Erfahrungen mit der ersten Neuanpflanzung als Allee in Mecklenburg-Vorpommern in den Jahren 2009 bis 2024
Der Speierling Cormus domestica Spach, 1834
von: Dr. rer. nat. Dietmar Bilz, Lüder Anton von Wersebe, Dr. rer. nat. Ingo Lehmann, Alexandra von Wersebe †
Der Speierling oder Spierling (Cormus domestica/Synonym: Sorbus domestica L.) ist der aktuellen Nomenklatur folgend die einzige Art der Gattung Cormus Spach, 1834 (Rosaceae) (http://www. worldfloraonline.org/taxon/wfo-0001003501/ Zugriff am 13. November 2024). Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel, dem Südwesten Großbritanniens, über Frankreich, Norddeutschland, südlich nach Österreich, in die Karpaten, den Mittelmeerraum (einschließlich Nordafrika) und südöstlich über den Balkan nach Kleinasien. Trotz der stets kleinen Populationen, die in Europa nur verstreut vorkommen, wurde eine große genetische Vielfalt innerhalb der Art gefunden, die auf der italienischen Halbinsel am größten ist. In West-, Zentral und Südosteuropa fällt zudem auf, dass natürliche Vorkommen und künstlich angepflanzte Populationen vermutlich lokal in Mischung existieren (George et al. 2015). Die Lichtbaumart bevorzugt warme, sonnenexponierte, südliche und/oder westliche (Hang-)lagen auf trockenen Böden außerhalb des Waldes. Hierzu beigetragen hat die Änderung der Waldwirtschaft hin zu dicht gepflanzten Beständen die dem Speierling wenig Lebensraum bieten (Namvar & Spethmann 1985: 3). Es zeigt sich derzeit in den Weißen Karpaten, wie im Grenzgebiet der Tschechischen Republik und Slowakei sowie im Karpatischen Becken im südwestlichen Ungarn ein vereinzeltes Vorkommen in offen strukturierten Wäldern die von Arten der Gattung Quercus L. (Fagaceae) dominiert werden beispielsweise Q. frainetto Ten. und/oder Q. cerris L. und/oder Carpinus betulus L. (Betulaceae) (u. a. Paganová 2008).
Zu den in Europa nördlichsten älteren Populationen zählen Relikte in Mecklenburg sowie historische Hinweise zu Vorpommern. Ein noch vorhandener älterer Straßenbaum bei Teterow (Abzweig B 108 nach Glasow) sowie Literaturauswertungen zu einem historischen Vorkommen südwestlich der Insel Rügen (Enescu et al. 2016: 178) deuten darauf hin, dass die Art bereits vor mehr als 100 Jahren in Mecklenburg und/oder Vorpommern gepflanzt wurde oder einheimisch sein könnte, ihre Vorkommen jedoch später erloschen und heute nicht mehr nachweisbar sind – ein Muster, das mit Bezug auf Europa auch für ein weiteres der bedeutsamen nördlichsten Populationen der Baumart mit circa 60 Individuen im südwestlichen Großbritannien zutreffen könnte (George et al. 2016: 21).
Bei der landesweiten Kartierung zur Erfassung und Bewertung von insgesamt 4374 Kilometer gesetzlich geschützter Alleen und einseitiger Baumreihen einschließlich 716,5 Kilometer Obstbaumbestände in Mecklenburg-Vorpommern (M–V) außerorts – vermutlich die umfangreichste Kartierung von Alleen außerorts weltweit – ist diese Baumart nicht festgestellt worden (Lehmann & Schreiber 1997). Dies gilt – bei ähnlicher Methodik – ebenso für erfasste Alleen auf Flächen entlang von Bundes- und Landesstraßen sowie für zusätzlich 27 Prozent der Landesfläche im Bundesland Brandenburg (vgl. Peters 1996: 123).
Außerhalb Deutschlands zeigt eine Bestandsaufnahme in den Jahren 1990 und 1991 in den Weißen Karpaten – wo die Art als Einzelbaum für die unteren südlichen Hangpartien vor 1990 charakteristisch war – dass von 100 kartierten und bewerteten Bäumen rund 30 Prozent bereits fünf Jahre später aufgrund einer intensiveren Landwirtschaft abgestorben oder stark geschädigt waren (u. a. Sˇpisˇek & Uherková 2015: 35).
NL-Stellenmarkt




Verbreitung auch durch historische Nutzung
Die Ausbreitung der Baumart erfolgt nach der Eiszeit in Europa vermutlich maßgeblich durch Vögel (George et al. 2016: 28) und andererseits aufgrund der hohen medizinischen und ökonomischen Bedeutung für den Menschen über mehrere Jahrtausende durch einen gezielten Anbau bis circa 1850 n. Chr. Regionale Anpflanzungen geschahen in West- und Mitteleuropa als Alleebaum an Straßen bis mindestens 1793 in Frankreich unter anderem zur (Frucht-) Weinherstellung bis um 1850 bei Sarthe und westlich von Paris, in Weingärten der Weißen Karpaten und Klostergärten der Schweiz (Hrdousˇek 2015), an Straßen und Wegen in und um Trier (Lehmann & Rohde 2006: 170), als Allee im südlichen Deutschland und Europa (Bechstein 1821: 304, 305).
Die Form, der Geschmack der Früchte sowie die Blätter wurden erstmals von Theophrastus (371 bis 287 v. Chr.) beschrieben (u. a. Hockenjos 1979: 147). Vor dem Hintergrund einer medizinischen Nutzung der Früchte zum Schutz vor Cholera – erstmals vom römischen Arzt Claudius Galen (129 bis 216 n. Chr.) erwähnt und im 15. Jahrhundert durch Giovanni Cadamosta bestätigt – empfiehlt Charles der Große (742 bis 814 n. Chr.) die Anpflanzung dieser Baumart ausdrücklich in königlichen Gärten (u. a. Hrdousˇek 2015).
Historische Verbreitung als Alleebaum im heutigen Deutschland
Obwohl Obstbaum-Alleen mit diversen Sorten für Regionen Württembergs und Sachsens bereits um 1580 und seit den frühen 19. Jahrhundert für Regionen um Hannover und Osnabrück sowie für Teile Brandenburgs zahlreiche Erwähnungen finden wird der Speierling oder Spierling hierbei nicht genannt (vgl. Peters 1996, Lehmann & Rohde 2006, Butenschön & Thränert 2022) und dies obwohl die Namen "Speyerling" seit 1314 (Sprengel 1822 zitiert in Kausch-Blecken 2000: 7, 8), "Speierling" seit 1542 (Kausch-Blecken 2000: 19) und "Spierling" seit 1543 (Hrdousˇek 2015: 14) nachweisbar sind. Dies deutet darauf hin, dass Speierlings-Alleen auf dem heutigen Gebiet Deutschlands ab 1542 sehr selten waren oder erst im 19. Jahrhundert vereinzelt entstanden. Einer der ältesten solcher Relikte ist die Baumreihe am Weg am Casparyweiher in der Stadt Trier (Rheinland-Pfalz) die um 1878 gepflanzt wurde (Lehmann & Mühle 2006: 115, 116).
Naturschutzfachliche Zielsetzung der Neuanpflanzung in Boldevitz
Mit einer zunehmenden Gefährdung des Speierlings aufgrund der weit verstreuten potentiellen Fortpflanzungspartner, der diversen Landnutzungsänderungen und der Seltenheit von Jungbäumen, ist es notwendig, die Erhaltung der Art u. a. der nördlichsten Vorkommen sowohl aus natürlichen oder künstlichen Populationen heraus durch Anpflanzungen zu fördern. Dies ist auch aufgrund der Trockentoleranz junger und älterer Bäume gerechtfertigt und konnte zum Beispiel in Straßenseitenräumen in Nitra (Slowakei) nachgewiesen werden (Paganová et al. 2014: 51). Daher begann – initiiert durch die Oberste Naturschutzbehörde mit Mitteln des "Alleenfonds" (Lehmann 1995) – im Frühjahr 2009 der Versuch einer Neuanpflanzung beidseitig an einem privaten, in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Wirtschaftsweg auf Gut Boldevitz.
Das Gut Boldevitz (oder "Bolwitz") befindet sich rund 27 Kilometer südöstlich von Kap Arkona (Insel Rügen) und ist als Besitz der Familie von Rotermund seit dem 13. Jahrhundert überliefert. Im Jahr 1635 errichteten die Rotermunds das heute noch bestehende Herrenhaus mit seinen markanten Doppelgiebeln und Gärten. Bis heute sind Malereien des Landschaftsmalers Jakob Phillip Hackert, der ab 1763 – auf Initiative des kunstsinnigen Barons Adolf Friedrich von Olthoff – den Festsaal mit Ideallandschaften (ohne erkennbare Alleen) sowie mit der ersten Darstellung der Kreidefelsen von Rügen ausschmückte, erhalten. Mehrere Alleen sind bereits 1836 in der Preußischen Landaufnahme dokumentiert (v. Wersebe mündl. Mitt. 2025). Die Pacht des Gutes erfolgte 1991 und in den folgenden Jahren der Kauf durch die Familie v. Wersebe der mit aufwändigen Restaurierungen der Gebäude, Parkanlage und der Pflege der auf ihrem Land befindlichen Baumbestände und der angrenzenden Alleen und Baumreihen verbunden war. Mit großem persönlichem Engagement unterstützt die Familie den Schutz der mit Mitteln des "Alleenfonds" gepflanzten Eichen-Allee sowie die Nachpflanzungen in alten Alleen. Aus dieser vorbildlichen Kooperation heraus wurde ab 2009 eine Speierling-Allee angepflanzt und gepflegt.



Merkmale des Standortes und Beschreibung der Allee
Boldevitz befindet sich in einem maritim geprägten Klima mit folgenden Merkmalen (1 bis 6):
- Temperatur: 9 Grad Celsius im Jahresdurchschnitt (1991 bis 2020);
- Zahl der Frosttage: weniger als 72 pro Jahr (1991 bis 2020)/Zunahme mit > 72 im Dezember 2009 bis März 2010 nach der Neuanpflanzung;
- Zahl der Sommertage: 29;
- Mittlerer Niederschlag: 600 bis 650 Liter je Quadratmeter pro Jahr (1991 bis 2020)/circa 20 Prozent davon im Frühjahr (17. Februar bis 30. Mai);
- Alleinstellungsmerkmale innerhalb von M–V: Anzahl der Stunden mit Sonnenschein landesweit mit 1942 Stunden pro Jahr am höchsten (Mittelwert für M–V 1602 Stunden) verbunden mit hohen Werten einer jährlichen Globalstrahlung von 1080 Kilowattstunde je Quadratmeter (1991 bis 2020);
- Wind: Der Pflanzstandort ist in alle Himmelsrichtungen windexponiert mit einem Jahresmittel von 4 bis 5 Meter pro Sekunde (1995 bis 2018) (DWD 2024/Ziffer 1 bis 6).
- Boden (je eine Spatenprobe aus 50 bis 60 Zentimeter tiefen Probelöchern in der östlichen Baumreihe, mittlerer und südlicher Abschnitt, erhoben im Juli 2022): schluffiger Sand mit Bauschutt und ohne Torfbestandteile sowie mit 3 bis 5 Prozent organischer Substanz; pH-Werte 4 und 6,9 im Juli 2022 (auffällig große Schwankung auf circa 50 m Abstand innerhalb der Baumreihe).
- Makro-Nährstoffe im Boden dieser beiden Bodenproben: Kalium (als K) 73 und 84 Milligramm pro Liter Erde; Magnesium (als Mg) 39 und 73 Milligramm pro Liter Erde; Phosphor (als P) 4 und 19 Milligramm pro Liter Erde; Stickstoff (als NH4-N 13 und 7 mg/l Erde und als NO3-N 2 und 9 mg/l Erde).
Die Allee hat in Nord-Süd-Richtung und von Norden aus betrachtet eine Länge von 223 Meter (linke Seite/mittlerer Pflanzabstand in der Reihe 12,3 m) und 203 Meter (rechte Seite/mittlerer Pflanzabstand in der Reihe 14,5 m) (Abb. 1, 2 und 3). Der Abstand der beiden nördlichsten Spierlinge zur Gemeindestraße beträgt jeweils 14 Meter – gemessen vom Stammfuß bis zum asphaltierten Fahrbahnrand. Der Abstand beider Reihen beträgt 5,5 Meter.
Die nördlichen zwölf Speierlinge wurden auf einem baumfreien Abschnitt gepflanzt. Zehn von ihnen sind die ältesten Bäume. Alle weiteren wurden in einen lückigen Bestand folgender Baumarten gepflanzt (Abb. 1 und 3):
- 15 Eschen, Fraxinus excelsior L. (Oleaceae/teilweise mehrstämmig), Alter 70 bis 80 Jahre, seit 2013 abnehmende Vitalität ohne erkennbare Verbuschung einzelner Kronenpartien.
- Zwei Bergahorn, Acer pseudoplatanus L. (Sapindaceae), beidseitig am südlichen Ende der Allee mit einer Birke, Betula pendula Roth und einer Hainbuche, Carpinus betulus L. (Betulaceae), circa 70 Jahre alt.
- Eine Fichte, Picea abies H. Karst. (Pinaceae), rund 50 Jahre, Vitalität abnehmend.
- Vier Stieleichen, Quercus robur L., circa 10 bis 30 Jahre.
- Unterwuchs mit Sambucus nigra L. (Viburnaceae), Arten der Gattungen Crataegus L. (Rosaceae), Ulmus L., U. glabra Huds. (Ulmaceae).
Beschreibung der linken Reihe (= l. R.) und weiteres Vorgehen:
Aus Neu- und Nachanpflanzungen seit 2009 resultieren 15 C. domestica und ein Torminalis glaberrima Sennikov & Kurtto (Synonym: Sorbus torminalis Crantz) einschließlich vier Stockausschläge aus kurz über dem Boden abgesägten Speierlingen (vgl. Tab. 1b Nr. 27 bis 30). Davon weisen seit den Stürmen im Dezember 2013 und Oktober 2017 vier Bäume einen Schrägstand auf, wobei zwei Kronen nach Osten und eine Krone nach Nordwesten zeigen. Vier solcher Speierlinge wurden entfernt, und zwar zwei im Jahr 2021 sowie zwei Bäume im Dezember 2022. Letztere wurden von den Verfassern per Hand und mit Baggerhilfe ausgegraben. Sechs Eschen werden im Jahr 2025 gefällt. Dominant ist ein circa 50 Jahre altes Gebüsch von Salix pentandra L. (Salicaceae) oder einem Bastard mit dieser Baumart, wobei die Blattgröße, -form und -aderung der Art S. gracilistyla Miq. ähnelt; ein A. pseudoplatanus sowie eine P. abies. Letztere wird 2025 gefällt.



Beschreibung der rechten Reihe (= r. R.) und weiteres Vorgehen:
Aus Neuanpflanzungen resultieren 14 C. domestica und ein T. glaberrima einschließlich eines Stockausschlages (Tab. 1b Nummer 31). Von den Speierlingen weisen seit den Stürmen im Dezember 2013 und Oktober 2017 zwei Bäume einen Schrägstand auf, der nach Nordwesten zeigt. Ein weiterer Speierling wurde im November 2022 von den Verfassern per Hand und mit Baggerhilfe ausgegraben. Neun Eschen werden im Jahr 2025 gefällt, um zusätzlichen Platz für weitere Spierlinge zu schaffen.
Im Dezember 2024 wurden am Südende l. R. und r. R. circa 50 Meter weiter nördlich jeweils ein Sämlingsbaum von Pinus sylvestris L. (Pinaceae) gepflanzt. Beide sind elf Jahre alt und 2 Meter hoch. Der Mutterbaum ist die "Windflüchter-Kiefer" bei Lietzow (Gemarkung Borchtitz) die seit dem 6. Oktober 1988 Naturdenkmal ist und 2014 erstmals beerntet wurde (Stephan & Dujesiefken 2024: 108).
Im Ergebnis besteht die Allee derzeit aus neun Baumarten wobei drei Arten sehr seltene (Kiefer) beziehungsweise neue Alleebaumarten (Speierling, Elsbeere) für M-V darstellen (vgl. Lehmann & Schreiber 1997).
Entwicklung der Spierlings-Allee und Kosten
Aus dem "Alleenfonds" wurden bis Dezember 2024 fast 46.000 Euro (brutto) verausgabt (Kosten gerundet):
- 12.000 Euro: Neuanpflanzung von 19 Spierlingen (H 3xv mDb 16–18) in den Frühjahren 2009 (10 Bäume) und 2014 (neun Bäume), zweijährige Entwicklungspflege, Ausfräsen von sechs Stubben, Schutz vor Wildverbiß (Höhe 1,8 m), Verankerung im Pfahl-Dreibock.
- 10.000 Euro: Neuanpflanzung von 17 Spierlingen (H 3xv mDb 16–18) im Frühjahr 2013, dreijährige Entwicklungspflege, Schutz vor Wildverbiss (Höhe 1,8 m), Verankerung im Pfahl-Dreibock.
- 800 Euro: Ausfall von zwei Spierlingen aus dem Jahr 2009 (bis März 2025 ohne Stockausschlag) und zwei Spierlingen aus dem Jahr 2013 nach Sturmschäden ohne Ersatz. Erneuerung der Anbindungen im Pfahl-Dreibock an 14 Spierlingen im Dezember 2017.
Von den 14 schräg stehenden Bäumen werden bis 2021 fünf Bäume beseitigt (ohne Mittel des "Alleenfonds"). Die Ausgrabung von drei weiteren Spierlingen mit Schrägstand erfolgt per Hand durch die Verfasser im Dezember 2022 (ohne Mittel des "Alleenfonds") ohne Ersatz mit dem Ziel, die Ursache des Schrägstands am Wurzelstock herauszufinden. Sechs schräge Bäume verbleiben (Nr. 9, 10, 11, 12, 13, 14).
- 23.000 Euro: Nachanpflanzung von fünf C. domestica und zwei T. glaberrima (Sämlingsware der Baumschule Lorberg, H 3xv mDb 12–14) im November 2023 mit Pflanzgrube 1,5 x 1,5 x 1,5 Meter, fünfjährige Anwuchs- und Entwicklungspflege mit fünf Wässerungsgängen pro Jahr bis Juni 2028 (80 bis 150 l je Baum), Pflegeschnitt, einmalige Düngung der 19 älteren Bestandsbäume und einmalige Düngung der oben genannten sieben Speierlinge (ohne Stockausschläge) nach Bodenanalyse im Jahr 2024, Lösen der Baumanbindungen im 3. Standjahr; Umzäunung der Stockausschläge (Höhe 1,8 m) in 2024.
Im März 2025 besteht die Allee aus 33 gepflanzten Bäumen: 29 C. domestica mit fünf Stockausschlägen, zwei T. glaberrima (Tab. 1a bis 1c) und zwei P. sylvestris. Die Stockausschläge gelten in M–V als gesetzlich geschützt, weil ein Mindeststammumfang für Alleebäume seit Januar 1992 nicht gesetzlich festgeschrieben wurde (vgl. Definition zu "Neuanpflanzung" in Lehmann & Schreiber 1997: 264; Baumschutzkompensationserlass 2007: Ziffer 2.2).



Ergebnisse
Nach Literaturauswertungen handelt es sich um die derzeit nördlichste Allee mit C. domestica in Europa.
1. Vitalität
Die im Freistand stehenden Bäume zeigen eine Vitalitätsstufe "0" nach Roloff (2001), eine Langtriebbildung (Länge > 20 cm) und zügige Kronenentwicklung, selbst mit starkem Fruchtbehang. Die in ihrer ersten Vegetationsperiode stehenden Nachpflanzungen sind vital mit Langtriebbildung. Das trifft auch für die Elsbeeren zu. Die Langtriebbildung ist bei denjenigen Bäumen umso geringer, je dichter diese an den Eschen stehen und/oder in Konkurrenz zu hohem Grasaufwuchs.
2. Fruktifizierung
Unabhängig von Stammumfang (StU), Kronenansatz (KA/erster Ast ab ca. 2 cm Umfang), Höhe ("H" in Tab. 1a bis 1c) und Schrägstand hatten alle Spierlinge im zweiten und dritten Jahr nach der Pflanzung bis Herbst 2024 eine große Anzahl von Früchten mit birnenförmiger, seltener eiförmiger Gestalt und Längen von mehr als 3 Zentimeter; die Oberfläche der Früchte ist nicht geriffelt. Die Farbe ist zunächst gelblich, später fleckenweise rötlich, oder bleibt an einigen Bäumen gänzlich grün (Abb. 10). Alle Früchte sind im Dezember vom Rot- und Damwild verzehrt; ohne sichtbare Schäden an den Bäumen. Die verschiedenen Farben der Früchte und die zeitlich unterschiedlich einsetzende Blattverfärbung im Herbst deuten auf mehrere Mutterbäume der gleichen Art hin. Die Hybridisierung mit anderen Arten ist aus der Literatur nicht bekannt und wegen der monotypischen Gattung Cormus unmöglich.
3. Alter
Das Alter der Speierlinge ist nicht bekannt. Die ersten Früchte werden mit 8 bis 12 Jahren gebildet (Sˇpisˇek & Benediková 2015: 22). Entsprechend der oben genannten Beobachtungen kann daher ein Alter von 21 Jahren (2009 gepflanzt, Abb. 9), 18 bis 19 Jahren (2013, 2014, Abb. 8) und acht Jahren (2023 gepflanzt) angenommen werden. Das Alter "acht" entspricht auch den Erfahrungswerten für andere Baumarten bei Hochstämmen 3xv 16–18 in Baumschulen.
4. Höhenwachstum der Stockausschläge und Jungbäume
Ein schnelles Wachstum zeigen die Höhen der drei Stockausschläge aus dem Jahr 2022 (vgl. Tab. 1b, Abb. 4). Stockausschläge sind beim Speierling zur Arterhaltung bei weit auseinanderliegenden kleinen Populationen ein wesentliches Element (George et al. 2016: 27). Die Höhe der ältesten Bäume liegt in einer Differenz von bis zu 3,1 Meter (vgl. Tab. 1a).
5. Frostempfindlichkeit
Selbst bei den 2009 gepflanzten Speierlingen zeigte sich keine Frostempfindlichkeit (vgl. Winter 2009/2010).
6. Wurzelentwicklung – Ergebnisse der Ausgrabung von drei Bäumen
Die Stämme zeigen beim Übergang in den Boden eine knollenartige Verdickung, die in einer Einschnürung endet (Abb. 5). Unterhalb dieser setzt der Wurzelbereich an. Es handelt sich hierbei ganz offensichtlich um eine Veredelung, bei der Unterlage und Spross von der Wuchsstärke und/oder der Verträglichkeit nicht zusammenpassen. Am knollig verdickten Stamm und im Übergangsbereich von Stamm zu Unterlage treten Adventivwurzeln auf mit überwiegend der Stärke von Fein- und Schwachwurzeln (0,1 bis 0,5 cm bzw. 0,5 bis 2 cm Durchmesser), kaum Grob- und keine Starkwurzeln (2 bis 5 cm, > 5 cm) die als Haltewurzeln fungieren könnten (Abb. 6, 7). Die Wurzellänge beträgt im Mittel 50 bis 75 Zentimeter, nur wenige Wurzeln erreichen 100 Zentimeter (vgl. Kausch-Blecken 2000: 107). Während die stärkeren Adventivwurzeln gut mit Feinwurzeln ausgestattet sind und vital wirken, treten an den Wurzeln der Unterlage nur wenige Feinwurzeln auf. Die Unterlagen haben deutlich geringere Vitalität und sterben teilweise ab. Nach diesem Befund wird klar, warum die Bäume sich noch ausreichend ernähren und damit auch wachsen und fruchten konnten, aber mit zunehmender Höhe sich nicht ausreichend verankern konnten und wiederholt mit Dreiböcken gehalten werden mussten. Ein Hinweis auf Schäden durch Mäuse wurde nicht gefunden. Im Jahr 2023 wurden neben einem ehemaligen Standort eines abgesägten Speierlings Wurzelschosser von Cydonia oblonga Mill./Quitte (Rosaceae) auf der verwendeten Unterlage gefunden. Kein Schrägstand wurde bis März 2025 bei den Bäumen aus dem Jahr 2009 beobachtet. Vermutlich handelt es sich hierbei um aus Samen vermehrte Speierlinge oder um Auslesen auf Sämlinge der eigenen Art. Auch eine artfremde, aber verträgliche Unterlage ist möglich.
In der Literatur werden Unterlagen für Speierlinge überwiegend abgelehnt für Bäume in Wäldern und Parks (Kausch-Blecken 2000: 108 bis 113) oder befürwortet zum Beispiel auf Pyrus communis L. sowie Arten der Gattung Crataegus L. (Rosaceae) (Sˇedivá 2015).
Die Veredelung von Auslesen auf Sämlinge der eigenen Art gilt als unproblematisch. Im Ergebnis wird die letzte Aussage befürwortet und in Kombination mit dieser hat sich gezeigt, dass der Speierling als Alleebaumart auf trockenen, süd- und windexponierten Standorten mit einer hohen Anzahl an Stunden mit Sonnenschein (vgl. Merkmale des Standortes) in M-V geeignet ist. Empfehlenswert sind bei Straßenbäumen auch eine Bodenanalyse, bedarfsorientierte Düngung, Herbstpflanzung und große Pflanzgruben unter anderem mit 1,5 Meter Tiefe.
Literatur
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