Der Kommentar

Der Braeburn kommt aus Niedersachsen

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Viel besser geht es nicht: Drei von vier Auszubildenden im Beruf Gärtner*in haben die Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau gewählt. Das ist eine überwältigende Quote. Die anderen sechs Fachrichtungen sind damit praktisch unbedeutend für das Berufsbild und kommen insgesamt auf nur 1 375 neue Verträge, während sich der Landschaftsbau über 4 114 neue Ausbildungsverträge freuen kann.

Das Erfreuliche dabei ist, dass der Landschaftsbau im Gegensatz zu den anderen Fachrichtungen im Gartenbau eine Trendwende geschafft hat. So sind in der Zeit von 2007 bis 2016 die Zahlen der Auszubildenden im Gartenbau insgesamt zurückgegangen und stagnieren seitdem. Dass diese Zahlen nicht weiter sinken, liegt letztlich an den steigenden Zahlen in der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau, die seit 2016 um gut 16 Prozent gestiegen sind. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil auch andere Branchen mit Problemen zu kämpfen haben. Besonders deutlich lässt es sich am Handwerk ablesen. Dort sind die bestandenen Abschlussprüfungen von 123 000 in 2009 um über ein Viertel auf rund 89 000 in 2019 gesunken. Nur die Zahl der Meisterprüfungen ist im Handwerk konstant geblieben. Das mag daran liegen, dass es nur wenig Alternativen einer akademischen Ausbildung gibt.

Was macht nun den Beruf des Landschaftsgärtners so beliebt?

Sicher hat die gute Nachwuchswerbekampagne einen Anteil. Groß kann er aber nicht sein, denn auch das Handwerk macht mächtig Werbung, trotzdem gehen die Zahlen zurück. Dass die Tätigkeit attraktiver ist als andere, kann es auch nicht sein, schließlich stehen Landschaftsgärtner im gleichen Regenschauer wie Maurer oder Straßenbauer. Es kann aber eine gewisse Rolle spielen, denn auch die Bauberufe verzeichnen eine Steigerung in den letzten zehn Jahren um immerhin sieben Prozent. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Interessenten bei der Berufswahl wirklich die Augen aufmachen und darauf schauen, wie erfolgreich eine Branche ist. Dass es dem Bau schon seit einigen Jahren gut geht, ist nicht zu übersehen. Gleiches gilt für den GaLaBau, der sogar bessere Zuwachsraten vorweisen kann als das Bauhauptgewerbe. Nun lesen Schüler in der Regel keine Branchenberichte, aber sie sehen, ob der Betrieb im Ort neue Bagger hat und ob das Bürogebäude neu und modern ist, oder ob die Betriebe dichtmachen.

Letzteres hat den Produktionsgartenbau in den vergangenen Jahrzehnten besonders getroffen. Die typischen Anbaugebiete an Rhein und Elbe oder in den Mooren und Marschen sterben. Besonders getroffen hat mich persönlich das Erscheinungsbild von einst Europas größtem Baumschulgebiet nördlich von Hamburg. Wenn nicht mal mehr Geld da ist, die Bestände zu roden, sondern diese zu Baumschulwäldern verkommen, die Gewächshäuser mit zerbrochenen Scheiben nur noch als Unterstand dienen und bestenfalls zum Neubaugebiet werden und dann von Landschaftsgärtnern gestaltet werden.

Besonders schlechte Ausbildungszahlen hat der Obstbau. Gerade mal 66 junge Menschen haben sich dazu entschlossen, im Obstbau ihre Zukunft zu suchen. Bleibt zu hoffen, dass genug Braeburn aus Niedersachsen gekauft wird.

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 02/2021 .

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