BIM-Methodik
Der Turbo für die Wertschöpfung im Landschaftsbau
von: Dipl.-Ing. Hans-Gerhard Voß
Kleine und mittlere Unternehmen empfinden diese Vielfalt oft als komplex und überwältigend. Das kann leicht abschreckend wirken. Die wirtschaftliche Unsicherheit verstärkt zusätzlich die Zurückhaltung gegenüber neuen Technologien und den damit verbundenen Investitionen und führt oft dazu, dass Unternehmen an aus ihrer Sicht bewährten Arbeitsweisen festhalten. Sie verpassen aber die Chance auf bessere Effizienz durch Nutzung dieser modernen Innovationen.
Die Frage lautet aber – Wie lässt sich die Digitalisierung praxisnah und ohne unnötige Risiken in den Arbeitsalltag integrieren und welche digitalen Lösungen bieten branchenübergreifend den größten Mehrwert für mein Unternehmen?
Für klare Antworten sollte der Blickwinkel auf diese Fragestellung verändert werden. Im Mittelpunkt sollten nicht einzelne Softwarelösungen stehen, sondern die Frage welche Prozesse und Organisationsstrukturen lassen sich mit dem aktuellen Stand der Digitalisierung optimieren. Wo liegen die größten Potenziale im Unternehmen?
BIM als Handlungsrahmen für Digitalisierungsprozesse
BIM steht für Building Information Modeling und beschreibt eine digitale Arbeitsmethodik für die Planung, den Bau und den Betrieb von Bauwerken. Eine Idee, eine Vision, die der Gesetzgeber bereits 2021 eingeführt hat. BIM zielt im Grunde auf ganzheitliches Denken, die effiziente Verbindung von Mensch, Prozess und Werkzeug. Nicht auf punktuelle Software-Lösungen bezogen, sondern auf Datenintegration statt Insellösungen.
Planung, Bau und Betrieb werden als durchgängiger Prozess betrachtet. Auf dieser Grundlage basieren sämtliche Investitionsentscheidungen. Die Implementierung dieser Methodik in die Wertschöpfungskette im Garten- und Landschaftsbau bietet im komplexen Umfeld der Digitalisierung damit auch für kleinere und mittlere Unternehmen einen verlässlichen Rahmen.
Die Methodik BIM nimmt dabei die Rolle eines digitalen Organisationswerkzeugs ein, welches die Arbeit über eine Vereinfachung und Optimierung sämtlicher unternehmerischer Prozesse grundlegend erleichtert.
Wie BIM für den Garten- und Landschaftsbau nutzbar gemacht werden kann, wurde im Rahmen einer Bachelorarbeit an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden herausgearbeitet. Dabei wurde besonders beleuchtet, welche Potentiale sich im Betrieb durch BIM-Einführung ergeben können. Diese Potentiale wurden entlang der Wertschöpfungskette analysiert und dargestellt, um einen möglichst hohen Bezug zur Praxis zu gewährleisten.
BIM fungiert auf mehreren Ebenen als übergeordnetes Informationsformat für alle beteiligten Projektpartner, wie etwa Ingenieure, Architekten oder Landschaftsgärtner. In der Planungsphase werden alle Bestandteile eines Projekts dreidimensional geplant, modelliert und referenziert. Im weiteren Verlauf werden diese Daten interdisziplinär auf einer gemeinsamen Plattform zusammengeführt und zu einem 3D-Modell vereinigt.
Resultierend enthält dieses Modell nicht nur geometrische Informationen, sondern auch sämtliche relevanten Hintergründe und Anwendungshinweise zu den jeweiligen Bausteinen und Arbeitsschritten.
Entlang der gesamten Wertschöpfungskette innerhalb einer Projektumsetzung kann BIM zur Optimierung der prozessualen Zusammenarbeit sowie Kosteneffizienz beitragen und Fehler minimieren. Darunter fallen der Einkauf und die Lagerung, die Planung und Ausführung, der Projektabschluss, das Marketing, die Kundenbetreuung sowie die Pflege.
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BIM verbindet – Effizienz entlang der Wertschöpfungskette
Jede Baustelle ist ein Unikat und bedingt davon abhängige Einkaufsstrategien und Formen der Lagerhaltung und Bevorratung. Die Spannbreite reicht von einer bedarfsgerechten Beschaffung "on demand" bis hin zur umfangreichen Materialbevorratung – abhängig von den räumlichen Kapazitäten des jeweiligen Unternehmens. Die Beschaffung steht dabei in enger Beziehung zur Planung und Kalkulation.
Die Faustregel lautet: Je präziser geplant und kalkuliert wird, desto gezielter kann eingekauft und bereitgestellt werden. Unproduktive Zeiten stehen in direktem Zusammenhang mit der Verfügbarkeit von Material und Maschinen.
Durch die Nutzung von BIM-Strategien entstehen in diesem Bereich neue Chancen und finanzielle Handlungsspielräume. Mit der Option eines dreidimensional dargestellten Modells und der damit einhergehenden Festlegung von Koordinaten, kann beispielsweise der eigene Lagerplatz des Unternehmens nun digital abgebildet werden.
Alle Güter, die im weiteren Verlauf beschafft beziehungsweise benötigt werden, können nun dort digital hinterlegt werden. Dabei wird nicht nur der Name des Produktes vermerkt, sondern, wie bei BIM typisch, jegliche Informationen, welche mit dem Produkt in Verbindung stehen. Dazu gehören beispielsweise technische Daten wie die Maße, das Gewicht oder das Volume aber auch Hinweise wie Produktnummer, Hersteller, Kaufdatum oder Garantien.
In der Planungs- und Umsetzungsphase kann dann ohne größeren Aufwand auf diese Informationen zugegriffen werden, um die Material- sowie Restbestände aus dem Lager ressourcenorientiert in die laufende Nutzung miteinzubeziehen. Der Einkauf wird dadurch digital mit dem Unternehmen verknüpft und schafft somit eine bessere Übersicht über das gebundene Kapital im Lager.
BIM in der Kundenberatung, Planung und Ausführung
Innerhalb dieser Aktivität ergeben sich durch die Einführung von BIM einige vorteilhafte Veränderungen im Vorgehen. Die Aufnahme der topografischen Gegebenheiten erfolgt unter der Nutzung von BIM insgesamt digitaler als bei traditionellen Vermessungstechniken.
Digitale Messmethoden wie ein 3D-Laserscanning, Photogrammetrie oder Roverstäbe spielen dabei tragende Rollen und ermöglichen eine zeiteffiziente Erfassung von Daten in Kombination mit einer millimetergenauen Bestandsaufnahme des Grundstücks. Dies ist dahingehend auch wichtig, da meistens im Bestand gebaut wird und der vorhandene Baugrund mit allen geologischen Unwägbarkeiten einer der wichtigsten Bestandteile im Garten- und Landschaftsbau darstellt.
Auf Basis dieser gesammelten und zusammengeführten Messdaten entsteht im ersten Schritt eine Arbeitsgrundlage für die Erstellung des dreidimensionalen Modells mit allen zu beachtenden Umgebungskontexten. Im Vergleich zu klassischen Messverfahren können topografische Gegebenheiten, exakte Koordinaten, komplexe Oberflächen und Objekte detaillierter aufgenommen und dargestellt werden.


Im Gegensatz zu einer konventionellen 2D-Planung erfolgt die Visualisierung und des Bestandmodells direkt unter Verwendung der exakten Daten in einem dreidimensionalen Raum. Unter der Anwendung von BIM werden folglich komplexe 3D-Informationsträger erschaffen und in einem zentralen Informationsmodell vereint – dem digitalen Zwilling.
Dadurch entsteht neben einem anschaulichen Modell auch die Grundlage für realistische Simulationen, bautechnische Darstellungen und ökologisch praktikable Lösungsansätze. Eine realistische mitlaufende Kostenschätzung bereits in dieser Arbeitsphase erleichtert die Kommunikation zwischen Auftraggeber und Unternehmen.
Zusätzlich können beispielsweise komplexe Regensimulationen über das digitale Modell schnell nachvollzogen werden. Durch die Verwendung der genauen Koordinaten oder individuelle Vorgaben lassen sich realitätsgetreue Sonnenstände im Tagesverlauf darstellen und bilden dadurch die Grundlage einer überlebensfähigen Bepflanzung.
Verschiedenste Simulation wie beispielsweise Sichtbeziehungen, Wind oder Wasserablauf sind bei zukünftigen Baumaßnahmen nicht nur ein Wettbewerbsvorteil, sie vermeiden auch Planungs- und Baufehler. Abgesehen von den vielseitigen Simulationen, werden in der BIM basierenden Planungsmethodik auch bauchtechnische Informationen erzeugt.
Durch die dreidimensionale Arbeit mit vordefinierten Bauteilen, werden automatisch und rechtssicher dazugehörige Schichtaufbauten simuliert und berechnet. Ein weiterer praktischer Vorteil: bei einer gesamtheitlichen Planung erfolgt die "Kollisionsprüfung" automatisch, es werden Überschneidungen zwischen Bauteilen verschiedener Bauelemente früh erkannt – und das bevor sie auf der Baustelle zu teuren Problemen führen. Das spart Zeit, Kosten und vermeidet unnötige Nacharbeiten.
Im Umweltschutz birgt die umfassende Datenerhebung und -auswertung mittels BIM ein großes Potenzial. Umweltleistungen sowie relevante Vorhersagen zu ökologischen Entwicklungen lassen sich grafisch visualisieren und dienen als Argumentationsgrundlagen für grüne Lösungen im Sinne der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung.
Beispielsweise können Bäume mit Informationen zu deren individueller CO2-Bindung, Sauerstoffproduktion, Transpiration oder Kühlleistung belegt werden. So können die ökologischen Einflüsse und Auswirkungen verschiedener Bauelemente oder Bepflanzungen auch für Laien anschaulich dargestellt und verdeutlicht werden.
All diese Informationen werden bereits in der Planung verarbeitet, dadurch wird die Kalkulation genauer und der Einkauf optimiert. Bestellung auf ungefähren Schätzungen lassen sich vermeiden und drücken somit im Umkehrschluss die Kosten des Projektes.
Die Bauabwicklung verändert sich
Der Plan ist mehr als nur eine Zeichnung – er wird zum zentralen Informationswerkzeug. Ausführende Mitarbeiter erhalten nicht nur die Geometrie, sondern alle relevanten Daten direkt im Modell: Maße, Materialien, Einbauhinweise und sogar Zeitpläne. Das erleichtert das Verständnis, reduziert Rückfragen und sorgt für einen reibungsloseren Ablauf auf der Baustelle.
Die Möglichkeit, das Modell aus allen Blickwinkeln und Perspektiven zu betrachten, schafft Transparenz und reduziert Missverständnisse. Im Vergleich zu klassischen 2D-Plänen lassen sich Details deutlich besser nachvollziehen, was die Kommunikation zwischen den Beteiligten erheblich erleichtert. Alle Ziele, Ideen und Absichten des Prozesses sind klar visualisiert und im Modell anschaulich dargestellt.
Ein weiterer überzeugender Mehrwert von der für BIM typischen, millimetergenauen 3D-Vermessung und die damit verbundene Registrierung relevanter topografischer Gegebenheiten des Grundstücks entsteht im Bereich der Bodenbearbeitungen. GPS-Daten in Verbindung mit Aushubtiefen können mittels intelligenter Maschinensteuerungen eingelesen werden und dem zuständigen Maschinisten eine genaue Visualisierung der Baugrube zur Verfügung stellen.
Zusätzliche Potenziale bringt die Nutzung von BIM im organisatorischen und operativen Bereich auf der Baustelle. Durch die verbesserte Kommunikation aller an Planung, Bau und Verwaltung Beteiligten. Das Ergebnis ist ein deutlich präziserer Ablauf- und Zeitplan für das gesamte Projekt. Zusätzlich sorgen frühzeitige Kollisionsprüfungen und Simulationen dafür, dass Fehlerquellen minimiert und kostspielige Rückbauten weitgehend vermieden werden.


Mehr Wert aus Pflege und Unterhaltung – durch intelligente BIM-Daten
Durch die im BIM-Prozess gesammelten Daten wird das Modell damit zum zentralen Werkzeug für das Erhaltungsmanagement, die notwendigen Schritte zur Pflege und Instandhaltung werden systematisch integriert. Pflegepläne lassen sich nicht nur objektiv gestalten, sondern werden nahtlos mit dem Projekt verknüpft. Über detaillierte Unterpunkte entstehen klare Strukturen, die konkrete Maßnahmen präzise definieren und gezielt zuordnen. So wird aus der Planung ein transparentes, gut organisiertes System, das für Effizienz und langfristige Qualität sorgt.
Abrechnung und Controlling
Durch die gebündelte Informationsverarbeitung über eine zentrale Schnittstelle kann der Auftraggeber jederzeit Einblicke in den Projektzustand erhalten. Ein zusätzlicher Vorteil für den Projektabschluss ist mit BIM dadurch gegeben, dass schon während des Planungs- und Erstellungsprozesses viele aktualisierende Informationen ausgetauscht wurden, die das Risiko von potenziellen Missverständnissen bezüglich des Endergebnisses verringern.
BIM-Controlling bedeutet auch, den gesamten Projektfortschritt auf Basis des digitalen Modells zu überwachen und aktiv zu steuern. Dabei stehen mehrere zentrale Aspekte im Vordergrund: Durch die direkte Mengenermittlung aus dem Modell entsteht eine hohe Kosten- und Mengentransparenz, die präzisere Kalkulationen ermöglicht und Nachträge leichter nachvollziehbar macht.
Ein kontinuierlicher Soll-Ist-Vergleich erlaubt es, Fortschritt und Kosten in Echtzeit mit der Planung abzugleichen. So fungiert BIM als Frühwarnsystem, das Abweichungen frühzeitig erkennt und rechtzeitiges Gegensteuern ermöglicht. Ergänzend sorgen Dashboards und Kennzahlen für eine klare Visualisierung, die sowohl der Projektleitung als auch dem Auftraggeber jederzeit einen transparenten Überblick bietet.
Die modellbasierte Datenstruktur macht die Abrechnung deutlich effizienter und transparenter. Mengen wie Stückzahlen, Flächen und Volumen werden automatisch aus dem digitalen Modell ermittelt, wodurch manuelle Berechnungen entfallen und Fehler reduziert werden.
Darüber hinaus können Positionen aus dem Leistungsverzeichnis direkt den jeweiligen Bauteilen zugeordnet werden, was die Nachvollziehbarkeit erheblich steigert. Jede Abrechnung ist lückenlos dokumentiert und basiert auf dem Modell, sodass ein klarer und objektiver Nachweis entsteht und sich die Abrechnung nahtlos in bestehende Prozesse integrieren lässt.

Zusammenfassung
Während die digitale Arbeitsmethodik ursprünglich vor allem im Hoch- und Tiefbau implementiert wurde, zeigt sich zunehmend, dass BIM auch in anderen Baubranchen wie dem Garten- und Landschaftsbau Einzug hält. Insgesamt hat sich gezeigt, dass BIM im Landschaftsbau vielseitig einsetzbar ist und ein enormes Potenzial birgt.
Dabei liegt der Nutzen nicht nur in der Planung und Erstellung eines übersichtlichen 3D-Modells, sondern zieht sich durch alle Bereiche der Wertschöpfungskette und spiegelt damit die Bandbreite der Anwendungsfelder für die Branche wider. Fehler in der Planungsphase können frühzeitig identifiziert und korrigiert werden, Bauprozesse gestalten sich durch eine optimierte, transparente Kommunikation zeitlich effizienter und reibungsärmer.
Besonders bei komplexen Bauprojekten in kupiertem Gelände sowie in der interdisziplinären Zusammenarbeit mit vielen Projektpartnern und beteiligten Akteuren zeigt BIM sein größten Potenzial. Für die flächendeckende Partizipation der Betriebe im Garten- und Landschaftsbau, insbesondere der kleineren und mittelständischen Unternehmen, sollte eine transparente Kommunikationsebene als Voraussetzung geschaffen werden, die die Fachkräfte aus der Praxis zu Technologieoffenheit animiert und diese auch bei einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der digitalen Arbeitsmethodik einbezieht.
BIM kann dabei ebenfalls als wertvolle Option betrachtet werden, um alltägliche, traditionelle Arbeitsweisen kritisch zu beleuchten und gegebenenfalls effektiver zu gestalten. Viele gut ausgebildete Zeichner der 80er-Jahren arbeiteten zunächst schneller mit der Hand als mit einem neu eingeführten CAD-Programm.
Unter den oben genannten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung konnte jedoch durch kontinuierliches Üben und Probieren der Mehrwert eines CAD-Programms schnell erfasst und eine Akzeptanz für die einst neue, ungewohnte Arbeitsmethode geschaffen werden.
Schließlich ersetzte CAD flächendeckend das manuelle Zeichnen von Plänen und konnte als erfolgreich eingeführte Arbeitserleichterung gewertet werden, die heute nicht mehr in Frage gestellt wird. Eine vergleichbare Historie, im Sinne einer brancheninternen sowie –übergreifenden Nutzung aus Überzeugung für die vielseitigen Potenziale, ist auch BIM zuzutrauen.
Dieser Artikel basiert in wesentlichen Inhalten auf der Bachelorarbeit "BIM- Planungsmethodik unter dem Blickwinkel der Wertschöpfungskette im Landschaftsbau" von Rico Gold Jaudas, die an der HTW Dresden 2025 verfasst und durch Prof. Dr.-Ing. Henning Günther und mir betreut wurde.










