Berlin

Bezirksämter schreiben EPS-Brandbrief an Landesregierung

Jedes Jahr bietet sich rund um den Volkspark Jungfernheide im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf das gleiche Bild: Gesperrte Spiel- und Sportplätze, verschlossene Kitas und geschlossene Fenster. Die mikroskopisch kleinen Brennhaare der Raupen des Eichenprozessionsspinners (EPS) wehen aus dem Park in Gärten, Wohnungen, Schulen, sorgen für Ausschläge, Atemnot und Augenreizungen. Berlins Bezirksverwaltungen sind überfordert.
Berlin Eichenprozessionsspinner
Berlins Bezirksämter fühlen sich mit dem Eichenprozessionsspinner von der Landesregierung „alleingelassen“ und stoßen „zunehmend an Grenzen“. Foto: Stoeberhai, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Der Stadtstaat Berlin nutzt bislang keine vorbeugenden Maßnahmen gegen den Spinner. Ein vorbeugendes Besprühen bekannter Befallsflächen im Volkspark und an anderen EPS-Schwerpunkten mit dem Bacillus thuringiensis ist laut Empfehlungen des Berliner Pflanzenschutzamts zwar möglich, wird aber de facto kaum genutzt. Stattdessen wurden an bekannten Hot Spots vor dem Auftreten der ersten Raupen und Nester Warnhinweise für die Bevölkerung angebracht und ab dem dritten Larvenstadium des Spinners großräumig abgesperrt.

Eigentlich sollten die Berliner Raupennester im Juni mechanisch abgesaugt werden. Aus Kostengründen geschah das aber nur teilweise. Ein vollständiges Absaugen würde etwa 30 Prozent des bezirklichen Grünflächenetats verschlingen, erläuterte der in Charlottenburg-Wilmersdorf zuständige Stadtrat Oliver Schruoffeneger im rbb-Fernsehen. Und so werden die geschlüpften EPS-Falter im Spätsommer erneut Eier an dünnen Eichenzweigen legen, damit sich das Szenario im nächsten Jahr wiederholt.

Nicht nur der Volkspark Jungfernheide ist davon stark betroffen, sondern auch der Volkspark Hasenheide im Bezirk Neukölln, der Volkspark Rehberge in Mitte, der Volkspark Wuhlheide in Köpenick, der Schlosspark Schönhausen in Pankow, der Schlossgarten Charlottenburg, der Görlitzer Park in Kreuzberg, der Tegeler Forst in Reinickendorf sowie die Siemensstadt und der Wilhelm-von-Siemens-Park in Spandau.

„Der Eichenprozessionsspinner ist längst kein lokales Problem einzelner Straßen oder Parks mehr", schrieben die Umweltstadträte der zwölf Bezirke der Berliner Landesregierung in einem gemeinsamen Brief im Juni. Die Raupen machten weder an Bezirks- noch an Grundstücksgrenzen Halt. Die praktischen Folgen sollten trotzdem die Bezirke bewältigen. Sie fühlten sich „alleingelassen“ und stießen „zunehmend an Grenzen“. Die EPS-Plage müsse künftig als Gesundheitsproblem eingestuft werden, damit es mehr amtliche Handlungsmöglichkeiten gebe.

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