Schwammstadt, klimaresiliente Bäume und Pocket Parks

Bundesbauministerium legt grün geprägte Innenstadtstrategie vor

So wie das Zentrum von Halle (Saale) sehen viele deutsche Innenstädte aus: Es gibt nur wenig grüne und beschattete Freiräume. Foto: Christoph Radtke, Wikimedia Commons, CC BY 3.0

Der "Beirat Innenstadt" beim Bundesbau- und Innenministerium hat Ende Juli eine vom Stadtgrün geprägte Innenstadtstrategie vorgestellt. Das unter dem Vorsitz von Bau-Staatssekretärin Anne Katrin Bohle und unter Mitwirkung des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA) entstandene Papier hebt in zwei umfangreichen Abschnitten die Notwendigkeit und Maßnahmen zur Förderung des lebendigen Grüns hervor.

Grünflächen haben an Bedeutung gewonnen

"Grün- und Freiflächen im direkten Wohnumfeld haben stark an Bedeutung gewonnen", heißt es in der Innenstadtstrategie. "Noch nie war die 'grüne Erweiterung' der eigenen Wohnung so wichtig und der Druck auf städtische Grünflächen so groß." Trotzdem seien viele Innenstädte nur unzureichend mit grünen und beschatteten Freiräumen ausgestattet. "Dies stellt auch aufgrund der zunehmenden Erwärmung der Städte ein großes Problem dar."

Wenn mehr Menschen in den Innenstädten wohnen sollen, würden "mehr kleine, verteilte und wohnungsnahe Grünflächen" gebraucht. Zudem müssten "klimaresiliente Bäume mit ausreichend Wurzelraum" auf Plätzen und an innerstädtischer Fahrrad- und Verkehrswegen gepflanzt werden. Private Eigentümer sollten dazu motiviert werden, ihre vorhandenen Grünflächen, soweit das möglich sei, zu öffnen.

Erarbeiteten die Innenstadtstrategie: Anne Katrin Bohle (Bau-Staatssekretärin) ... Foto: BMI

... und Steffan Robel (Landschaftsarchitekt BDLA. Foto: A24

Ausbau klimaangepasster Räume forcieren

Die Schaffung neuer Grün- und Freiflächen auf ehemaligen Gewerbe- oder Verkehrsflächen sowie auf Dächern und an Fassaden sei in stark verdichteten Städten eine wichtige Aufgabe, so das Strategiepapier. Dort gebe es "einen erheblichen Umbau- und Gestaltungsbedarf". Auch Innenhöfe seien verstärkt zu begrünen. Zur Verzahnung von grüner, blauer und grauer Infrastruktur könnten Wasserläufe in Grünflächen integriert und Uferbereiche zugänglich gemacht werden. Gründächer könnten mit Solaranlagen kombiniert werden und so zu Standorten für erneuerbare Energien werden. "Der Ausbau von klimaangepassten Räumen muss forciert werden und Modelle wie die Schwammstadt oder die wassersensible Stadt mit biophiler Architektur, klimawandelgerechten Stadtbäumen, geringer Versiegelung, Gebäudebegrünung etc. weiter vorangetrieben und realisiert werden." Dazu gehörten innovative Lösungen für Grün auf knappem Raum, wie Mikro- oder Pocket Parks. Dabei sollten Freiräume für alle Bevölkerungsgruppen sicher und fußläufig zugänglich sein.

250 Millionen Euro für lebenswerte Innenstädte

Das Strategiepapier plädiert für multicodierte Flächen, um auch Sport, Bildung und Kultur Platz im Freien zu geben. Für die Pflege und den Unterhalt bestehender und neuer Grün- und Freiflächen möchte der "Beirat Innenstadt" auch Immobilieneigentümer, Anrainer, Unternehmen und Büros gewinnen. Neben Grünflächen in öffentlicher Zuständigkeit, könnten viele Private mit begrünten Fassaden und Dächern, Verschattungselementen sowie kleinen Gartenflächen zu einem gesunden Innenstadtklima beitragen.

Wie Bau-Staatssekretärin Bohle bekannt gab, reicht ihr Ministerium noch in diesem Jahr 250 Millionen Euro zur Förderung lebenswerter Innenstädte heraus. Bis zum 17. September können sich Städte und Gemeinden mit Projektvorschlägen um die Fördermittel bewerben. Dafür müssen "innovative Konzepte und Handlungsstrategien zur Stärkung der Resilienz und Krisenbewältigung" beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung eingereicht werden. Das Geld stammt aus dem Bundesprogramm "Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren".

Experimente in der Stadtentwicklung wagen

"Mit unserer Förderung unterstützen wir Städte und Gemeinden dabei, Neues auszuprobieren und Experimente in der Stadtentwicklung zu wagen, damit unsere Stadtzentren und Dorfkerne weiterhin attraktiv und lebenswert bleiben", sagte Bohle. Die Corona-Pandemie sei ein Stresstest für Innenstädte und Ortszentren. Als Herzstücke der Städte hätten sie jedoch in Teilen schon vor der Corona-Pandemie unter Druck gestanden. cm

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 08/2021 .

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