BuGG-Fachkongress in Berlin:

Bestandsgebäudegrün: Potenzial in Städten geringer als gedacht

Mit Bestandsgebäudegrün, also der nachträglichen Begrünung von Gebäuden, beschäftigte sich Anfang Mai ein Fachkongress des Bundesverbands Gebäudegrün (BuGG) in Berlin. Gerade in Großstädten mit einem großen alten Gebäudebestand rückt die Begrünung immer mehr in den Fokus des Interesses. Neben BuGG-Präsident Gunter Mann waren auch BGL-Präsident Thomas Banzhaf und der Präsident des Dachdeckerhandwerks Dirk Bollwerk erschienen.
Fassadenbegrünung Bauwerksbegrünung
Angeregte Diskussion (v.l.n.r): Moderator Peter Menke, Prof. Dr.-Ing. Matthias Kaiser, Verbraucherberaterin Andrea Wegner und Architektin Ana Carolina Bianchin. Foto: BuGG

Höchstens 14 bis 29% der Bestandsdächer geeignet

Doch Prof. Dr.-Ing. Matthias Kaiser von der Technischen Universität Dortmund zog den Anwesenden den Zahn, dass in den Kommunen ein unermessliches Potenzial zur Gebäudebegrünung stecke. Höchstens 14 bis 29 Prozent der Bestandsdächer eigneten sich tatsächlich für eine qualifizierte Begrünung, so der Professor. Herausgefunden hat er das mit dem Dachbegrünungs-Potenzial-Kataster (DBPK). Es wird mit Daten der Fernerkundung und Luftbildauswertung gefüttert. Die Dächer können dann nach Dachneigung, Bauweise und Dacheindeckung systematisch auf ihre Eignung zur Begrünung bewertet werden.

Zwar sind laut Kaiser Dachneigungen von 0-15° und 0-30° zur Begrünung geeignet. Doch Skelettbauweisen und alte Dachstühle sowie Dacheindeckungen aus Metall, Faserzement, Dachziegeln und Glas sind nicht geeignet. Das gilt auch für Flächen, die einst als Dachterrassen gebaut wurden. Die Folge: Das Dachbegrünungspotenzial in den von ihm untersuchten Referenzgebieten reduzierte sich deutlich. In Gebieten, die von Gewerbe und suburbanem Wohnen geprägt sind von zunächst angenommenen 89 Prozent auf 14 Prozent und in innerstädtischen Wohn- und Mischgebieten von angenommenen 71 Prozent auf 29 Prozent. Das könne nicht linear auf eine Gesamtstadt übertragen werden. Doch klar sei, dass es "deutlich reduzierte Potenziale vor allem im Gewerbe" gebe.

Ergebnisse können bei Eigentümeransprache helfen

Die empirischen Ergebnisse seiner Forschung zum Dachbegrünungspotenzial könnten eine Grundlage für die Fokussierung und Priorisierung bei der Information und Ansprache von Eigentümern im Rahmen von Initiierungsberatung und staatlicher Förderung bilden. Anwendbar sei das Dachbegrünungs-Potenzial-Kataster (DBPK) auch für eine behördeninterne synergetische Verknüpfung von Dachbegrünungsprogrammen mit Stadterneuerung oder Stadtentwässerung.

Die Sicht der Endverbraucher auf die Gebäudebegrünung schilderte Andrea Wegner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie wertete 250 komplexe Fragen von Hauseigentümern in ihrer Beratungspraxis aus, die in Online-Seminaren, per E-Mail oder auf Facebook an sie herangetragen wurden. Die Mehrzahl der Fragen konzentrierte sich auf Garagendächer (knapp 50%). Etwa 30 Prozent der Fragen bezogen sich auf Wohngebäude. Rund 10 Prozent fragten nach Grün auf Gartenhäusern oder sonstigen kleinen Flächen. Unter 10 Prozent lag der Anteil zu Fragen nach Carports.

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Das Publikum folgte den Referaten mit großem Interesse. Foto: Stephan Schirra

Sicht der Endverbraucher auf die Gebäudebegrünung

74 Prozent der Fragen bezogen sich auf Flachdächer, 26 Prozent wollten zu Schrägdächern beraten werden. Die meisten Verbraucher suchten Informationen zu extensiven Dächern. Intensiv genutzte Gründächer wollten nur 3 Prozent anlegen. Für Solargründächer interessierten sich 13 Prozent der Fragesteller, für Retentionsdächer gerade noch 1 Prozent, für Biodiversitätsdächer gar keiner.

94 Prozent der von Verbrauchern nachgefragten Fassadenbegrünungen bezogen sich auf bodengebundene Begrünungen. Lediglich 4 Prozent der Fragen drehten sich um wandgebundene Fassadenbegrünungen. Mooswände interessierten sogar nur 2 Prozent der Endverbraucher. Bemängelt wurden von den Verbrauchern, dass im regionalen Handel wichtige Materialien zur Bauwerksbegrünung für Do-It-Yourself-Anwender kaum zur Verfügung standen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat deshalb mit dem Einzelhandel Gespräche aufgenommen.

Im Denkmalschutz Unsicherheiten bei Genehmigungen

Mit den Genehmigungen von nachträglichen Dach- und Fassadenbegrünungen im Wohnungsbestand hat sich die Architektin Ana Carolina Bianchin in ihrer Masterarbeit beschäftigt. Dazu wälzte sie nicht nur wissenschaftliche Literatur und staatliche Förderprogramme, sondern befragte auch Ämter und ausführende Betriebe. Dabei stellte sie fest, dass die Grundlagen der Erteilung von Genehmigungen für Gebäudebegrünungen oft unklar waren. Ablehnungen von Fassadengrün gab es beispielsweise wegen der Gehwegbreite. Je nach Stadt gibt es einfache Prozesse aber auch stark bürokratische und geringe Kooperation.

Als wichtig im Genehmigungsprozess hat sich laut Bianchin die Zustimmung von Nachbarn zur Gebäudebegrünung erwiesen. Was wohl auch wichtig ist, denn es gibt Anforderungen zur Grenzwand, zur Nachbarwand, zum Überbau und zu Abstandsflächen. Ihr Fazit: Besonders im Denkmalschutz gibt es Unsicherheiten im Genehmigungsverfahren. Entsprechend groß sind die subjektiven Einschätzungen der Behörden. Im Straßenraum gibt es erhebliche Unterschiede der Instrumente und der Effizienz von Genehmigungsverfahren zwischen Städten. Die gesetzlichen Bestimmungen sind oft schwer verständlich, Fassadenbegrünungen sind wegen rechtlicher Unklarheiten besonders problematisch. cm

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