Der Kommentar

Braucht der Landschaftsbau Ingenieure?

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Wie jedes Jahr im Sommer, coronabedingt in diesem Jahr etwas später, tauschen sich auf verschwiegenen Kanälen die Hochschullehrer unserer Zunft aus, wie denn so die Zahlen der Erstsemester sind. Zusammenfassend kann man es kurz machen: Sie sind schlecht. Zum Teil so schlecht, dass sich die verantwortlichen die Sinnfrage gefallen lassen müssen. Die Älteren unter den Lesern, die noch die Zeiten kennen, wo der Numerus clausus bei 1,3 oder über 10 Semester Wartezeit lag, werden sich jetzt vielleicht die Augen reiben und fragen, was hat sich geändert?

In den letzten 30 Jahren wurde das Angebot an Studienplätzen deutlich vergrößert. Zum einen sind viele neue Standorte und neue Studiengänge wie zum Beispiel Umweltingenieurwesen, Raumplanung oder andere dazugekommen. Zum anderen sind die Aufnahmekapazitäten als Teil einer Akademisierungsstrategie der Bundesregierung deutlich erhöht worden. Auch wenn die Vergleiche, wegen unseres dualen Berufsbildungssystems hinken, ist Deutschland eher Schlusslicht was die Akademisierungsquote betrifft. Diese meint den Anteil eines Jahrganges der einen akademischen Abschluss erreicht.

Geändert haben sich wohl auch die Vorstellungen der Studienplatzbewerber. Während vor 30 Jahren aktiver Umwelt- und Naturschutz durchaus als eigene berufliche Erfüllung gesehen wurde, wird der im gesellschaftlichen Meinungsbild fest verankerte Umwelt- und Klimaschutz weniger als eigene berufliche Laufbahn gesehen. Bio kaufen, Pappbecher meiden aber innerdeutsch Business Fliegen und Urlaub in Vietnam, spiegelt die Bedürfnisse junger Menschen heute eher wieder. Ein hochbezahlter Job ist für viele eher der Ansporn für ein schweres Studium. Der Landschaftsbau als Branche kann diese größer werdende Gruppe zurzeit nicht erreichen. Die meisten finden den Zugang nur über Freunde, Bekannte und Verwandte oder doch mal durch die Lust selber zu bauen, was ja auch wirklich Spaß macht.

Für den Landschaftsbau als Studienfach zeigt sich aber auch, dass das Wachstum der Branche nicht in gleicher Weise Bedarf an Ingenieuren auslöst. Einige Hochschulstandorte haben sogar eigene spezielle Studienangebote für den Landschaftsbau entwickelt, um auch die Akademisierung im Landschaftsbau zu ermöglichen. Diese werden auch nachgefragt, aber eben zu wenig. Besonders deutlich zeigt sich das bei der Akzeptanz des Masterabschlusses. Bachelor-Absolventen berichten unisono, dass Betriebsinhaber insistierend vom Masterabschluss abraten. In der Bauindustrie werden dagegen Stipendien für das Masterstudium gezahlt. Auch weil für die Bauwirtschaft der gut ausgebildete Ingenieur Teil der Zukunftssicherung ist.

Auch wenn sich der Berufstand zwar grundsätzlich zur Ingenieurausbildung bekennt, sogar neue Standorte entwickeln möchte, fehlt in den Betrieben und Strukturen des Landschaftsbaus ein grundsätzliches Bekenntnis. So ist zu befürchten, dass die Chance der Etablierung einer Ingenieurausbildung im Landschaftsbau ungenutzt bleibt und Aufträge die eine ingenieurmäßige Bearbeitung erfordern, sei es durch funktionale Ausschreibungen, Verlagerung der Werkplanung zum Auftragnehmer, BIM oder andere hohe Komplexität, bald von anderen Ingenieuren bearbeitet werden.

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 10/2020 .

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