Der Kommentar

Der Nagel

von

Vor einiger Zeit ging eine Posse durch die sozialen Medien. Dabei ging es um das Anbringen eines Hausschildes im Wandel der Zeit.

Während 1960 ein Handwerker in 20 Sekunden das Schild mit einem Nagel befestigt hatte und dafür eine Flasche Bier verlangte, hat sich in jedem Jahrzehnt eine neue Besonderheit aufgetan. Neben dem ausgeprägten Korruptionsverhalten in den 70igern und 80igern, über die Eigenart, alles an Subunternehmer zu vergeben, hat sich vor allem die Ausführungszeit verlängert.

Bis dann im Jahre 2020 der Handwerker bemüht ist, alle Vorschriften, die das Bauen so hat, einzuhalten. So braucht es für den Vorgang eine Statik, eine Umweltverträglichkeitsprüfung, nach der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung einen dazugehörigen Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan, einen Gesundheitscheck des Arbeitsnehmers, die CE-Kennzeichnung aller Werkzeuge (Hammer) und Baustoffe (Nagel), einer Abstimmung mit dem Architekturbeirat unter Berücksichtigung des Erderwärmungspotentials (CO²), einer Prüfung zur Einhaltung der Tariftreue und der anschließenden Dokumentation samt Revisionsplan im Anlagenbuch. Dauer des gesamten Vorgangs, zwei Jahre.

Wie häufig haben solche Übertreibungen auch einen wahren Kern. In den Jahren seit 1960 war sicher nicht alles gut am Bau, Alkohol und Korruption sind zwei bezeichnende Begriffe dieser Zeit. Aber beim hehren Versuch die Welt besser zu machen, wächst die Bürokratie und mit ihr der Bedarf an Kosten und Zeit. Nicht nur, aber auch durch Bauvorschriften ist in Deutschland der Wohnungsbau teurer geworden und infolgedessen die Mieten gestiegen. Da die Gruppe der Mieter als Wähler viel größer ist, als die Gruppe der Vermieter, muss die Höhe der Mieten nun begrenzt werden, notfalls müssen Vermieter sogar enteignet werden, damit der Mieter vor marktgerechten Preisen geschützt wird. Für die Einhaltung aller Bauvorschriften braucht es behördliche Kontrolle. Auch für die Einhaltung der Mietpreisbremse muss eine unabhängige Verwaltung über die Höhe des qualifizierten Mietspiegels entscheiden, Beschwerden bearbeiten und prüfen. So könnte es sogar sein, dass es besser wäre, das Geld in neue Wohnungen zu investieren. Bei einem Überangebot an Wohnungen sinken die Preise ganz sicher, denn Leerstand ist immer die teuerste Lösung für den Vermieter.

Neben AGG, ArbSchG, ArbStättV, BGleiG, DSGVO und GüKG fallen Ihnen bestimmt auch Regelungen ein, die sicher alle gut gemeint sind, aber auch viel Arbeit in die Betriebe bringen. Laut Wikipedia müssen deutsche Unternehmer etwa 90 000 Vorschriften einhalten und beachten. Obwohl sich die Bundesregierungen seit über 20 Jahren den Bürokratieabbau auf die Fahne schreiben, ist das Ergebnis verheerend. Die seit 2012 durch das statistische Bundesamt veröffentlichten Zahlen belegen einen durchschnittlichen jährlichen Anstieg in der Verwaltung von knapp 200 Millionen Euro und in der Wirtschaft knapp eine Milliarde Euro. Wo das hinführt, zeigt die Posse mit dem Nagel. 2030 gibt der Handwerker einfach seinen Job auf, weil "er keinen Bock mehr hat auf den ganzen Sch…".

Ihr Martin Thieme-Hack

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe NEUE LANDSCHAFT 10/2019 .

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