preiszuwächse bei Dieselkraftstoff um 20 Prozent, bei Mineralölerzeugnissen um 15 Prozent und bei Betonstahl um fast 30 Prozent. Zwei bis drei Preissteigerungen für ein und dasselbe Produkt in immer kürzer werdenden Abständen sind keine Seltenheit mehr.

Besonders ist der Holzmarkt betroffen. Seit Herbst 2020 haben sich die Preise teilweise mehr als verdoppelt. "Statt 320 zahlen wir mittlerweile zum Teil mehr als 700 Euro für Standardkonstruktionsholz", erklärt der Zimmermeister und Geschäftsführer von Holzbau Fichtl aus dem oberbayerischen Hechenwang der Süddeutschen Zeitung. Es geht um alle Arten von Holz am Bau, ob Balken oder Platten. Das Material sei nicht nur teuer geworden, sondern auch knapp, obwohl hierzulande eigentlich viel Holz vorhanden ist.

Auch die Dachdecker beklagen massive Preissteigerungen und ernsthafte Materialengpässe besonders bei Holzprodukten und Dämmstoffen, wie im März 2021 der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) veröffentlichte. Laut einer Umfrage im April 2021 unter rund 7000 Innungsbetrieben berichteten über 60 Prozent der Betriebe über Preissteigerungen von mehr als 50 Prozent, einige müssen Steigerungen von über 100 Prozent hinnehmen. Preiserhöhungen sind zwar generell nachvollziehbar, aber kein Unternehmen kann erfolgreich arbeiten, wenn die Preise so rasant in so kurzen Zeiten steigen. In der Konsequenz wird die Kalkulation von Bauleistungen schwieriger und die Unternehmen geben die Preissteigerungen an ihre Kunden weiter. Wie können aber bei bereits abgeschlossenen Verträgen nachträgliche Kostensteigerungen weitergegeben werden? Der Präsident des ZVSHK Michael Hilpert appellierte daher im April 2021 an Hersteller und Großhändler seiner Branche, die Preiserhöhungen verträglich weiterzureichen und diese zu begründen. Massive und überraschende Preissprünge könnten nicht an die Kunden weitergegeben werden.

Durch Aufbereitung von Erdaushub gewonnener steinfreier Boden. Foto: Feess

Auswirkungen auf den Garten- und Landschaftsbau

Trotz dieser Probleme erzielte der GaLaBau in 2021 ein Umsatzplus von 12,7 Prozent, im zurückliegenden Jahr registrierte er insgesamt einen soliden Geschäftsverlauf. Der Gesamtumsatz der grünen Branche stieg in 2021 auf rund 9,68 Milliarden Euro. Und der Warenbereich Holz und Bauelemente meldet mit einem Plus von 21,4 Prozent den größten Umsatzsprung im abgelaufenen Geschäftsjahr. In 2020 kam es im Garten- und Landschaftsbau in Deutschland zu einem Wachstum von 5 Prozent, es wurde erstmals die 9-Milliarden-Euro-Marke geknackt. Grund dafür war die wachsende Nachfrage beim Privatgarten während der Lockdowns in 2020.

Momentan beeinflusst zudem der Ukraine-Krieg die Wirtschaft massiv und verstärkt die Materialknappheit, insbesondere auch aufgrund der wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland. Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) sieht die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die grüne Branche mit Sorge: "Uns ist klar, dass die aktuelle Situation auch von der deutschen Wirtschaft Opfer fordert. Doch unsere Branche, die aus kleinen und mittelständischen Betrieben besteht, spürt seit zwei Wochen deutlich die Folgen steigender Energie- und Materialengpässe", so BGL-Präsident Lutze von Wurmb. "Deshalb fordern wir hier nicht nur von den öffentlichen Auftraggebern, aber von ihnen in besonderem Maße, die Anwendung von Preisgleitklauseln - auch als schnelle Entlastung für laufende Verträge. Das ist eine Frage der Fairness."

Von Wurmb fordert zudem schnell steuerliche und wirtschaftliche Erleichterungen für die Branche, die jetzt die stärksten Belastungen abfedern, da die Betriebe des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus systemrelevant für die Abmilderung der Folgen des Klimawandels durch die Anlage und Pflege von Grünflächen, Parks und Gärten in den Städten sind. Er fordert eine Preisgleitklausel für laufende Verträge und Projekte auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Andernfalls würden die aktuellen Preisexplosionen schon kurzfristig viele Existenzen in unserer Branche gefährden. Insgesamt freut sich die Branche aber über ein stabiles Auftragshoch, allerdings mit getrübter Gewinnsituation. Mit 23 Wochen Vollbeschäftigung beim Neubau hält das Auftragshoch aus dem Frühjahr 2021 an (Herbst 2020: 19 Wochen).

Bei der Pflege verbessert sich der Auftragssituation aktuell noch einmal deutlich auf 16 Wochen Vollbeschäftigung (Herbst 2020: 13 Wochen). Entsprechend bewerten die GaLaBau-Betriebe auch ihre Auftragslage positiver: 94 Prozent sagen, diese sei "gleich" oder sogar "besser" (Herbst 2020: 90 %). Mit der Ertrags- und Gewinnsituation sind die Befragten jedoch weniger zufrieden als im Herbst 2020: Nur für rund 58 Prozent entspricht sie ihren Erwartungen (2020: 65,5 %) - fast 38 Prozent finden sie "verbesserungsfähig" (2020: 27 %) oder sogar "unbefriedigend" (2020: 4,5 %).

Dank der Aufbereitung von Bauschutt und Erdaushub werden wertvolle Baustoffe hergestellt, ... Foto: Feess

... in rund 40 Fraktionen getrennt, werden sie gewaschen, gebrochen, gesiebt und vermarktet. Foto: Feess

Baustoffgewinnung durch Recycling

Aus Sicht der Bundesingenieurkammer ist es aufgrund der Baustoffmangelproblematik dringend geboten, die Baustoffproduktion zukünftig wieder verstärkt nach Deutschland zu holen beziehungsweise da, wo es möglich ist, kurzfristig zu erhöhen. Eine weitere Lösung besteht in der verstärkten Verwendung von aus Recycling gewonnenem Baumaterial. Peter Aicher, Vorsitzender von Holzbau Deutschland, dem Bund Deutscher Zimmermeister, fordert, mehr Holz zu verbauen, das von Stürmen oder Borkenkäfern geschädigt wurde. Dies habe nahezu die gleiche Qualität wie herkömmliches Bauholz. Die Bundesingenieurkammern empfehlen zudem, baustoffsparender zu planen und zu bauen und so den Einsatz von Baustoffen zu reduzieren. Dies wäre außerdem ein sinnvoller Beitrag zum Klimaschutz und für mehr Nachhaltigkeit.

Die Herstellung von Baustoffen aus Recycling von Bauschutt ist immer mehr im Kommen. Auch Wettbewerbe wollen diese nachhaltige Form der Aufbereitung von Baumaterial fördern und in das Bewusstsein von Bauherren, Planern und Unternehmern bringen. Ein Beispiel, wie sortenreiner Ziegelbruch als recycelten Ziegelsplitt wiederverwendbar ist, zeigt das nachhaltige Wiederaufbereitungsverfahren der Ziegel Recycling Bayern GmbH, die bei der 29. Runde des Wettbewerbs "TOP 100" die Jury als Ideenschmiede überzeugt hat. Das TOP 100-Siegel zeichnet mittelständische Unternehmen aus, deren Innovationen systematisch geplant werden und in Zukunft wiederholbar sind. Ziegel Recycling Bayern wird bei der Preisverleihung am 24. Juni beim Mittelstands-Summit in Frankfurt/Main vom Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar geehrt. Neben der umfassenden Entsorgung für Baustellen hat sich das Unternehmen das Ziel gesetzt, Abfallprodukte am Bau wieder in den Kreislauf einzubinden oder daraus neue Produkte zu entwickeln. Für den auf Baustellen anfallenden Ziegelbruch hat die Ziegel Recycling Bayern GmbH ein spezielles Rücknahmesystem erschaffen: Ziegelschnitt und -bruch werden zu wiederverwendbarem Ziegelsplitt verarbeitet. Aufbereitet und ressourcenschonend wieder in den Produktkreislauf zurückgeführt findet das so entstandene Ziegelgranulat besonders im Garten- und Landschaftsbau seinen Einsatz. Mit Erde vermischt, eignet sich der Ziegelsplitt auch als Substrat in Blumenbeeten. Durch seine gute Wasserspeicherfähigkeit kann das Material nach und nach Wasser an die Pflanzen abgeben und als Dränschicht bei Dachbegrünungen leitet die Ziegelsplittschicht überschüssiges Wasser ab. Mit dem Zertifikat der Qualitätssicherung Sekundärbaustoffe (QUBA) eignet sich der Ziegelsplitt uneingeschränkt für den Einsatz im Garten- und Landschaftsbau.

Aus Ziegelschnitt und -bruch entsteht wiederverwendbarer Ziegelsplitt. Das daraus gewonnene Ziegelgranulat findet besonders im Garten- und Landschaftsbau seinen Einsatz. Foto: Ziegel Recycling Bayern GmbH

Ein anderer Recycling-Spezialist, Walter Feeß in Kirchheim/Teck bei Stuttgart, erwirtschaftet mit 200 Mitarbeitern in seinem Recycling-Unternehmen 60 Millionen Euro Umsatz, allein im Radius von 40 km um den Stammsitz Kirchheim/Teck. "Das Gros unserer Wertschöpfung erreichen wir in der Aufbereitung von Bauschutt und Erdaushub", wie Feeß im Interview mit der Zeitschrift THIS* erklärt, "die wir als Wertstoffe begreifen und deshalb in rund 40 Fraktionen trennen, waschen, brechen, sieben und vermarkten. Diese sind alle eigen- und fremdüberwacht nach den gesetzlichen Standards. So gehen zum Beispiel tonnenweise alte Ziegel, Steine, Sand und Kies als Zuschlagstoffe an Betonwerke, die daraus RC-Beton herstellen." Feeß sieht eine große Chance für die Zukunft durch Umdenken: "Wir müssen endlich Gebäude als Materiallager verstehen und in geschlossenen Kreisläufen denken und handeln. (. . . ) In Würzburg wurde vorigen März ein Umweltzentrum eröffnet, das weitgehend aus dem Abbruchmaterial einer nahen Autobahnbrücke bestand. So geht Kreislauf. Den Architekten dort mussten wir RC-Befürworter zwar auch erst gewinnen. Nun will er aber bayernweit Schulen aus RC-Material bauen, etwa in München." Gerade die Metropolen seien ideal, weil genügend Abbruch vor Ort ist, der lokal aufbereitet und verbaut werden könne.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 06/2022 .

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