BOKU-Projekt GLASGrün reduziert solare Einstrahlung um 90 Prozent

Nachrüstbare Begrünungssysteme für Glasfassaden präsentiert

Der steigende Energieverbrauch durch überhitzte Gebäude, vor allem mit großflächigen Glasfassaden, stellt Städte zunehmend vor klimatische, ökologische und wirtschaftliche Herausforderungen. Ein Forschungsteam um Rosemarie Stangl vom Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien hat im Rahmen des Projekts GLASGrün gemeinsam mit Partnern innovative, vertikale Begrünungssysteme zur Vorverschattung von Glasfassaden entwickelt und erfolgreich getestet.
Universität für Bodenkultur (BOKU) Bauwerksbegrünung
Mit standortangepassten Kletterpflanzen sowie eigens konzipierte Kletter- und Rankhilfen können Glasflächen im Sommer effektiv verschattet werden. Foto: BOKU Wien

Im Fokus von GLASGrün steht die Entwicklung nachrüstbarer Begrünungssysteme für erd- bis eingeschossige Glasfassaden, wie sie typischerweise bei Büro- und Gewerbebauten zu finden sind.

Sorare Einstrahlung um über 90 Prozent reduziert

Durch standortangepasste Kletterpflanzen sowie eigens konzipierte Kletter- und Rankhilfen sollen Glasflächen im Sommer (Juni bis September) effektiv verschattet werden mit dem Ziel, die Oberflächentemperaturen zu senken, das Raumklima zu verbessern und den Kühlbedarf spürbar zu reduzieren. "Pflanzen sind wahre Alleskönner, wenn es um die Anpassung an den Klimawandel geht. Sie verbessern nicht nur das Mikroklima und die Luftqualität, sondern tragen aktiv zur Energieeffizienz von Gebäuden bei", erklärt Projektleiterin Prof. Dr. Rosemarie Stangl.

Anhand zweier realisierter Demonstrationsobjekte – dem MPREIS Bistro Söll in Tirol (in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Rataplan Architektur Zt GmbH) und dem Büroobjekt TB Obkircher in Wien (in Zusammenarbeit mit lichtblauwagner Architekten) – wurde das Projekt getestet. Dabei zeigten sich eindrucksvolle Ergebnisse: "Schon im dritten Standjahr lag die pflanzliche Deckung bei über 90 Prozent, die solare Einstrahlung auf die Glasflächen konnte im Sommer somit um mehr als 90 Prozent reduziert werden. Ergänzende Messungen belegen auch eine Erhöhung der Luftfeuchtigkeit um rund 10 Prozent: ein entscheidender Beitrag zur Verbesserung der thermischen Behaglichkeit", so Stangl.

NL-Stellenmarkt

Relevante Stellenangebote
Referenten Landschaftsgärtnerische Fachgebiete in..., Bad Honnef  ansehen
Gärtner oder Vorarbeiter für Grünpflege (m/w/d), Düsseldorf-Garath,...  ansehen
Sachbearbeitung Landschaftsplanung (m/w/d) in..., Frankfurt am Main  ansehen
Alle Stellenangebote ansehen
Universität für Bodenkultur (BOKU) Bauwerksbegrünung
In Österreichs Hauptstadt Wien und in Söll in Tirol, wurde das Projekt getestet. Auch von außen sind die Konstruktionen eine Augenweide. Foto: BOKU Wien

Erstmals Grünverschattungsfaktor quantifiziert

Erstmals konnte aus den erhobenen Daten ein sogenannter Grünverschattungsfaktor (Fbs) abgeleitet werden. Dieser macht den Verschattungseffekt durch Pflanzen quantifizierbar und vergleichbar mit konventionellen, technischen Sonnenschutzsystemen. Damit schafft GLASGrün die Basis, um Bauwerksbegrünung künftig in energetischen Gebäudeausweisen und Planungsrichtlinien zu berücksichtigen.

GLASGrün ist eingebettet in eine Forschungsinitiative des BOKU-Institutes für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau. Sie widmet sich der Messbarmachung von Begrünungseffekten. Dazu gehören auch die Projekte HEDWIG und MARGRET. In ihnen werden bestehende Vertikalbegrünungen sowie Dachbegrünungen analysiert und unter dem Lead von IBO in standardisierten Prüfboxen die Wirkungen junger Grünsysteme auf das Raumklima und die Gebäudehülle untersucht. Dabei entsteht eine fundierte Datengrundlage, um Begrünung künftig systematisch in Planungs-, Bau- und Energieprozesse zu integrieren.

"Bauwerksbegrünung ist keine ästhetische Spielerei"

"Bauwerksbegrünung ist nicht nur eine ästhetische Spielerei, sondern ein entscheidendes Element für zukunftsfähige Architektur", unterstreicht Stangl. "Mit messbaren Effekten auf die solare Einstrahlung, Luftfeuchtigkeit und Innenraumsituation ist vertikales Grün ein wirksames Mittel gegen urbane Überhitzung – und ein aktiver Beitrag zu mehr Lebensqualität in unseren Städten." Die Kennwerte von GLASGrün werden zur praktischen Verwendung in einem Leitfaden zusammengefasst.

Das Projekt GLASGrün wurde gefördert vom österreichischen Bundesumweltministerium sowie der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Programm "Stadt der Zukunft".

cm/ BOKU Wien

Ausgewählte Unternehmen
LLVZ - Leistungs- und Lieferverzeichnis

Die Anbieterprofile sind ein Angebot von llvz.de

Redaktions-Newsletter

Aktuelle GaLaBau Nachrichten direkt aus der Redaktion.

Jetzt bestellen