Erste Pilotprojekt-Phase gegen Fachkräftemangel abgeschlossen

Bayern: Zehn Kenianer starten Ausbildung im GaLaBau

Der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) Bayern hat die erste Phase seines Projekts „Azubi-Gewinnung Kenia“ abgeschlossen. Es soll helfen, geeignete junge Menschen aus dem ostafrikanischen Land in bayerischen Betrieben des Garten- und Landschaftsbaus auszubilden. Nach einem professionellen Auswahlverfahren werden zehn Kenianerinnen und Kenianer im September in Bayern ihre Ausbildung zum Beruf „Landschaftsgärtner/in“ beginnen.
Migration Ausbildung und Beruf
Oliver Lindholz (l., Endlich GaLaBau), Susann Liebe (3.v.l, Willkommenslotsin), und Sem Haikali (ganz hinten, Deula Bayern), zusammen mit den erfolgreichen Projekt-Absolventen. Foto: Phena Owiye/ Kiambu National Polytechnic

Kenia war vom VGL Bayern in den Fokus genommen worden, weil die Bevölkerung mit einem Medianalter von rund 21 Jahren vergleichsweise jung ist. Nach Vorgesprächen in Nairobi, der Hauptstadt Kenias, mit Vor-Ort-Vertretern der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika (Auslandshandelskammer) sowie der Kenyatta University, folgte im März ein Treffen des VGL Bayern und der GIZ in Freising. Dort wurde eine Projektpartnerschaft besiegelt.

Intensiver Auswahlprozess in Nairobi

VGL und GIZ verständigten sich zugleich auf die Kiambu National Polytechnic als weiteren Projektpartner. Die Berufsschule am Stadtrand von Nairobi ist ein Center of Excellence, das die GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt und über langjährige Erfahrung in deutsch-kenianischen Berufsbildungskooperationen verfügt.

Im Anschluss schrieb die GIZ das neue Projekt in Kenia aus. Zu ihrem Netzwerk gehört unter anderem das dortige Goethe-Institut. Mehr als 100 Interessierte bewarben sich schließlich um die Teilnahme. Nach einer Vorauswahl geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten sowie Online-Bewerbungsgesprächen wurden 15 Personen für einen Praxistest eingeladen. Voraussetzung dafür war ein Deutsch-Sprachniveau von mindestens B1.

Vom 4. bis 13. Mai durchliefen die Bewerberinnen und Bewerber im „Green Skills Camp“ auf dem Gelände der Kiambu National Polytechnic einen intensiven Auswahlprozess. Zu den Aufgaben gehörten Pflanz-, Pflaster- und Plattenarbeiten ebenso wie der Umgang mit dem Nivelliergerät und der Motorheckenschere. Neben den handwerklichen Fähigkeiten flossen Motivation, Auffassungsgabe, Belastbarkeit, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit in die Bewertung ein.

Zwei Frauen und acht Männer überzeugten

Neben Susann Liebe begleiteten Sem Haikali, Ausbilder bei der DEULA Bayern, sowie Oliver Lindholz, Ausbilder und Bauleiter bei der Firma Endlich Garten- und Landschaftsbau, den Praxistest persönlich vor Ort. Die Finanzierung des gesamten Verfahrens – von der Projektausschreibung über die Durchführung des Tests bis hin zu den Reise- und Aufenthaltskosten aller Beteiligten – hatte die GIZ übernommen. Zudem stellte die Gesellschaft sämtliche benötigten Materialien, Werkzeuge und technischen Geräte zur Verfügung.

Das Ergebnis: Zwei Frauen und acht Männer konnten überzeugen. Sie werden im kommenden Monat am Münchner Flughafen erwartet und wollen im September ihre Ausbildung in sechs bayerischen GaLaBau-Betrieben beginnen. „Ich hoffe sehr, dass alle bei uns gut ankommen und ihren Weg machen: sie hätten es verdient“, zeigte sich Lindholz beeindruckt von ihren Leistungen. „Das wird zwar kein Spaziergang, für keinen der Beteiligten. Aber Landschaftsgärtner schaffen das.“

In der abschließenden Projektphase bereiten die aufnehmenden Unternehmen gemeinsam mit Liebe derzeit den Ausbildungsstart der Kenianerinnen und Kenianer vor. Die Betriebe finanzieren zunächst die Einreise ihrer künftigen Auszubildenden. In Form eines Darlehens oder eines Gehaltsvorschusses übernehmen sie die Reisekosten sowie die Visagebühren. Darüber hinaus stellen sie bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung.

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Oliver Lindholz (l.) bei Plattenarbeiten mit Teilnehmern des Praxistests auf dem Gelände der Kiambu National Polytechnic am Stadtrand von Nairobi. Foto: Susann Liebe/ VGL Bayern

Willkommenslotsin organisiert alle Formalien

Die Willkommenslotsin beim VGL Bayern kümmert sich parallel um die Erstellung der Ausbildungsverträge und der notwendigen Vollmachten. Außerdem koordiniert sie die weiteren Verfahrensschritte mit den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten als zuständigen Stellen. Zusätzlich beantragt sie die Vorabzustimmung der Bundesagentur für Arbeit und leitet die ausländerrechtlichen Visaverfahren in Abstimmung mit der GIZ und der deutschen Botschaft in Nairobi ein. Auch nach dem Ausbildungsstart im September werden Liebe, Haikali und Lindholz bei der Integration der Auszubildenden unterstützen, etwa bei behördlichen oder organisatorischen Fragen im Alltag.

„Mit dem Projekt des VGL Bayern erhalten die Betriebe keine anonymen Zufallsbewerbungen, sondern Auszubildende, die sich zuvor in einem strukturierten und vor allem persönlich begleiteten Auswahlprozess bewährt haben. Es entstehen keine Vermittlungsgebühren. Auch damit grenzen wir uns von unseriösen Vermittlern ab“, betonte Liebe.

cm/ VGL Bayern

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