Traditionsgarten-Revival

Chelsea Flower Show: Strenge Schönheit im Aufwind

Kazuyuki Ishiharas "The Hospitality Garden" soll mittels einer traditionellen japanischen Pflanzmethode Gastlichkeit vermitteln. Foto: Herry Lawford, Flickr, (CC BY 2.0)

Zur 105. Chelsea Flower Show, der prestigeträchtigsten Gartenschau Großbritanniens, zog es auch in diesem Jahr wieder Blumenfreunde aus aller Welt. Im Herzen Londons erlebten die Besucher, unter denen sich wie immer auch die Queen befand, erneut die Geburtsstunde neuer Gartentrends. Während sich die letzten Male ein klarer Trend zum wilden Naturgarten abzeichnete, kamen in diesem Frühjahr gemischte Signale aus der britischen Hauptstadt.

Japan-Trend erfasst die Gartengestaltung

Zwar stehen wilde, von unregelmäßigen Pflanzungen geprägte Gärten noch immer hoch im Kurs. Sie haben aber weniger Deutungshoheit als in den Vorjahren. Nicht zuletzt deshalb, weil der Japan-Trend des Innendesigns auch den Garten erfasst hat. An den Medaillen-Gewinnern lässt sich die neue Ausgewogenheit gut ablesen. So errang im Bereich der Artisan Gardens (dt.: Kunsthandwerker-Gärten) der Japaner Kazuyuki Ishihara Gold mit seinem Beitrag "O-mo-te-na-shi no NIWA - The Hospitality Garden". Hier geht es um Wohlbefinden durch und durch: Der Garten ist ein Sinnbild der altjapanischen Tradition omotenashi, die auf tiefempfundene Gastfreundschaft abzielt. Um im Besucher das Gefühl des Willkommenseins zu wecken, hat Ishihara sich einer jahrhundertealten Pflanzmethode bedient: Ikenobo. Dabei geht es darum, die Pflanzen und deren Farbverteilung sorgfältig zum vorhandenen Raum ins Verhältnis zu setzen. Ein achteckiges Gartenhaus sowie ein von japanischen Ahornbäumen umgebener Teich runden das Wohlfühl-Szenario ab. Das Plätschern des Wassers soll den Gartenbesucher dazu ermuntern, die Zeit zu vergessen.

Wildwüchsig und kinderlieb gewinnt Gold

Gold für den besten Schaugarten ging an Chris Beardshaw, der im Vorjahr lange als Sieger gehandelt worden war, dann aber nur Silber errungen hatte. Beardshaws "The Morgan Stanley Garden for the NSPCC" knüpft an den Naturgarten-Trend an, indem ein ausgemachter Wild-Baum sein Herzstück bildet: Die US-amerikanische Schwarz-Birke, die von Felsenbirnen gesäumt wird. Dabei versucht sich der Gartenschöpfer auch an einer politischen Botschaft. Der Garten verkörpert für ihn den heilsamen Effekt, den die Wohltätigkeitsorganisation NSPCC (National Society for the Prevention of Cruelty to Children) auf Kinder hat. Beardshaws Werk funktioniert als räumliche Metapher: Der Pfad in das waldartige Areal hinein wirkt zunächst obskur, führt dann aber an einen offenen, idyllischen Ort, der von winterharten Gehölzen gesäumt ist.

"A Very English Garden" begeistert das Publikum

Nicht nur japanische, auch britische Traditionen führten in diesem Jahr aufs Treppchen. In der Publikumsgunst stand ein Artisan Garden in strengem, konservativem UK-Stil ganz oben: Der augenzwinkernd betitelte "The Claims Guys: A Very English Garden", entworfen von Janine Crimmins und gebaut von Andrew Loudon.

"A very English Garden" mit seiner symmetrischen, strikten Formsprache und der Trockensteinmauer will vor allem eins: Schön sein. Foto: Herry Lawford, Flickr, (CC BY 2.0)

Deren Anspruch war es, schlicht und ergreifend einen schönen Garten zu erschaffen, der sowohl physisch als auch ästhetisch die Zeit überdauert. Größter Blickfang des Werks ist eine Halbkuppel in der Trockensteinmauer - eine der schwierigsten Formen überhaupt bei diesem Material. Von dieser Nische aus eröffnet sich dem Besucher ein Panorama der Symmetrie und Farbenpracht: Purpurne, pinke und blaue Rosen kontrastieren scharf mit den steinernen Erdtönen der Mauern, Wege und Treppen.

Hendrik Behnisch

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 06/2018 .

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