Der Kommentar

Dem Pferd gehört die Zukunft

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Ein ähnliches Zitat wird dem letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. zugeschrieben. Er konnte sich nicht vorstellen, dass die weltberühmte deutsche Zucht von Militärpferden mit ihren Holsteinern, Hannoveranern und Westfälischen Zuchtverbänden einfach so abgelöst werden könnte. Schließlich hatten sie seit Jahrhunderten für immer bessere Pferde gesorgt.

Ökonomen nennen eine solche Entwicklung "Disruptive Technologie". Das bedeutet, dass ein Produkt durch etwas ganz Neues ersetzt wird und vom Markt verschwindet, so wie in diesem Fall das Pferd.

Das wohl bekannteste zeithistorische Beispiel einer solchen Entwicklung ist die Firma Kodak. Diese hat Filme für analoge Fotoapparate und Filmkameras hergestellt, wie etwa Kodacolor oder Super-8. Ironischerweise hatte Kodak schon 1975 die erste Version einer Digitalkamera erfunden. Die Legende besagt, dass der Vorstand des Unternehmens beschloss, dieses Produkt nicht weiter zu verfolgen oder gar auf den Markt zu bringen. Die Digitalkamera würde angeblich Kodaks Kerngeschäft stören (disrupt). Wenige Jahre später musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Welch fatale Fehlentscheidung des Managements.

Nun bahnt sich eine solche disruptive Entwicklung im Landschaftsbau an. Und zwar eine, die Teile seines angestammten Geschäftsfeldes "stören" wird. Diesmal kommt aber kein hippes Start-up-Unternehmen wie etwa WhatsApp, das Telefonieren überflüssig macht. Diesmal könnte ein großer schwedischer Konzern mit seinen kleinen intelligenten, roten Mähern gleich alle Großflächenmäher überflüssig machen. Dies würde am Ende auch den Landschaftsgärtnern einen ganzen Brocken des Umsatzes streitig machen.

Sehen Sie jetzt auch schon Ihre Mitarbeiter in dunklen Räumen vor Wänden von gekrümmten Bildschirmen sitzen, die hunderte, wenn nicht tausende von autonomen Mähern am Bildschirm überwachen? Diese schicken dann den Mähroboter-Mechatroniker zu den fehlerhaften Geräten, um die Reset-Taste zu drücken, die Messer zu wechseln oder das ganze Gerät auszutauschen. Ingenieure der Geoinformatik überplanen die Flächen, um zu ermitteln, welche Geräte für diese Liegenschaft am wirtschaftlichsten sind. Sie programmieren die Mähzeiten unter Berücksichtigung der Trainingszeiten auf dem Sportplatz, nach den Wanderzeiten der Igel oder nach den Sitzungszeiten des Vorstandes, alles voll elektronisch vom Büro aus.

Ich sehe das nicht unbedingt in diesem Jahr auf uns zukommen, aber doch sehr bald. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Mähroboter werden immer intelligenter, leistungsfähiger und gleichzeitig im Vergleich zur Mitarbeiterstunde immer wirtschaftlicher. Gleichzeitig wird die Arbeitskraft wertvoller. Jeder Betrieb würde sich freuen, wenn ein Mäherfahrer frei wird und in einem anderen Bereich seinen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens leisten kann.

Bleibt die Frage, ob der Mechatroniker und der Geoinformatiker Mitarbeiter des Landschaftsgärtners sind? Der Markt wird es uns zeigen.

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 06/2021 .

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