Der Kommentar. Von Martin Thieme-Hack.
„Der letzte Bus“
von: Prof. Dipl.-Ing. (FH) Martin Thieme-HackBei Unternehmern haben wir oft das gleiche Problem. Sie verpassen den letzten Bus, lassen keinen Nachfolger neben sich hochkommen, wollen noch im hohen Alter alles bestimmen. Das Lebenswerk muss in ihrem Sinne fortgeführt werden und zwar genauso, wie es immer war.
Auch die eigenen Kinder sollen am besten gleich nach dem Studium in die Firma, damit Papa noch genau erklären kann, wie es richtig geht. Bloß nicht bei anderen schauen, die können alle nichts. Als Leidtragender einer misslungenen Unternehmensnachfolge habe ich das alles selbst erlebt. In Verbindung mit einer häufig altersbedingten Starrsinnigkeit ein guter Mix, um Firmen in den Ruin zu treiben. Auch in Verbänden werden zuweilen Satzungen geändert, damit der Präsident nach dem „Ausscheiden“ als Altpräsident weiter auf dem Podium sitzen kann. Er hat doch so viel für den Verband getan.
Nun ist es tatsächlich nicht ganz einfach, nach einem langen Berufsleben, das zu jeder Zeit zu 120 Prozent aus der Firma bestand, einfach mal etwas anderes zu machen. Golf, Schach und Kommunalpolitik sind deutlich weniger spannend.
Das trifft nicht nur die Chefs von inhabergeführten Unternehmen. Auch andere erfolgreiche Führungskräfte haben dieses Problem. Heute wird der Vorstand der örtlichen Sparkasse noch überfreundlich von jedem Bankkunden umworben, morgen wird er kaum noch erkannt.
Auch ich durfte die letzten Tage als Urlaubsvertretung in der Bauüberwachung erleben, dass die Ansprache als Professor doch anders ist. Da geht es zurück auf den Boden der Tatsachen.
Sehr erfreulich ist dagegen die Entwicklung, dass es heute Unternehmer gibt, die einfach verkaufen. Noch sind die Private-Equity-Firmen an Übernahmen interessiert, tendenziell eher an den wirtschaftlich erfolgreicheren Unternehmen und nicht an den Notleidenden.
Vielleicht fällt der Verkauf leichter, wenn die Inhaber ihr Unternehmen sehen als das, was es ist: ein Mittel zum Geldverdienen. Mit Glück auch deutlich mehr, als es als Angestellter möglich ist, allerdings mit deutlich größeren Risiken. Gefühlsduselei ist kein guter Berater für einen Unternehmer, wenn der letzte Bus vor der Tür steht.
Heute werde ich selbst nach fast 20 Jahren diesen letzten Bus nehmen. Mein Dank geht an die vielen positiven wie negativen Reaktionen, besonders an die Verfasser von Leserbriefen. Dafür sind Kommentare da.
Herzlichen Dank an das Redaktionsteam und besonders an die Familie Patzer, die der Branche eine Plattform für populärwissenschaftliche Beiträge in einem wirtschaftsliberalen Umfeld ermöglicht hat.
Wir sehen uns, tschüss.
Ihr Martin Thieme-Hack










