Der Kommentar

Bilder sagen mehr als tausend Worte

von

Die Sprache des Ingenieurs ist die Zeichnung. Alles, was auf den Baustellen hergestellt wird, jedenfalls, wenn es etwas komplizierter ist, wird zunächst gezeichnet. Für den Kunden, damit er sehen kann, was er bekommt und für jene, die bauen, damit sie wissen, wo genau der Pin eingeschlagen werden muss. Manchmal müssen die Auftragnehmer erst Werkpläne, zum Beispiel für Holz- oder Betonbau anfertigen, damit die Leistung überhaupt umgesetzt werden kann. Keine Frage, ohne Zeichnungen und Abbildungen kommen wir in der Bauwelt nicht aus.

Bei der Pflege und Instandhaltung von Freianlagen sieht es bisher ganz anders aus: So etwas Einfaches wie Rasenmähen wird bisher nur über die Zahl der Mähgänge definiert. So glaubt mancher Wohnungswirt immer noch, dass sich die Kosten leicht senken lassen, wenn statt zwölf nur noch acht Mähgänge beauftragt werden. Jeder Fachmann weiß jedoch, dass dies nicht unbedingt Kosten spart, weil der Aufwand pro Gang höher wird, zudem sinkt die Qualität der Rasennarbe.

Nun hat die FLL bereits Ende 2016 den Bildqualitätskatalog Freianlagen (BK Frei), der Fachwelt zur Verfügung gestellt. Ein System der Leistungsbeschreibung, welche es in den Niederlanden schon seit 15 Jahren gibt und das von fast allen Kommunen angewendet wird. Der BK Frei ist eine Sammlung von rund 200 Bildqualitätsmaßstäben, mit denen vor allem Laien die Leistung besser verstehen können, weil alles in Bildern dargestellt wird. Ein Bild macht sehr viel deutlicher, wie es aussieht, wenn beim Rasenmähen das Ausputzen der Ränder vergessen wird oder Schnittgut auf dem Weg liegen bleibt. Klar, bei Ihnen kommt das nie vor, bei anderen aber schon. So vermittelt ein Bild als Kommunikations-Instrument auch was eine hohe und was eine nicht so hohe Qualität der Leistung bedeutet.

Was viele jedoch übersehen, ist, dass der BK Frei auch genau definierte und messbare Leistungsvorgaben macht. Leistungsvorgaben, die nicht auf das Niveau acht statt zwölf Gänge zielen, sondern das Qualitätsziel, den Output der Leistung, wie die Höhe der vergessenen Rasenkante, die Menge des Schnittgutes auf dem Weg oder die Narbendichte messbar definieren. Wie oft der Auftragnehmer den Rasen mäht und mit welchen weiteren Leistungen er dieses Ziel erreicht, bleibt seine Entscheidung.

Damit hat der Unternehmer ein höheres Risiko zu tragen, da er selber bestimmen muss, wie das vorgegebene Qualitätsziel erreicht werden kann. Die ersten Unternehmer rufen schon "Skandal" oder "Ausbeutung", weil sie dieses Risiko nicht tragen wollen. Solche Verträge sind aber immer Risiko und Chance zugleich. Und die Chancen sind vielfältig, zum Beispiel weil der gut organisierte Betrieb hier sein Know-how ausspielen kann, weil jene die sich schon immer mit schwacher Leistung durchgemogelt haben, bestraft werden. Wer sich hier zutraut, selbst die Pflege und Instandhaltung wirtschaftlich nach vorgegebenen Qualitätszielen zu optimieren, wird der Gewinner sein. Wenn Sie dazu zählen wollen, trauen Sie sich. Die Pflege nach Bildern wird kommen, weil es viele Vorteile hat.

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 12/2018 .

http://jobs-in-gruen-und-bau.de/index.php?id=123&tx_patzerboerse_paboeplugin[division]=2&tx_patzerboerse_paboeplugin[unterthemen]=317&no_cache=1