Veitshöchheimer Landespflegetage 2020

Bayerischer GaLaBau diskutiert naturnahe Gärten und gute Betriebsnachfolge

Stellten in Veitshöchheim Klimawandel, Umweltschutz und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt: Bayerns VGL-Präsident Gerhard Zäh (Bild) und GaLaBau-Unternehmerin Pia Präger. Foto: LWG Veitshöchheim

Die Veitshöchheimer Landespflegetage standen dieses Jahr unter dem Motto "Herausforderungen für den GaLaBau". Am 21. und 22. Januar informierten sich rund 900 Fachkräfte über die aktuellen Trends und Entwicklungen in der grünen Branche. Auf dem Programm standen zwei heiße Eisen: Die Folgen des Klimawandels für den GaLaBau sowie die richtigen Maßnahmen für eine gute Betriebsnachfolge.

Klimawandel und Grün: eine wichtige Verbindung

In seinem Grußwort erläuterte Gerhard Zäh, Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) Bayern, die nach seiner Ansicht drängendsten Herausforderungen im GaLaBau: Klimawandel, Digitalisierung und Fachkräftesicherung. "Bei der Bewältigung des Klimawandels spielt das Grün eine entscheidende Rolle." Die Städte der Zukunft brauchten mehr Grün, um den steigenden Ansprüchen der Bewohner an Umweltschutz und Nachhaltigkeit gerecht zu werden. Auch das Bedürfnis an Erholung im eigenen Garten und in öffentlichen Grünanlagen nehme zu, so Zäh.

Worauf es bei der Gestaltung naturnaher Privatgärten, Außenanlagen im Wohnungsbau und gewerblicher Flächen ankommt beschrieb GaLaBau-Unternehmerin Pia Präger, Präsidiumsmitglied des VGL Bayern. Naturnah bedeutet für sie die Gestaltung und Pflege eines Gartens mit der Natur und den ihr Gesetzen und nicht gegen sie. Keineswegs sei damit gemeint, Pflanzen wild durcheinander wuchern zu lassen. "Man gibt der Natur jedoch Raum zur Entwicklung, ohne dabei auf lenkende Eingriffe zu verzichten. Diese Pflegemaßnahmen müssen sich am Charakter des jeweiligen Gartens und seiner Umgebung orientieren. Naturnahe Gärten, mit möglichst vielen Ökosystemen und einer hohen Biodiversität, sind daher sichtbarer Beweis eines ausgeprägten Umweltbewusstseins der Besitzer und beileibe kein Zeichen für deren Faulheit", räumte Präger mit einem weitverbreiteten Missverständnis auf.

GaLaBau-Unternehmerin Pia Präger. Foto: LWG Veitshöchheim

Ein verbandliches Plädoyer für den Naturgarten

Ein Naturgarten gilt als pflegeleicht, denn viel wird der Natur überlassen. Bei der Erschaffung der Lebensräume für Pflanzen und Tiere sowie deren Artenvielfalt, gibt es dennoch einiges zu beachten: Das betrifft vor allem die richtige Pflanzenauswahl, die Wahl geeigneter Standorte für Pflanzgesellschaften, den Verzicht auf Torf und die Verwendung natürlichen Düngers. Falllaub, verwelkte Blütenstände und abgestorbene Pflanzenteile bleiben im Herbst in den Pflanzflächen liegen. Sie schützten den Boden vor Austrocknung und führen ihm über die Verrottung der Blätter Nährstoffe zu. Totholz, Reisighaufen aus Obstbaum- oder Heckenschnitt sowie ausreichende Falllaubschichten bieten Unterschlupf, Deckung, Schlafplatz, Überwinterungsort und Brutgelegenheit für zahlreiche Tierarten.

Ein naturnaher Garten benötigt in der Regel keine zusätzliche Bewässerung. Nur bei lang anhaltender Trockenheit kann sie erforderlich werden. Dazu wird gespeichertes Regenwasser verwendet. Begrünte Dächer und Fassadenbegrünungen bieten vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Neben Trockenmauern eignen sich Hecken und Zäune für Grundstückabgrenzungen. Hecken bleiben meist freiwachsend und müssen nur gelegentlich geschnitten, ausgelichtet oder "auf Stock gesetzt" werden. Zäune aus Holz bieten vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und können individuell aus Weidengeflecht, Knüppelholz, Brettern oder Ästen hergestellt werden. Zäune aus Maschendraht oder Doppelstabgitter eignen sich hervorragend als Kletterhilfe für viele Pflanzen. Parkplätze, Verkehrsflächen, Wege und Terrassen beanspruchen in der Grundstückserschließung viel Fläche. Diese Flächen ökologisch zu gestalten, bedeutet, den Flächenverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren. Abhilfe schaffen wassergebundene Wegedecken aus mineralischen Baustoffen und wasserdurchlässige Pflasterbeläge.

Klarer Leitfaden für die Betriebsnachfolge

In einer Diskussionsrunde zur Betriebsnachfolge berichteten Firmeninhaber über ihre Erfahrungen hinsichtlich des zeitlichen Vorlaufs der Übergabe, der Ermittlung von Unternehmenswert und Finanzierungsformen, dem Rollenverständnis von Übergeber und Nachfolger sowie deren Vorstellungen von der Weiterentwicklung des Unternehmens.

Wolfgang und Sohn Marc-Daniel Zink, Firma Garten Zink, beschäftigten sich bereits ab Sommer 2017 mit der Betriebsübergabe, führten Gespräche mit ihrem Steuerberater und einem Unternehmensberater. Durch die langjährige Zusammenarbeit von Vater und Sohn waren nur wenige Belange zu klären. Beide entschieden sich für den Verkauf respektive den Kauf des Unternehmens, um eine Absicherung im Alter für den Übergeber zu gewährleisten. Bei der Ermittlung des Unternehmenswertes wurden Betriebsimmobilien, Grundstücke, Pflanzen- und Materialbestände, Maschinen und der Firmenwert berücksichtigt. "Bei der Übergabe ändert sich im täglichen Ablauf nicht mehr viel. Wir haben einen klaren Leitfaden festgelegt. Danach wird mein Vater weiterhin seine Bestandskunden sowie Kontakte pflegen und sich um das Firmengelände kümmern", erklärte Marc-Daniel Zink.

Diskussion zur Betriebsnachfolge (v. l. n. r.): Theresa Edelmann (LWG Veitshöchheim), Marc-Daniel Zink (Garten Zink), Mario Nast und Dieter Clonisch (Die Gartenzwerge Garten- und Landschaftsbau), Jörg Bieqert (Biequert Garten- und Landschaftsbau) sowie Michael und Gerhard Zäh (Zäh Gartengestaltung). Foto: VGL Bayern

Externe Hilfe für Planungen und Verträge

Mario Nast übernahm das Unternehmen Die Gartenzwerge Garten- und Landschaftsbau 2015 vom damaligen Inhaber Dieter Clonisch. Der zeitliche Vorlauf bis zum endgültigen Vertrag erstreckte sich über zwei Jahre. Während seiner mehrjährigen Tätigkeit für die Firma entwickelte Nast ein enges Vertrauensverhältnis zum Übergeber Clonisch. So war der beabsichtigte Weg der Betriebsnachfolge für beide bereits früh vorgezeichnet. Für die Erstellung eines Businessplans, die Vertragsgestaltung sowie die Finanzierungs- und Liquiditätsplanung holte sich Nast externe Hilfe.

Die Wertfeststellung des Unternehmens erfolgte über die Bilanzsumme und der Kaufvertrag wurde als Asset Deal ausgestaltet. Für den Kaufpreis gab es Förderkredite über die LfA Förderbank Bayern und für den Kontokorrent wurde eine Grundschuld auf das Geschäftsgebäude bei der Hausbank hinterlegt. Das Eigenkapital für die Unterlegung der Kredite steuerte der Übernehmer selbst bei. "Die Firma stand schon so da, wie ich mir das vorstellte. Deshalb musste erst einmal nicht viel geändert werden. Die weitere Entwicklung seitdem ist super: Maschinenpark getauscht und erweitert, neue Branchen-Software und Digitalisierung integriert, Ausbildung auf ein Topniveau gebracht und weitere Mitarbeiter eingestellt", gab sich Nast zufrieden. Erste Überlegungen hinsichtlich der Betriebsübergabe stellte Gerhard Zäh, Geschäftsführer des Fachbetriebs Zäh Gartengestaltung, schon 2015 an. Mit seiner Bachelorarbeit "Umfirmierung mit integrierter Nachfolge" setzte sich auch Sohn Michael intensiv mit dem Thema auseinander. Konkrete Maßnahmen folgten ab März 2016 und zum Jahreswechsel 2016/2017 stieg Michael Zäh in den Betrieb seines Vaters ein. Dies erfolgte im Zuge einer Umfirmierung beziehungsweise Neugründung der bestehenden Firma in eine GmbH & Co. KG mit gleichzeitiger Überschreibung von Unternehmensanteilen des eingebrachten Einzelunternehmens. Im Rahmen der schrittweisen Übergabe besitzt das Unternehmen momentan zwei Gesellschafter und zwei Geschäftsführer. "Als Übergeber sollte man sich ab dem 55. Lebensjahr Gedanken zur Nachfolge machen und in zeitliche Abschnitte splitten. Entscheidend war, zusammen mit meinem Sohn eine individuelle Planung zu erstellen", betonte Gerhard Zäh.

Übergeber und Übernehmer müssen sich respektieren

Da beide Geschäftsführer und Gesellschafter des gemeinsamen Unternehmens sind, herrscht auch hier ein intensiver Dialog. Es gilt der Grundsatz, zusammen am gleichen Strang zu ziehen und die Meinung des anderen zu respektieren - gerade bei unterschiedlichen Ansichten. Gerhard Zäh: "Dem Übergeber muss klar sein, dass er abgeben können muss und dem Übernehmer muss klar sein, dass die Erfahrungen des Übergebers viel wert sind." Sohn Michael ergänzte: "Wir glauben, ein gesundes Mittel gefunden zu haben, bei dem es auch gut ist, wenn der Übergeber den Übernehmer manchmal etwas einbremst. Dennoch gibt die Richtung im Grundsatz der Übernehmer vor." Dabei sollte sich der Einfluss des Übernehmers nicht schlagartig ab Tag X bemerkbar machen, sondern langsam eingepflegt werden. Dann wird die Umstellung, auch für die Angestellten, nicht so abrupt. Die 53. Veitshöchheimer Landespflegetage finden am 23. und 24. Februar 2021 statt.

cm/VGL Bayern

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 02/2020 .

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