Der Kommentar
Schützt die Bäume – #Bürokratieabbau – Teil 2
von: Prof. Dipl.-Ing. (FH) Martin Thieme-HackNun funktioniert gesetzlicher Schutz, insbesondere der Arten- und Naturschutz, ganz gut in unserem Land. Nur nach umfangreicher Abwägung, mit strengen Auflagen und Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sind Eingriffe in Natur und Landschaft überhaupt genehmigungsfähig. Warum also nicht auch private Bäume unter Schutz stellen?
Baumschutzsatzungen bringen allerdings eine ganze Reihe von Problemen mit sich. Schon die Angst vor einer möglichen Einführung, oder dass Bäume in eine Baumschutzsatzung „hineinwachsen“, kann bei Grundstückseigentümern dazu führen, dass die Bäume einfach früh genug gefällt werden. Diese Gefahr ist bekannt, auch wenn es dafür keine wissenschaftlichen Belege gibt und ein solcher Effekt bisher nicht nachgewiesen werden konnte. Das würde mich wiederum zur Erkenntnis bringen, dass ein Schutz nicht erforderlich ist. In der weit überwiegenden Zahl mögen die Menschen Bäume auf ihren Grundstücken, andere pflanzen erst gar keine Bäume.
Die Fällung von geschützten Bäumen bleibt mit einem Gutachten, was bestätigt, dass der Baum alt oder krank ist, möglich. Ein solcher Gutachter sollte immer zu finden sein, denn die überwiegende Anzahl der eingereichten Anträge werden genehmigt. Ob aussichtslose Anträge gar nicht erst gestellt werden, ist auch offen. Auflage für die Fällung ist meist eine Ersatzpflanzung, die dann ab dem Tage der Pflanzung unter dem gleichen Schutz steht. Kosten für Gutachten, Genehmigung und Nachpflanzung liegen geschätzt um die 3.000 Euro.
Was allen Baumschutzsatzungen fehlt, ist der Nachweis einer Wirksamkeit. Außer einem Gefühl, dass ein Fällverbot den Bäumen irgendwie doch helfen müsste, gibt es nichts. Auch hier ist der große Naturschutz besser aufgestellt. Meist ist ein Monitoring, in dem untersucht wird, ob die getroffenen Maßnahmen dem Habitat oder der bestimmten Art geholfen haben, Teil der Genehmigung. Für eine Abschätzung, ob wir wirklich einen gesetzlichen Baumschutz brauchen, empfehle ich, sich mit historischen Bildern zu beschäftigen. Ich habe bisher noch keine Stadt gefunden, die heute von weniger Grün durchzogen ist.
Aktuell scheinen die Diskussionen um Baumschutzsatzungen ausschließlich politisch-dogmatisch getragen zu sein. Osnabrück hat gerade mit Stimmen von Grünen und SPD eine zwischendurch abgeschaffte Baumschutzsatzung wieder eingeführt. In Koblenz und Bielefeld haben andere Mehrheiten die Baumschutzsatzungen abgeschafft. Die Stadtverwaltung Osnabrück hat gleich nach der Einführung zwei Stellenanzeigen als Zeichen des gelebten „Bürokratieabbaus“ geschaltet.
Auch in 2025 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse im öffentlichen Dienst um stattliche 150.000 gestiegen. Zum Glück sollen nicht alle Bäume schützen.
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