Der Kommentar
Morgen mache ich Blau
von: Prof. Dipl.-Ing. (FH) Martin Thieme-HackDamit ist der Krankenstand von 3,3 Prozent in 2006 auf 5,9 Prozent angestiegen. Nach einer Studie, die auf Zahlen der DAK beruht, ist Deutschland mit fast 25 bezahlten Krankentagen sogar Europameister beim Krankfeiern.
Wie bei allen Statistiken muss man genau hinschauen. Während die älteren Zahlen auf dem „Gelben Zettel“ beruhen, also ganz häufig erst Krankenstände ab dem dritten Tag eingerechnet sind, ist heute durch die elektronische Krankmeldung schon der erste Tag in den Statistiken enthalten.
Dagegen fehlen die Kinderkrankengeldtage, also die Tage, an denen ein Elternteil zuhause bleibt, weil ein Kind krank ist. Auch der Vergleich innerhalb Europas ist durch unterschiedliche Datenerfassungen und andere Regelungen verzerrt.
So gibt es in vielen Ländern Karenztage ohne Krankengeld. Neben Deutschland haben nur die Benelux-Länder, Norwegen, Finnland, Litauern und Österreich keine Karenztage. Norwegen und Finnland zahlen den Lohn nicht zu 100 Prozent fort. Das hat Einfluss auf die Zählung, aber nicht auf die tatsächlich bezahlten Krankentage.
Zur Wahrheit gehört auch, dass der statistische Krankenstand in den Jahren 2005/2006 seinen Tiefpunkt hatte. In den 1970er Jahren lag der Krankenstand sogar deutlich höher als heute, nämlich bei 6 bis 7 Prozent.
Neben der starken Zunahme der Atemwegserkrankungen, also Husten-Heiserkeit, ist die Zahl der Krankentage durch psychische Erkrankungen deutlich gestiegen. Die Zahlen sind allerdings klein: waren es 2016 lediglich 0,62 Prozent, wurden 2025 immerhin schon 0,96 Prozent verzeichnet, eine Zunahme von über 50 Prozent.
Im Branchenvergleich ist nach Zahlen der AOK erwartungsgemäß der Öffentliche Dienst mit über 8 Prozent Spitzenreiter, gefolgt vom Gesundheitswesen (6,3%) und der Logistik (6,0%). Das Baugewerbe mit dem Landschaftsbau liegt mit 5 bis 6 Prozent ebenfalls leicht über dem Durchschnitt.
Wenn wir die Zahlen der DAK zugrunde legen, fehlen unsere Mitarbeiter satte fünf Wochen durch Krankheit bei der Arbeit. Dazu kommen sechs Wochen Urlaub, plus Anspruch auf gesetzliche, betriebliche und tarifliche Ausfalltage für Umzug, Weiterbildung, Familienereignisse, Schlechtwetter, Rosenmontag usw. Damit fehlen die Mitarbeiter bei 52 Arbeitswochen rechnerisch schon jetzt mehr als zwei Tage die Woche. Wenn sie dann schon mal da sind, dürfen sie nicht richtig reinhauen, selbst wenn sie wollten.
Für den deutschen Gewerkschaftsbund ist der Acht-Stunden-Tag ein „unverzichtbaren Schutzschild für die Gesundheit und das Privatleben der Beschäftigten“. So verschwindet ganz leise die nicht ortgebundene Industrie aus Deutschland. Ortgebundenes Gewerbe wie der Landschaftsbau wird am Ende unbezahlbar. Wollen wir das?
Ich für meinen Teil habe jetzt irgendwie ein Kratzen im Hals. Ich glaube, die Hochschule muss morgen ohne mich auskommen.
Ihr Martin Thieme-Hack
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