Naturwerkstein im GaLaBau

Des Südens liebster Baustoff

Reiner Krug ist seit 2001 Geschäftsführer des Deutschen Naturwerksteinverbandes (DNV), mit dem er den Baustoff in ganz Deutschland bekannter machen will. Foto: DNV

Exkurs-Redakteur Hendrik Behnisch sprach mit dem Geschäftsführer des Deutschen Naturwerkstein-Verbandes (DNV), Reiner Krug, über die Vorzüge von Naturstein, die regionalen Eigenarten seiner Verwendung und den Konkurrenzkampf, den sich einheimische Firmen mit Anbietern aus Indien und China liefern.

Exkurs: Was tut der DNV, um die deutschen Fachbetriebe in der Naturwerksteintechnik zu stärken?

Reiner Krug:
Der Deutsche Naturwerkstein-Verband (DNV) ist ein Fachverband, der sehr stark auf Technik ausgerichtet ist. Wir beraten Betriebe darin, wie Naturwerkstein technisch korrekt angewandt wird. Zudem veröffentlichen wir bautechnische Informationen, die ausführenden Firmen und Planern dabei helfen, Natursteinarbeiten schadensfrei umzusetzen. So gab es bereits 1955 die ersten Verlege- und Versetzrichtlinien des Verbandes, in denen konkret Hinweise dazu gegeben werden, wie Naturstein richtig zu verarbeiten ist. Weiterhin ist der DNV in der Normenarbeit sehr aktiv. So wirken wir an beispielswiese an den normativen Regeln für Naturwerkstein auf nationaler und europäischer Ebene mit.

Der Natursteinbranche wird gemeinhin eine positive Ökobilanz attestiert, da der Baustoff recht umweltschonend in Steinbrüchen gewonnen wird. Wie genau geht der technische Abbau von Naturstein vonstatten?


Grundsätzlich muss man wissen, dass es zwei große Steinindustrien gibt: Einerseits die Natursteinindustrie, die als Zulieferer für Schotter-, Kies- und Zementwerke fungiert und den Werkstein, den wir vertreten, andererseits. Die Zulieferindustrie benötigt für die Weiterverarbeitung möglichst kleinteilige Steine, weshalb in deren Steinbrüchen überwiegend gesprengt wird. In der Werksteinindustrie benötigt man größere Steine, weshalb dort nicht im großen Stil mit Sprengungen gearbeitet wird. Unsere Steinbrüche sind sehr schonend im Abbau, wobei es drei Hauptmethoden für den Naturwerkstein-Abbau gibt. Bei Hartgesteinen, die schwerer zu gewinnen sind, werden Bohrungen mit kleineren Sprengladungen eingesetzt. Die Steine werden also abgesprengt – aber dabei geht es nur darum, einen Riss im Gestein zu erzeugen. Die Sprengungen sind völlig ungefährlich. Es macht „Puff“, und schon kann der Block aus dem Berg entnommen werden. In den meisten Fällen wird der Werkstein allerdings mit einem Diamantseil gewonnen. Zunächst werden senkrecht und waagerecht Bohrungen im Stein eingebracht, worin dann das Diamantseil eingefädelt wird. Mithilfe eines motorbetriebenen Rades sägt sich das Seil durch den Stein und liefert exakte, kubische Blöcke. Das ist sehr vorteilhaft, da somit nur wenige Stein-Abschnitte anfallen, die nicht verwendet werden können. Die dritte Methode ist für die Weichgesteine prädestiniert: Mit einer Schrämmsäge – die man sich wie eine große Kettensäge vorstellen muss – werden Blöcke aus der Steinbruchwand gesägt. Sind Klüfte und Risse vorhanden, können die Steinblöcke auch direkt mit dem Bagger aus der Bank gebrochen werden. Ein Satz noch zur hervorragenden Ökobilanz unserer Branche: Die Energiemengen, die wir im Steinbruch benötigen, sind sehr gering, die Hauptenergie fällt für die Fertigung im Werk an, wenn die Platten auf Format geschnitten werden und eine Oberflächenbearbeitung aufgebracht wird. Auch beim Transport sieht es gut aus: Beim einheimischen Naturstein haben wir keine großen Entfernungen von den Steinbrüchen zu den Werken und den Baustellen zu verzeichnen. Außerdem bieten unsere Steinbrüche selbst im laufenden Betrieb sehr viel Bio-Diversität. Sie beheimaten geschützte Tiere und Pflanzen, die es in der deutschen Agrarlandschaft sonst gar nicht mehr gibt. Die hiesigen Umweltschutzverbände bewerten unsere Steinbrüche daher durchgehend positiv.

Dieser Kalksteinbruch in Oberbayern ist nur einer von unzähligen Abbau-Hotspots im Süden der Republik Foto: Christian Holzner, Wikimedia Commons [Public Domain]

Für Krug ist Naturstein ein Baustoff der Zukunft, den besonders seine lange Haltbarkeit, seine Dauerhaftigkeit und eine hervorragende Ökobilanz bei seiner Gewinnung auszeichnen. Foto: Wiltrud Lütge, Patzer Verlag

Wo befinden sich hierzulande die Hot-Spots für den Naturstein-Abbau?

Vornehmlich in Süddeutschland. Das hat geologische Gründe, da im Norden der Republik eher lockeres Gestein vorkommt – wie etwa Sand und Kiese. Das größte Abbaugebiet findet sich im bayerischen Altmühltal, wo der Jurakalkstein und die Solnhofener Plattenkalke zuhause sind. Im Würzburger Raum, wo unser Verband seinen Sitz hat, werden Muschelkalke abgebaut – ebenso wie in großen Gebieten Thüringens. Die Granitindustrie hatte früher im Schwarzwald einen Schwerpunkt, der sich aber mittlerweile in den Bayerischen Wald und ins Fichtelgebirge verschoben hat. Auch in Rheinland-Pfalz gibt es bedeutende Natursteinbrüche, genauer in der Osteifel, wo die Mayener Basaltlava, ein vulkanisches Gestein, beheimatet ist. Einen großen Anteil am deutschen Natursteinvorkommen haben darüber hinaus die Sandsteine, die in Flussgebieten vorkommen. Zu nennen sind hier vor allem die Main-, Mosel-, Neckar- und Elbsandsteine.

Der GaLaBau nördlich der Rhein-Main-Linie hat wenig mit „Ihrem“ Baustoff zu tun. Hand aufs Herz: Ist Naturstein ein Luxusgut für den reichen Süden der Republik?

Nein, das Nord-Süd-Gefälle in der Natursteinverwendung ist eine Gewohnheitssache. In Bayern, Baden-Württemberg und Hessen wachsen die Leute mit dem Baustoff Naturstein auf und möchten ihn dann später auch ganz selbstverständlich in ihrem Privatgarten verwenden. Während Klinker die traditionelle Bauweise im Norden ist, gibt es in Süddeutschland einfach eine historisch bedingte Naturstein-Affinität. Wir wollen den Naturstein aber natürlich auch in den neuen Bundesländern bekannter machen und besser vermarkten. Denn er ist ein Baustoff der Zukunft, für den einige Argumente sprechen: Seine lange Haltbarkeit, seine Dauerhaftigkeit und die hervorragende Ökobilanz bei seiner Gewinnung, über die wir bereits gesprochen haben.

Diese positive Ökobilanz wird dadurch konterkariert, dass wir alle der Marktlogik der Globalisierung unterworfen sind – mit dem Ergebnis, dass massenhaft billiger Naturstein aus Asien nach Deutschland importiert wird. Dessen Transport hierher jagt zwangsläufig hohe CO2-Mengen in die Atmosphäre. Wie beurteilt der DNV diesen Naturstein-Import?

Wir sehen das kritisch, denn die Preisvorteile von asiatischem Naturstein werden durch die Billiglöhne in Fernost verursacht. Da in Asien und Deutschland die gleichen Maschinen beim Abbau zum Einsatz kommen, sind die Kosten des maschinellen Abbaus an beiden Standorten identisch. Dass der asiatische Naturstein billiger ist als einheimischer, ist eine direkte Folge dessen, dass Arbeitskräfte dort weniger wert sind als bei uns. Leider ist bei Ausschreibungen aber der Preis das zentrale Argument, sodass es Kommunen hierzulande auch schwerfällt, sich auf heimische Steine zu berufen, da diese oft wesentlich teurer sind als die aus dem Ausland. Außerdem führen in Deutschland gesetzliche Auflagen bei Arbeitsschutz und Renaturierung dazu, dass es hierzulande viel aufwändiger ist, einen Steinbruch zu betreiben als in Indien und China. Der Transport asiatischer Steine um die halbe Welt hierher kostet kaum etwas, sodass diese Steine auf absehbare Zeit auch billiger bleiben werden als die einheimischen. Allerdings rücken durch neue EU-Initiativen die Themen Nachhaltigkeit und Arbeitsschutz bei Ausschreibungen stärker in den Fokus – indem Transporte, CO2-Bilanz und soziale Aspekte in den Einheitspreis mit eingerechnet werden können. Das soll die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Firmen wieder steigern, wobei wir da noch ganz am Anfang stehen – und wir sprechen auch nur von Handlungsempfehlungen seitens der EU, nicht etwa von Gesetzen, die in die Marktfreiheit eingreifen. Es geht eher darum, auf den Aspekt der Nachhaltigkeit aufmerksam zu machen. Wir als DNV unterstützen das und werden zeitnah Musterleistungstexte herausgeben, nach denen eine rechtssichere Ausschreibung unter Nachhaltigkeitsaspekten möglich ist.

ZUR PERSON

Reiner Krug, Jahrgang 1961, hat in Würzburg Bauingenieurwesen studiert und als Diplom-Ingenieur (FH) abgeschlossen. 1994 wurde er als bautechnischer Fachberater beim DNV angestellt und hat 2002 dessen Geschäftsführung übernommen. Krug ist seit 2001 von der IHK Würzburg-Schweinfurt öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Natur- und Betonwerksteinarbeiten. www.dnv.de

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Exkurs 02/2019 .

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