Berliner Baumforum 2025 – outdoor!

Bäume und Parkmanagement im Fokus

Nach der Corona bedingten Auszeit von sechs Jahren fand im September wieder mit guter Resonanz das Berliner Baumforum statt – erstmalig nicht im Hörsaal, sondern aus gegebenem Anlass auf der großen Seebühne im Britzer Garten.
Berlin Baumkontrolle
Am 25. September fand das Berliner Baumforum im Britzer Garten (Seebühne und Ausstellermarkt) statt. Foto: Hartmut Balder

Vor 40 Jahren fand hier die Bundesgartenschau 1985 statt, so dass die Veranstalter das Jubiläum nutzten, um ein Referentenprogramm zum Thema "Bäume und Parkmanagement" zusammenzustellen. Ziel war Baumentwicklungen und ihre Probleme in der Reifephase von Parkanlagen aufzuzeigen. Begleitet wurde das Baumforum wie üblich von einem Ausstellermarkt. Bei bestem Herbstwetter kamen mehr als 120 Teilnehmer, die interessiert den Beiträgen bei kritischer Moderation vom Leiter des Berliner Pflanzenschutzamtes (Dr. Christian Scheer) folgten.

Baum- und Parkpflege trotz angespannter Haushaltslage

Bereits der Rückblick in die Bauphase der BUGA 1985 durch Dr. Hans-Hermann Kubitz (TL der BUGA 1985) zeigte die Anforderungen der damaligen Pflanzakteure. Auf dem lehmigen Standort wurde ein Konzept realisiert, bei dem die Gehölze lediglich auf den Untergrund gestellt und das Umfeld gestalterisch annivelliert wurde. Nach anfänglich guter Entwicklung zeigt sich heute, dass sich vielerorts die sich entwickelnden Wurzelsysteme vorrangig oberflächennah ausgebreitet haben mit allen Folgeproblemen für die technischen Infrastrukturen des Parks, unter anderem an Wegebelägen. Ein externer Phytopathologe (Prof. Dr. Riecke) überwachte in der Bauphase den Gesundheitszustand der Jungbäume und verhinderte größere Ausfälle.

Diese Fehlentwicklungen muss der heutige Parkleiter Dipl.-Ing. Osama Ahmad (Grün Berlin) in seiner kontinuierlichen Baumpflege managen. Er erklärte, dass Trockenschäden und Vitalitätsverluste zunehmen und die Folge früherer problematischen Wurzelentwicklungen und des Klimawandels seien. Dank enger Zusammenarbeit von Parkleitung und Dienstleistern gelinge dennoch eine fachgerechte und vorausschauende Baumpflegearbeit. Trotz angespannter Haushaltslage bleibt der Erhalt und Schutz der Bäume, als grünes Erbe der städtischen Klimaanpassung, ein zentrales Ziel des Entwicklungskonzeptes "Britzer Garten 2030".

Eine vitale Gehölzentwicklung ist bei längerem Wasserüberschuss kaum zu erwarten, so Prof. Dr. Hartmut Balder (Institut für Stadtgrün, Falkensee) im Folgevortrag. Er konnte in seinen Langzeitstudien zu den Auswirkungen von Sommerhochwasser auf Gehölze untersuchen, welche akuten und mittelfristigen Schäden entstehen und stellte die Schadsymptome für die Baumkontrolle vor. Diese Erkenntnisse müssen in die Optimierung von Schwammstadtkonzepten mit Gehölzverwendung einfließen, so ist noch ein geeignetes Gehölzsortiment abzustimmen und die realen Auswirkungen auf den Grundwasserhaushalt sind zu evaluieren.

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Gehölze in Regenwasseranlagen. Eine vitale Gehölzentwicklung ist bei längerem Wasserüberschuss kaum zu erwarten. Foto: Hartmut Balder

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Konzepte für die Stadt der Zukunft müssen zunehmend komplexe Inhalte aller Disziplinen vereinen, will man die grundlegenden Probleme der Urbanität und Globalisierung lösen. Am Beispiel der Stadt Frankfurt zeigte Dr. Simin Mazaheri (Stiftung Altes Neuland, Frankfurt), wie durch die großräumige Errichtung einen 2. Ebene auf vorhandenen Straßen bezahlbarer Wohnraum, kühlende Grüngürtel, Energiegewinnung und Regenwassermanagement entstehen kann. Auch hierzu ist Forschung erforderlich, um quasi wie im amerikanischen Silicon Valley die Akteure ganzheitliche Konzepte für die internationalen Interessenten erproben zu lassen. Ein Filmbeitrag über das Großprojekt "Frankfurter Brücken" fesselte die Forumsteilnehmer und regte die Diskussionen an.

Nichts geht heute im Baum-Management ohne Einbindung von IT-Systemen. Dipl.-Ing. Jörg Schmidt (Datenbankgesellschaft mbH, Falkensee) stellte die digitalen Möglichkeiten der Baumerfassung und Datenverwaltung für Parkanlagen vor. Er betonte die zielgenaue Baumkontrolle, bedarfsgerechte Maßnahmenvergabe in der Baumpflege und Kontrolle der ausgeführten Maßnahmen zur effizienten Baumentwicklung und Überwachung der Verkehrssicherheit. Bei den immer häufiger auftretenden Wetterextremen ist dies in Parkanlagen bedeutsam, zum Beispiel nach Sturmereignissen wie im Sommer des Jahres, um geschädigte Parkanlagen wieder gefahrlos betreten zu lassen.

In Parkanlagen finden sich viele Baumstandorte im Einflussbereich von Rasenflächen, führte Dipl.-Ing. Ulrike Niemann (Compo Expert, Münster) aus und schilderte Möglichkeiten für die gezielte Nährstoffversorgung sowohl von Rasenflächen als auch von Bäumen. In wegweisenden Großversuchen in enger Kooperation mit der BHT Berlin zur Baumernährung ist das Verständnis für den effizienten Einsatz von Mineraldüngern, Bodenbakterien und Bodenhilfsstoffen für Stadtbäume aufgeklärter, müsste nur in der Pflegepraxis zu mehr Anwendung kommen. Dies sei mit einer der Erfolgsgaranten für die Resilienzsteigerung des Stadtgrüns im Klimawandel und für ein erfolgreiches Parkpflegemanagement von stark frequentierten Grünanlagen.

Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion zu den Herausforderungen der Parkpflege in Zeiten knapper Kassen. Dabei wurden sowohl die Fachlichkeit als auch die auskömmliche Finanzierung angemahnt. Nach einem spannenden Forumstag im Grünen waren sich viele Teilnehmer einig, dass Baumsymposien am Ort des Geschehens einen besonderen Reiz haben.

Hartmut Balder und Osama Ahmad

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