Innovatives Wassermanagement für Nachhaltigkeit

Der Regenwasserpark in Rastatt

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Am 15.05.2025 wurde auf dem Gelände der ZG Raiffeisen Baustoffe GmbH in Rastatt der Regenwasserpark eröffnet. In knapp zweijähriger Planungs- und Bauzeit entstand mit einem Investitions-volumen von 150.000 Euro und in Zusammenarbeit mit marktführenden Unternehmen im Bereich Regenwasser-management eine Demonstrationsanlage.
Wassermanagement Entwässerung und Grundwasser
Raiffeisen-Regenwasserpark. Foto: ZG Raiffeisen

Die Partner Hauraton, Fränkische Rohrwerke, Mall, Bauder, Graf, Humberg, Rehau, Hauff-Technik, Novintiss, Birkenmeier, Cobefa, RX Watertec und Kronimus haben mit ihrem Fachwissen und ihren Produkten zur erfolgreichen Entstehung des Regenwasserparks beigetragen. Mit ihren Materialspenden beträgt der Wert der Gesamtinvestitionen circa 350.000 Euro.

"Mit dem Regenwasserpark möchten wir das Bewusstsein für nachhaltiges Wassermanagement schärfen und zeigen, wie einfach es sein kann", erklärt Stephan Falk, Niederlassungsleiter des Standorts in Rastatt. Er ist zusammen mit seinem Kollegen Dietmar Fehmel der Initiator des Regenwasserparks. Der deutschlandweit erste Park dieser Art präsentiert auf anschauliche Weise moderne Lösungen für den Umgang mit Niederschlagswasser.

Das Besondere dabei: die Exponate werden in Aktion präsentiert. Unternehmen, Kommunen, (Landschafts-)Architekten, Ingenieurbüros und Privatpersonen werden so innovative Technologien nähergebracht, bei denen die Planung und Kontrolle von Regenwasser im Vordergrund steht. Der Echtbetrieb des Parks macht Regenwasser für die Besucherinnen und Besucher sichtbar und hörbar. Sobald die geplante Photovoltaik-Anlage installiert ist, läuft der Park autark. Folgende System sind im Regenwasserpark ausgestellt:

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Systemaufbau Bauder Retentionsdach. Foto: Philipp Schönfeld

Bedarfsgerechte Baumbewässerung

Das Alveus Schwammstadtsystem der Firma Humberg ist ein multifunktionales Schwammstadtsystem, das ursprünglich im Rahmen des Forschungsprojektes "BeGrüKlim" in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), der Gemeinde Nottuln, der Fachhochschule Münster sowie der Firma Humberg entwickelt wurde.

Das System besteht aus einem rechteckigen Stahlrahmen, Größe: 2 x 3 m, Tiefe: 1,5 m, mit zwei an den Schmalseiten angebrachten Vorratsbehältern für Niederschlagswasser. Der Baum wird mittig zwischen die Vorratsbehälter gepflanzt. Dort ist am Boden ein Belüftungsrohr vorinstalliert. Die Vorratsbehälter nehmen das Oberflächenwasser auf und/oder können an Fallrohre oder Entwässerungsrinnen angeschlossen werden.

Das gespeicherte Wasser dient der Baumbewässerung, überschüssiges Wasser wird versickert oder in das Kanalnetz geleitet. Es besteht die Möglichkeit, alle relevanten Daten und Funktionen über eine Webapplikation abzubilden und zu steuern. Den Abschluss nach oben bildet ein Oberflächenrost mit Revisionsöffnung. In der Ausstellung ist an der Rückseite ein Graben mit Treppe gebaut worden, so dass man die Anlage quasi in der Schnittansicht betrachten kann.

Ein weiteres Produkt zur Baumbewässerung von Humberg ist die (mobile) Tankbank aus Edelstahl V2A mit integriertem Bewässerungssystem. Sie kombiniert eine Sitzmöglichkeit mit einem Wasserreservoir und lässt sich auch nachträglich ohne baulichen Aufwand aufstellen. Die Befüllung erfolgt über eine verriegelbare Verschlusskappe.

Das Wasser wird über einen regulierbaren Auslass in Verbindung mit einem Tropfschlauch kontinuierlich und langsam an einen oder mehrere Baumstandorte abgegeben. In Verbindung mit einem Hardwarepaket und der Web Applikation von der Firma Awatree lassen sie die Baumstandorte individuell und bedarfsgerecht bewässern.

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Mall Tiefbeet Inno Drain. Foto: Philipp Schönfeld

Nutzung von Niederschlägen

Das Bauder Green Retentionsdach speichert Wasser und reduzieren Abflussspitzen auch bei Starkregenereignissen, da das Retentionsdach mehr Wasser speichert als eine "normale" Dachbegrünung. Das Bauder Solar G light Gründach-System verbindet die extensive Dachbegrünung mit PV-Elementen. Die Befestigung erfolgt mit einem durchdringungsfreien Schienensystem. Er empfohlene Mindestabstand von 20 cm zur Vegetation wird eingehalten.

Ein technisch vergleichsweise einfaches aber wirkungsvolles System zur Bewässerung von Grünflächen und Baumstandorten präsentiert Hauraton. Die Drainfix Clean Filtersubstratrinne filtert Schadstoffe aus dem Niederschlagswasser von Verkehrsflächen und leitet das gereinigte Wasser in die Pflanzfläche oder Baumgrube.

Der Baumgrubenaufbau mit einem Grobschotter-Feinboden-Gemisch lehnt sich eng an die Systeme an, die in Österreich und Schweden gebaut werden. Der Aufbau ist überbaubar, so dass auch unter Belagsflächen Raum für den Wasserrückhalt und die Baumwurzeln geschaffen werden kann.

Das in der Drainfixrinne verwendete Filtersubstrat Carbotec 10 kann auch in Mulden die belebte Bodenzone ersetzen. Die Schadstoffe werden in dem Filtersubstrat zurückgehalten, das – wenn die Aufnahmekapazität erschöpft ist – ausgetauscht wird.

Die Firma Mall ist im Regenwasserpark mit mehreren Produkten vertreten: der Sickertunnel CaviLine; der Regenspeicher Family aus Beton in unterschiedlichen Größen; der Substratfilter ViaPlus für die Entwässerung von Verkehrsflächen sowie die Baumrigole Via Tree.

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Humberg Alveus Baumrigole mit Malus trifoliata. Foto: Philipp Schönfeld

Filtern und Versickern

Der Tiefbeet-Bodenfilter Innodrain besteht in seinen Hauptteilen aus Tiefbeeten, Rigolen mit Füllkörpern und einem Ableitungssystem mit Kontroll- und Drosselschächten. Dieses System ist für die Verwendung im öffentlichen Straßenraum angelegt und gewährleistet dort eine Versickerung über die belebte Bodenzone. Wo eine Vollversickerung möglich ist, kann der Bodenfilter auch ohne Anschluss an den Regenwasserkanal eingebaut werden.

Der Reinigungsschacht Rigo Clean des Herstellers Fränkische Rohrwerke ist für Dachabflüsse beziehungsweise für gering belastete Abflüsse befestigter Flächen vorgesehen. RigoClean hält Grobschmutz und Feinanteile bis 0,5 mm zurück und gewährleistet so die Funktion der Rigole. Darüber hinaus werden Schwimmstoffe oder Leichtflüssigkeiten zurückgehalten.

Das Rausikko Wurzel-Kammer-System von Rehau, schafft optimale Bedingungen für Baumwachstum in belasteten Bereichen wie Straßen oder Parkplätzen. Durch den modularen Aufbau mit der Rausikko Box 8.3 SX inklusive Deck- und Seitengittern bleibt der Wurzelraum vor Verdichtung geschützt und ermöglicht die Zwischenspeicherung großer Wassermengen. Durch gezielte Versickerung wird Staunässe vermieden.

Die Eurobaustoff Fachgruppen Tief- und GaLaBau, zeigt im Regenwasserpark ihr System aus sickerfähigem Pflaster in Kombination mit dem aktiven Aquatextil Osmoria Indigreen. Das unter den Pflastersteinen verlegte Aquatextil reinigt das Sickerwasser durch die Bindung und biologischen Abbau von schädlichen Kohlenwasserstoffen, die beispielsweise in Motorenölen enthalten sind. Das System ist besonders für Park- und Logistikflächen gedacht.

Auch Living Walls können zur Regenwasserspeicherung, -reinigung und -versickerung dienen. Die patentierte Grünwand der Firma Birkenmeier Stein und Design besteht aus einem engmaschigen Gitter und einer Betonwand als Rückseite. Der Zwischenraum wird mit örtlich vorhandenem Oberboden gefüllt. Die Begrünung erfolgt durch Ansaat.

In den Substratkörper wird das Dachwasser eingeleitet, zwischengespeichert und von den Pflanzen verdunstet. Der Überschuss versickert am Fuß der Wand. Für die Bewässerung in Trockenperioden wird eine Bewässerungsanlage installiert. Die vorgefertigten Elemente können freistehend oder als Wandbegrünungssystem verwendet werden.

Hoher Materialaufwand treibt Kosten in die Höhe

Der Klimawandel führt nicht nur zu höheren Lufttemperaturen sondern auch zu einer Veränderung der Häufigkeit und Intensität von Niederschlägen. Die Regenereignisse werden seltener aber treten in höherer Intensität auf – wenige Starkregenereignisse an Stelle von häufigen und länger andauernden Nieselregen. Der Sammlung, Speicherung und Versickerung von Niederschlägen kommt damit eine größere Bedeutung zu als früher. Einheitliche oder genormte Schwammstadtsysteme gibt es in Deutschland noch nicht. Sowohl Forschungsinstitute als auch Firmen entwickeln und testen unterschiedliche Systeme.

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Humberg Alveus, Rückseite/Schnittansicht mit dem unterirdischen Wasserreservoir. Foto: Philipp Schönfeld

Der Regenwasserpark bietet hier einen sehr anschaulichen Einblick in verschiedene Systeme und Produkte. Die Anforderungen in der Planung und Ausführung in der Praxis sind unterschiedlich und ein System allein kann sicher nicht alle Anwendungsfälle abdecken. Was im Regenwasserpark allerdings auffällt ist der hohe Materialaufwand. Viele Systeme sind doch sehr "betonlastig", was die Kosten für die Installation in die Höhe treibt.

Hinzukommt, dass diese Installationen nicht das ewige Leben haben werden und nach Jahrzehnten unter erneutem Kostenaufwand wieder abgebaut und – wahrscheinlich unter schärferen Auflagen als heute – recycelt werden müssen. Das wird die Lebenszykluskosten deutlich erhöhen. Einfachere Konstruktionen mit Materialien, die eine besser Ökobilanz aufweisen, wären preiswerter, sinnvoller und dennoch funktional. Eine einfache Konstruktion verringert darüber hinaus auch die Wahrscheinlichkeit von Fehlern beim Einbau.

Das System von Hauraton mit der Drainfix Clean Rinne, die den Vorplatz des Regenwasserparks entwässert, und der Baumgrube/Retentionsraum mit einem überbaubaren Grobschotter-Feinboden-Gemisch kommt hingegen (fast) ohne Beton und Plastik aus und ist deutlich "bescheidener". Der Baumgrubenaufbau lehnt sich eng an die seit Jahren erfolgreich gebauten und betriebenen Schwammstadtsysteme in Schweden und Österreich an. Die Rinne aus Faserbeton sowie der Rost und die Zarge aus Metall lassen sich leicht trennen und recyceln.

Auch das Kunststoffrohr zur Einleitung und dem Verteilen des Wassers im Retentionsraum lässt sich ebenfalls leicht trennen und gesondert recyclen. Das Grobschotter-Feinboden-Gemisch kann beim Ausbau problemlos durch Sieben in seine Bestandteile getrennt und praktisch ohne weitere Aufbereitung wiederverwendet werden. In der Ausstellung fällt deshalb dieses System kaum auf, da oberirdisch außer der Rinne nichts zu sehen ist – außer dem Baum und einer begrünten Baumscheibe.

Die Systeme von Mall, Hauraton und Humberg sind mit Bäumen bepflanzt. Dafür wurde der Dreilappige Apfel (Malus trilobata) ausgewählt. Aus meiner Sicht ist das keine ideale Baumartenwahl. Diese Art stammt aus dem Lebensbereich "Steppengehölze und Trockenwälder".

Da die ausgestellten Systeme dem Regenwasserrückhalt und Versickerung dienen sollen ist hier zumindest kurzzeitig mit hohen Wassergehalten im Substrat zu rechnen. Sinnvoller wäre die Auswahl von Bäumen aus dem Lebensbereich "Auen- und Ufergehölze, Unterlebensbereich Hartholzaue".

Diese Arten vertragen sowohl vorübergehend hohe Wassergehalte als auch längere Trockenperioden. Passende Baumarten aus diesem Lebensbereich wären zum Beispiel Malus sylvestris oder Prunus padus (beide heimisch!), Fraxinus pennsylvanica-Sorten, Alnus x spaethii, Amelanchier arborea, Liquidambar styraciflua oder Gleditisia triacanthos-Sorten.


Der Regenwasserpark ist während der Öffnungszeiten der ZG-Raiffeisen geöffnet und kann allein oder mit einer Führung besichtig werden.

Adresse: ZG Raiffeisen Baustoffe Rastatt GmbH & Co.KG, Im Wöhr 10, 76437 Rastatt.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 07.00 bis 17.00 Uhr; Samstag: 8.00 bis 12.30 Uhr

Website der ZG Raiffeisen:
https://www.zg-raiffeisen.de/baustoffe/regenwasserpark

Dr. Philipp Schönfeld
Autor

Landschaftsarchitekt

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