Ein reinigendes Gewitter lässt die grüne Branche zusammenrücken

Der BdB ermächtigt sein Präsidium zum ZVG-Austritt

In Goslar diskutierten die BdB-Mitgliedsbetriebe die seit Jahren schlechte Zusammenarbeit mit dem ZVG. Die Baumschulen seien nicht auf Augenhöhe wahrgenommen worden. Foto: BdB, Christian Malsch

Der Bund deutscher Baumschulen (BdB) fühlt sich beim Zentralverband Gartenbau (ZVG) nicht mehr gut aufgehoben. Mit 85 Prozent der abgegebenen Stimmen hat die Mitgliedervertreterversammlung in Goslar das Präsidium ermächtigt, den Austritt aus dem Zentralverband Gartenbau zu vollziehen. Was nach einer weiteren Aufspaltung der grünen Branche aussieht, wird aber tatsächlich zu einem engeren Zusammenrücken auf dem Hauptstadtparkett führen.

Im Januar stand in Goslar zunächst ein reinigendes Gewitter auf der Tagesordnung. "Es war eine bewegte Wintertagung, die viele Veränderungen eingeläutet hat", fasste BdB-Präsident Helmut Selders zusammen. Die Mitgliedsbetriebe diskutierten die seit Jahren schlechte Zusammenarbeit mit dem ZVG. Die Baumschulen seien nicht auf Augenhöhe wahrgenommen worden. Auch fehle es an Strukturreformen. Zuletzt gab es dann Differenzen über den Umgang mit finanziellen Verlusten der Baumschulen durch Schaderreger und einen Ausschluss des BdB aus der Europapolitik des Produktionsgartenbaus. Am Ende der Debatte in Goslar fand eine geheime Abstimmung statt: Von 96 Anwesenden stimmten 80 für die Trennung, 14 dagegen und zwei enthielten sich der Stimme.

80 Stimmen für eine Trennung

Der BdB wählt damit einen Weg, den der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) bereits vor acht Jahren beschritten hatte. Die GaLaBau-Unternehmer hatten den ZVG am 31. Dezember 2009 verlassen. Auch die Landschaftsgärtner kritisierten damals, sie seien nicht auf Augenhöhe wahrgenommen worden. Auch sie forderten eine Strukturreform. 2002 hatte der BGL eine Satzung zur Gründung einer "Bundesvereinigung der Deutschen Gärtnerverbände" vorgelegt. Doch der ZVG lehnte sie ab. Seit 2005 war der BGL nur noch ein assoziiertes Mitglied des ZVG gewesen. Nach dem BGL-Austritt 2009 herrschte zwischen den zwei Spitzenverbänden jahrelang Funkstille.

Am Ende der Debatte in Goslar fand eine geheime Abstimmung statt: Von 96 Anwesenden stimmten 80 für die Trennung. Foto: BdB, Christian Malsch

Der ZVG hat politisches Gewicht eingebüßt

Der Zentralverband Gartenbau reagierte auf die Entscheidung des Bundes deutscher Baumschulen in Goslar mit Bedauern. Er sei jedoch überzeugt, "in den vergangenen Jahren auch für die Baumschulen eine gute und effiziente Arbeit auf EU-, Bundes- und Landesebene geleistet zu haben", erklärte ZVG-Präsident Jürgen Mertz. Die andere Bewertung des BdB sei jedoch zu akzeptieren. Allerdings sei dieser Schritt "für das Standing der gesamten Gartenbau-Branche, insbesondere auf der politischen Bühne" nicht sehr hilfreich. Tatsächlich trifft der BdB-Austritt ausschließlich den ZVG. Durch den Goslaer Beschluss hat er deutlich politisches Gewicht eingebüßt. Auf seiner Website gibt der Zentralverband noch an, 52000 gärtnerische Betriebe in Deutschland zu vertreten. Tatsächlich aber sind es inzwischen mindestens 18500 weniger, denn die Betriebe des Garten- und Landschaftsbaus und der Baumschule gehören nicht mehr dazu. Das ist ein Minus von rund 35 Prozent. In der Bundesregierung und im Bundestag wird so etwas aufmerksam registriert.

Wenn der ZVG bundespolitisch nicht bedeutungslos werden will, braucht er nun die Zusammenarbeit mit den anderen grünen Verbänden. Nur so kann er sein Defizit kompensieren. Zu seinem Glück kann der Austritt des BdB aus dem ZVG erst zum Jahresende 2018 vollzogen werden. So will es die ZVG-Satzung. Für die Abgabe der Austrittserklärung eines Verbandes legt sie zugleich eine sechsmonatige Frist vor Jahresablauf fest. So gibt es genug Zeit, um Gespräche über den künftigen Umgang zwischen den Baumschulern, der grünen Branche und dem ZVG zu führen.

BdB-Präsident Helmut Selders kann sich ein schlankes grünes Dach vorstellen, der die Interessen der grünen Branche bündelt. Foto: BdB, Christian Malsch

Selders für ein schlankes grünes Dach

Eine Schlammschlacht sei in den Gesprächen nicht zu erwarten, heißt es nicht nur beim BdB. Präsident Selders kann sich ein schlankes grünes Dach, ohne einen Organisationsapparat, vorstellen, der die Interessen der grünen Branche bündelt. Mit dem Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau und dem Bund Deutscher Landschaftsarchitekten arbeitet der BdB seit mehreren Jahren gut zusammen. Daraus entstanden gemeinsame Parlamentarische Abende in der Hauptstadt, eine gemeinsame Stellungnahme zum Weißbuch "Stadtgrün" und die neue Initiative "Grün für Stadt und Land". Genau dieser Initiative will nun auch der ZVG beitreten. Und vermutlich werden BGL, BDLA und BdB das erlauben.

Von Wurmb will erste Gespräche mit ZVG

Denn neben dem BdB befürworten auch Landschaftsgärtner und Landschaftsarchitekten einen neuen Anlauf zu projektbezogener Zusammenarbeit auf dem Hauptstadtparkett. BGL-Präsident Lutze von Wurmb sagte in seinem Grußwort auf der BdB-Mitgliederversammlung in Goslar, sein Verband sei dabei, "vorsichtig erste Gespräche mit dem Zentralverband aufzunehmen". Er sei "guter Hoffnung, dass wir Landschaftsgärtner offen mit dem Zentralverband kommunizieren können". Denn unterm Strich müsse man sehen, dass im politisch geprägten Berlin eine Zersplitterung unter den Verbänden ebenso wenig gern gesehen werde wie auf europäischer Ebene.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 02/2018 .

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